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Wirtschaft : Steinbeis – Energie erzeugen mit Müll

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Kreispolitiker informierten sich vor Ort, wie ab 2016 der Hausmüll zu Strom wird. Papierherstellung mit eigener Energie

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erstellt am 30.Aug.2014 | 08:00 Uhr

Alte Sofas und Matratzen werden schon in Energie umgewandelt, jetzt kommen auch die schwarzen Säcke hinzu: Die Firma EBS Concept kauft ab 2016 von den Kreisen Steinburg und Dithmarschen den Restmüll auf. Insgesamt 40 000 Tonnen pro Jahr. Mitglieder des Steinburger Umweltausschusses und Mitarbeiter der Kreisverwaltung waren jetzt vor Ort, um sich anzusehen, wo und wie Haushaltsmüll verarbeitet wird.

EBS Concept ist eine Firma auf dem Steinbeis-Gelände, das Paper herstellende Unternehmen ist zu 50 Prozent an EBS beteiligt. Unterschiedlichste Abfälle werden dort zu Ersatzbrennstoffen verkleinert und sortiert und landen schließlich im Steinbeis-Kraftwerk. Dort angekommen, werden die Stoffe bei 950 Grad verbrannt. Mit dem Dampf wird eine Turbine angetrieben, und es wird Strom erzeugt für den Betrieb der Papiermaschinen bei Steinbeis. Zudem wird der Dampf in der Produktion genutzt, damit Papierbahnen getrocknet werden können.

Eine Einführung in die Thematik bekamen die Politiker von gleich mehreren Mitarbeitern von Steinbeis und EBS Concept. Über das Unternehmen – hergestellt wird ausschließlich Papier aus Altpapier – informierte Geschäftsführer Dr. Michael Hunold. Den Kreislauf erklärte Jörg Warnke, Geschäftsführer Steinbeis Energie GmbH und Chef von 26 Kraftwerks-Mitarbeitern. „Wir erzeugen Strom, mit dem wir 20 000 Haushalte versorgen könnten“, erklärte Warnke. 356 Millionen Kilowattstunden werden im Jahr erzeugt. „Mit dem Dampf könnten wir 100 000 Bürger versorgen.“ Im Kraftwerk werden auch die Restfasern verbrannt, die bei der Papierherstellung anfallen. 173 000 Tonnen Ersatzbrennstoffe wurden 2013 verwertet, plus 58 000 Tonnen Papierreste. Der Hausmüll der Region wird ab 2016 nicht zusätzlich verwendet. Er ersetzt Stoffe, die jetzt anderswo herkommen. Bei Steinbeis wird aus den Stoffen über 80 Prozent Energie erzeugt. „Wir haben die höchstmögliche Ausbeute“, betonte Warnke.

Jan Geier erklärte die Arbeit der Firma EBS Concept mit ihren zwölf Mitarbeitern. Er begrüßte die Entscheidung des Kreises. In den Kriterien der Ausschreibung sei es auch um die Strecken gegangen, die der Hausmüll gefahren werden muss. Und um die Energiebilanz der Verwertung. „Die Vorteile für den Kreis sind die geringen Entsorgungskosten und die regionale Entsorgung.“

Eingeladen waren die Politiker zu einer Besichtigung bei EBS Concept. Hier war neben den Geschäftsführern Jan Geier und Hans-Jürgen Spreen auch Betriebsleiter Olaf Petersson dabei. Die Besucher blickten auf einen großen Berg Müll. Und sie beobachteten, wie ein Mitarbeiter der Firma mit einem Schaufelbagger die Berge bearbeitete. Wegen der Staubentwicklung sitzt der Fahrer in einem angeschlossenem Gehäuse.

Der Weg führte auch in die Sortieranlage, wo einzelne Bestandteile herausgezogen werden: „Die Magneten ziehen Metalle heraus“, erklärte Hans-Jürgen Spreen. Diese Metalle werden dann weiterverkauft. Neben Sperrmüll kommt zurzeit auch Bauschutt in die Sortierung. Weil Kies und Sand jedoch nicht brennen, müssen diese Materialien herausgefiltert werde. Kaffeesatz fällt auch durchs Raster. Was aussortiert und nicht mehr verwertet werden kann wird – dazu zählte beim Besuch der Kreispolitiker auch ein aufgeschlitzter gelber Gummistiefel – wird über Förderbänder auf einen Haufen abgeladen. Diese für Steinbeis nicht interessanten Reststoffe werden von einem Entsorger abgeholt und anderweitig nochmal auf Brauchbares wie Steine und Holz untersucht, erklärt Hans-Jürgen Spreen. Auch Ungewöhnliches kommt manchmal in der Sortieranlage an – unter anderem Böller nach Silvester. „Wenn jemand im Müll Knaller entsorgt hat, hat es auch schon in der EBS-Sortieranlage geknallt.“

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