Internet-Kriminalität : Steinburger Vereine im Visier von Betrügern

Mit immer neuen Methoden versuchen Betrüger im Internet Geld zu ergaunern.
Mit immer neuen Methoden versuchen Betrüger im Internet Geld zu ergaunern.

Die Kriminalpolizei Itzehoe warnt vor neuer Online-Betrugsmasche. Unbekannte Täter erbeuten in einem Fall mehrere tausend Euro.

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04. August 2018, 05:00 Uhr

Itzehoe | Von einer „Welle von Betrugsversuchen in den vergangenen Tagen“ spricht Hans-Joachim Hochleitner, Leiter des Sachgebiets Betrug bei der Itzehoer Kriminalpolizei. Offenbar spähen Internet-Kriminelle für eine neue Masche ganz gezielt Vereine aus und attackieren diese dann. Das Ziel ist stets eine Überweisung ins Ausland zu veranlassen. In mindestens einem Fall waren die Täter erfolgreich.

Beim Angelverein Angler Nord bissen sich die international agierenden Betrüger dagegen die Zähne aus. Gerd Priefer, Vorsitzender des Steinburger Angelvereins, möchte andere Vereine warnen und erklärt, wie die Täter vorgingen. „Unser Kassenwart bekam eine Email mit persönlicher Anrede und allem Drum und Dran – scheinbar von meinem Vereins-Email-Account und unterzeichnet mit ‚Gerd‘. Inhalt der Email war die Aufforderung, eine Überweisung zu tätigen.“ An dem Schreiben sei auf den ersten Blick nichts auffällig gewesen, sagt Priefer. Zwei Dinge ließen den Kassenwart aber stutzig werden: Zum einen trafen die unbekannten Schreiber „den deutschen Sprachduktus nicht ganz richtig“, zum anderen sollte er an eine andere Email-Adresse antworten, um die Details für die Überweisung zu erfahren, sagt Priefer. „Er hat sich dann direkt bei mir gemeldet und nachgefragt. Ich wusste natürlich von nichts.“

In einem anderen Fall funktionierte die Masche: Mehrere tausend Euro wurden vom Kassenwart eines Sportvereins aus der Region auf ein Konto in Italien überwiesen, berichtet Hochleitner.

Die Methode ist grundsätzlich nicht neu. Als „CEO-Fraud“ (übersetzt etwa „Chef-Masche“) ist sie international bekannt. Nur waren bisher eher Unternehmen Ziel der Betrüger, sagt Hochleitner. „Offenbar sind die Firmen inzwischen so weit aufgeklärt, dass es sich dort nicht mehr lohnt“, so der Kripo-Beamte. Nun suchen sich die Täter neue Opfer. Technisch sei die Methode raffiniert, weil die Absender-Adresse täuschend echt wirke. Die notwendigen Daten besorgen sich die Täter in der Regel über offen einsehbare Internetseiten der betroffenen Institutionen. Fälle gibt es aktuell im ganzen Bundesgebiet. „In unserer Region aber offenbar gerade gehäuft“, sagt Hochleitner. Im Frühjahr wurden Vereine im Raum Flensburg und im Kreis Pinneberg attackiert.

Die Strafverfolgung ist oft mühsam. Die grenzübergreifende Zusammenarbeit sei auch in Europa leider oft sehr bürokratisch und „zäh“, sagt Hochleitner. Und die Täter wissen das. Sie nutzen Bankkonten, die in der Regel unter falschen Namen angelegt werden, oft nur für wenige Wochen. Kommen die Strafverfolger ihnen auf die Schliche, ist das Geld meist schon ganz woanders.

Hochleitner und seine Kollegen setzen daher auch auf Prävention und Aufklärung. Sicherheit biete in Gelddingen nur eine Rückversicherung auf einem „sicheren Kanal“, etwa persönlich oder im direkten Telefonat. „Viele Unternehmen haben dies bereits umgesetzt“, sagt Hochleitner.

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