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Sterbebegleitung: Im Vordergrund steht immer der Patient

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Mein persönliches Ziel liegt nicht da, dem Menschen sterben zu helfen, sondern ihm seine verbleibende Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten“, sagte Prof. Dr. Arno Deister während der Podiumsdiskussion zum Thema Sterbehilfe. Eingeladen hatten das Forum „VHS aktuell“ und das Klinikum Itzehoe.

Den Lebenden zu helfen, das versuchen auch die Hospizdienste, erklärte Karin Hansen vom Hospitzdienst Glückstadt. Sie bemühe sich aber auch, dabei die Angehörigen zu entlasten und ihnen eine Stütze zu sein. „Wir sind einfach nur da“, beschrieb sie den Kernpunkt ihrer Arbeit.

Ein sehr gemischtes, vor allem aber auch sehr großes Publikum bekundete Interesse an der Podiumsdiskussion. „Die Flyer und Plakate zu dieser Veranstaltung sind mir im Vorwege quasi aus den Händen gerissen worden“, berichtete Mitorganisator und Podiumsteilnehmer Kay Mordhorst. Weiterer Diskussionsteilnehmer war Dr. Christoph zur Verth, Oberarzt der onkologischen Tagesklinik am Klinikum Itzehoe. Die Gesprächsleitung hatte der Glückstädter Mediziner Dr. Klaus Heger.

Diskutiert wurden Fragen zur moderne Hochleistungsmedizin, die Leben verlängern kann. Aber auch, in wie weit Medizin Leben verlängern sollte, der Wille des Patienten und seine Würde. Eine Frage war auch, wie Nicht-Mediziner hilfreich auf dem Weg zum Sterben sein können.

Konsens der Mediziner war, dass Medizin Leben zwar verlängern kann und im Normalfall auch soll. Aber im Vordergrund muss immer der Patient und sein ganz individueller gesundheitlicher Zustand stehen. „Es kann schon sehr schwierig sein, einem Patienten zu sagen: Ich denke, Sie werden nicht davon profitieren, wenn ich alle medizinischen Möglichkeiten einsetze“, gab Dr. zur Verth zu bedenken. Wenn eine schlechte Prognose für den Patienten vorliege, sei es im Einzelfall besser, Medizin zur Linderung der Schmerzen einzusetzen, anstatt, um das Leben so lange wie möglich zu erhalten.

Denn Angehörige werden oft außer Acht gelassen. Das liege zum Teil auch daran, dass das Sterben heute nicht mehr ganz selbstverständlich zum Leben gehöre, wie früher. „Da wurde der Sterbende ganz selbstverständlich in die Familie integriert, Geburtstage wurden an seinem Bett gefeiert, das alltägliche Leben ging weiter“, erklärte Kay Mordhorst. Heute sei es unerwünscht, das Sterben auch nur in den Mittelpunkt eines Gespräches zu erheben.

An diesem Abend war dies anders. Das Publikum brachte sich in die Diskussionsrunde mit ein. Deutlich wurde, dass immer noch viele Defizite im Umgang mit sterbenden Patienten beklagt wurden, vor allem in Pflegeheimen, wo einfach das Personal und die Zeit fehle, sich intensiv um den einzelnen Menschen zu kümmern. Ein weiterer Gesichtspunkt war die juristische Seite. Wie weit darf ein Arzt einen Menschen sterben lassen, ohne selbst wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt zu werden? Und warum besteht so viel Uneinigkeit bei den Ärzten, wo doch allen scheinbar vor allem am Wohlgefühl auch des Sterbenden gelegen ist?

Zwar konnten auch die Fachleute im Podium nicht alle Fragen beantworten, doch ist in Glückstadt mit der Diskussionsrunde ein großer Schritt gegangen worden, dem Begriff „Sterbehilfe“ den negativen Beigeschmack zu nehmen. Es wurde auch deutlich, dass heute in den meisten Fällen nicht mehr das unbedingte am Leben erhalten im Mittelpunkt steht, sondern vor allem der Wille des Patienten und der Wunsch der Mediziner, ihm die letzte Lebenszeit so möglichst angenehm zu gestalten.

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erstellt am 22.Mär.2015 | 14:20 Uhr

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