Zukunftskonferenz : Steinburg - alles, was du brauchst

Mit Energie ganz oben aufs Treppchen: die Cheerleaders „Panthers“ aus Krempe.
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Mit Energie ganz oben aufs Treppchen: die Cheerleaders „Panthers“ aus Krempe.

Die Steinburger Wirtschaft verbreitet auch auf ihrer 5. Zukunftskonferenz Aufbruchstimmung. Der Kreis will dabei in der Metropolregion Hamburg ganz auf seine Stärken setzen. In Wewelsfleth wurden gleich mehrere Positivbeispiele präsentiert.

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08. November 2013, 09:44 Uhr

In Süddeutschland prahlen die Bewohner eines ganzen Bundeslandes damit, dass sie alles könnten – außer Hochdeutsch. Das können die Steinburger mühelos toppen. „Steinburg - alles, was du brauchst“ heißt die neue Botschaft, die am Donnerstag von der 5. Steinburger Zukunftskonferenz ausging. Der Initiative „Steinburg+ 2030“ gelang es ein weiteres Mal, Aufbruchstimmung zu erzeugen. Diese muss jetzt nur noch auf die Menschen über- und in die Region hineingetragen werden.

Die Akteure um Morten Holpert (Holcim), Dietrich Austermann (Ex-Wirtschaftsminister), Marianne Boskamp (Unternehmerin), Thiess Johannsen (Itzehoer Versicherungen), Professor Dr. Ralf Thiericke (IZET), Sven Haltermann (B+H in Itzehoe), Tilmann Schütt (Unternehmer), Hans-Ulrich Behnecke (BEBC), Burkhard Mertsch (Marketing-Experte), Stephan Schack (Volksbank Itzehoe) und Professor Dr. Jürgen Teifke (Bildungsexperte) verstehen sich als überparteiliche Initiative, die aus der Wirtschaft heraus die Region voranbringen will. Dabei begann das Programm in der Wewelsflether Mehrzweckhalle eher depremierend. Moderator Johannsen erinnerte an den kompletten Wegfall sämtlicher Bundeswehrstandorte und - zuletzt - die Schließung der Großdruckerei Prinovis. Nach der eher düsteren Einführung überwogen die Lichtblicke, die den Steinburgern Mut machen sollten. Getreu auch dem diesjährigen Veranstaltungsmotto: „Stärke zeigen in der Metropolregion“.

Und dass die Steinburger da einiges zu bieten haben, wurde schon im Vorprogramm für die fast 200 angemeldeten Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft deutlich. In Gruppen aufgeteilt, konnten sie auf dem Gelände der Peters Schiffbau GmbH das sonst der Öffentlichkeit nicht zugängliche Entstehen einer weiteren Mega-Yacht der Superlative bestaunen (Bericht dazu folgt).

Lichtblicke gibt es dank mutiger und vorbildlicher Unternehmer-Initiative aber auch im Kleinen. Thiess Johannsen begrüßte auf der Bühne den Itzehoer Metallbauer Andreas Kruse. Sein Familienbetrieb verliert durch die Prinovis-Schließung auf einen Schlag langjährige Aufträge für acht fest angestellte Mitarbeiter. Kruse trat die Flucht nach vorne mit – mit Erfolg. Er investierte in einen neuen Firmenstandort im Itzehoer Norden und freut sich jetzt über eine „extrem gute Auftragslage“. Andreas Kruse hat mit seiner Entscheidung nicht nur acht Arbeitsplätze gerettet, sondern inzwischen sogar zehn weitere Mitarbeiter eingestellt. „Ich bin sehr optimistisch und freue mich auf die Zukunft.“

Eine weitere Erfolgsgeschichte präsentierte Bernhard Rösler, Chef der CRE Electronic GmbH und Vorsitzender des Itzehoer Luftsportvereins. Innerhalb von nicht einmal zehn Jahren sei es gelungen, aus dem verwaisten Flugplatz am Hungrigen Wolf ein Gewerbegebiet mit 20 Firmen und rund 100 Jobs zu machen. Nicht genug genug: 84 Flugzeuge seien hier fest stationiert, 500 Menschen erlebten ihre Freizeit rund um den Flugplatz, der sich zudem auch in ein weithin ausstrahlendes Event-Gelände verwandelt habe. Hinzu kommt noch eine Künstlerkolonie mit 50 Ateliers.

Wie man aus dem Nichts heraus ganz oben auf das Treppchen gelangen kann, wurde zur Pause auch im Showteil deutlich. Die Kremper Cheerleaders „Panthers“ begeisterten ihr Publikum mit einem wahren Feuerwerk. Mit dem Programm waren sie innerhalb kurzer Zeit Landesmeister, Deutscher Vize-Meister und im Sommer sogar Europameister geworden.

Steinburg hat also im Grunde alles, was es braucht. Nur muss dies in der Metropolregion offenbar deutlich besser nach Außen getragen werden. „Viele wissen gar nicht, was sie schon haben und was genau sie eigentlich wollen“, ermunterte Marketing-Experte Holger Meyer von der Adconion Media Group die Steinburger dazu, erst einmal das vorhandene Potentiual überhaupt auszuschöpfen. Dabei müssten die Steinburger sich die gesamte Klaviatur der Medienlandschaft zunutze machen – allerdings auch immer genau hinschauen, was den Erfolg bringen kann. Einen ersten Ansatz hat Meyer schon in Facebook gefunden. Er rechnete vor, dass Facebook allein in Deutschland 28 Millionen Nutzer habe. 42 000 davon, so hatte er mit ein paar Klicks herausgefunden, seien an den Begriffen Steinburg und Itzehoe interessiert. Ob sich dahinter im konkreten Fall allerdings auch potentielle Kunden oder anderweitige Verbraucher verbergen, sei offen.

Regionalmarketing war dann auch das letzte Stichwort der 5. Zukunftskonferenz. Und das fängt nach Einschätzung von Stephan Richter erst einmal in den Köpfen an. Dem Sprecher der Chefredakteure im Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag (sh:z) fiel zum Thema Steinburg spontan erst einmal die schlechte Verkehrsanbindung ein. Da hatte ihm des Bundesverwaltungsgericht mit seiner jüngsten Entscheidung zum Bau der A 20 im Raum Segeberg auch gleich eine Steilvorlage geliefert. Zum Schutz von Fledermäusen muss die dortige Planung völlig neu aufgerollt werden. Richter hatte sich über Fledermäuse schlau gemacht. Diese, so stellte er mit Blick auf die Umsetzung von Großprojekten fast überall im Land fest, verfielen demnächst in einen Winterschlaf, der genau genommen eher als lethargischer Zustand daherkomme.

Noch Anfang der 70er Jahre, so Richter weiter, habe man innerhalb von fünf Jahren weite Teile der Autobahn 7, ein Kernkraftwerk in Brunsbüttel und dort sogar noch ein großes Industriegebiet umgesetzt. Heute beschränke sich ein Koalitionsvertrag auf den Bau von 17 Kilometern Autobahn. Der Sprecher regte an, sich ein Beispiel an den Dänen zu nehmen, wo jedes Großprojekt mit einer Aufbruchstimmung verbunden sei. Abschließend wies Richter noch daraufhin, dass – jetzt wieder mit Blick auf die Fledermäuse – zum Erwachen aus einem Winterschlaf besonders viel Energie benötigt werde. Vielleicht sollte sich das Land da ein Beispiel an den jungen Krempern nehmen. Die „Panthers“ strotzten nur so vor Energie.

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