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Norddeutsche Rundschau

18. Dezember 2017 | 23:59 Uhr

Klimaschutz : Steinburg wird Energiespar-Kreis

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das ist bundesweit einmalig: Eon, Energie-Agentur und Landrat unterzeichnen Vereinbarung für ein Modellprojekt . Erklärtes Ziel: Steinburg will eine Vorreiterrolle beim Klimaschutz übernehmen.

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2013 | 05:00 Uhr

Beim Energiesparen und beim Klimaschutz will der Kreis Steinburg jetzt als gutes Beispiel vorangehen – und das bundesweit. Als erster Landkreis in Deutschland will sich Steinburg das Prädikat „energieeffizienter Kreis“ auf die Fahne heften. Das dazu passende energie- und klimapolitische Leitbild hatte der Kreistag bereits beschlossen. Jetzt wurde mit der Eon Hanse AG und der Deutschen Energie Agentur (dena) eine Vereinbarung für ein Modellprojekt unterzeichnet.

„Wir wollen neue Standards setzen und damit auch Vorbild für die Kommunen und für eine breite Öffentlichkeit sein“, verkündete Landrat Torsten Wendt. Dass das Thema auch im landespolitischen Fokus steht, machte die Anwesenheit von Innenminister Andreas Breitner deutlich. Er sieht die Kommunen beim Klimaschutz als Partner und zugleich Schrittmacher. Die jetzt geschlossene Vereinbarung nennt er einen wichtigen Beitrag zur Energiewende. Den Gemeinden komme beim Thema Energieeffizienz eine Art Leuchtturmfunktion zu. Dabei gehe es nicht darum, noch jedes einzeln stehende Gebäude in ein Null-Energie-Haus zu verwandeln. Vielmehr seien intelligente Gesamtkonzepte gefragt. Und da könne in den Gemeinden wegen der dort angesiedelten Planungshoheit viel erreicht werden.

Für Udo Bottländer gibt es gleich mehrere Gründe, beim sinnvollen Umgang mit Energie voranzumarschieren. Das Vorstandsmitglied der Eon Hanse AG nennt Kostensenkung ebenso wie Ressourcen-Schonung und die nachhaltige Verminderung der Emissionen von Kohlendioxyd.

Für die praktische Umsetzung ist jetzt die neue Steinburger Energie- und Klimamangerin Johanna Behn zuständig. Sie wird in einem ersten Schritt eine umfassende Bestandsaufnahme insbesondere der Liegenschaften des Kreises Steinburg vornehmen. Michael Müller von der Energie-Agentur macht an einfachen Beispielen deutlich, woran es in der Vergangenheit krankte: „Der Kämmerer will Geld sparen, das Bauamt will Gebäude dämmen und für den Betrieb von Heizungsanlagen ist wieder eine andere Abteilung zuständig. Und warum sollen zum Beispiel Volkshochschulkurse künftig nicht in einem Gebäudeteil einer Schule konzentriert werden ? Im anderen Teil könnte die Heizung dann nach Schulschluss herunterreguliert werden.“ Neu sei bei dem Modellprojekt daher der ganzheitliche Ansatz. Dabei werden alle Daten und Erkenntnisse zusammengeführt. Am Ende steht ein Maßnahmenkatalog.

„Wenn wir ernst machen wollen mit der Energiewende, dann müssen Kommunen und Kreise Vorreiter und Vorbilder beim Energiesparen sein“, ergänzte Professor Dr. Hans-Jürgen Block als Geschäftsführer der Kieler Gesellschaft für Energie und Klimaschutz. Nach seiner Einschätzung wurde bei der Energiewende bislang viel zu sehr auf den Ausbau grüner Energie gesetzt. „Ernsthaftes Handeln, um Energie zu sparen und diese effizienter einzusetzen, gibt es dagegen zu wenig.“ Dies soll mit dem Steinburger Modellprojekt anders werden. Für einen ersten finanziellen Anschub hatte er auch gleich einen Förderbescheid über 40 000 Euro mitgebracht.

Nach Darstellung aller Akteure soll im zweiten Quartal nächsten Jahres ein erster Energiebericht vorgelegt werden. Auf dieser Grundlage können dann entsprechende Energieeffizienz- und Klimaschutzmaßnahmen entwickelt, geplant und letztlich umgesetzt werden. Die Bandbreite reicht hier von Wärmedämmung in öffentlichen Gebäuden über eine verstärkte Ausstattung mit LED-Leuchten bis hin zu einem Mobilitäts- und Gebäudemanagement.

Das Projekt wird vom Bundesministerium für Verkehr- und Stadtentwicklung, der Eon und weiteren Partnern inhaltlich und finanziell unterstützt. Um die Umsetzung des Energie- und Klimaschutzmanagementsystems kümmert sich die Energie-Agentur, wiederum von Eon gefördert. „Natürlich hoffen wir bei der Umsetzung auch auf weitere Fördermittel“, spricht Ines Wittmüß als Leiterin des Kreisumweltamtes einen weiteren Nebenaspekt an. Das setzt allerdings wohl auch einen Erfolg bei der – wie Professor Block es nannte – Energie-Olympiade voraus. Nach etwa zwei Jahren wird sich zeigen, ob Steinburg im kommunalen Energiespar-Wettbewerb ganz oben auf dem Treppchen steht. „Ich hoffe auf mustergültige Projekte“, so Dr. Block. „Im Moment ist bei den guten Ideen noch viel Luft nach oben.“ Landrat Wendt nennt einen wichtigen Grund für das Erreichen der ehrgeizigen Ziele: „Wir wollen unseren nachfolgenden Generationen noch eine lebenswerte Zukunft bieten.“

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