Wirtschaft : Steinbeis baut 32 Stellen ab

Das Altpapier führte zu einem schlechten Betriebsergebnis bei dem Glückstädter Unternehmen.
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Das Altpapier führte zu einem schlechten Betriebsergebnis bei dem Glückstädter Unternehmen.

Seit zehn Jahren erstmals wieder rote Zahlen: Glückstädter Papierkonzern stellt sich nach schwierigem Geschäftsjahr in 2017 neu auf.

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20. Dezember 2017, 05:46 Uhr

„Das Geschäftsjahr 2017 war für uns schwierig und wird mit Verlusten enden. Zu den eingeleiteten Maßnahmen zur Konsolidierung gehört auch der Abbau von Personal. Dennoch blicken wir wieder positiv nach vorn.“ Das ist die Bilanz von Ulrich Feuersinger über das abgelaufene Wirtschaftsjahr. Er ist Geschäftsführer der Steinbeis Papier GmbH, einem der modernsten Recyclingpapierfabriken in Europa. Im Betrieb sind derzeit 322 Mitarbeiter beschäftigt, die Jahresproduktion liegt bei 298 000 Tonnen Papier, je zur Hälfte Büro- und Magazinpapier. Feuersinger ist für den kaufmännischen Bereich verantwortlich: „Wir haben zwar früher schon schlimmere Jahre gehabt, aber seit zehn Jahren schreiben wir erstmals wieder rote Zahlen. Deshalb haben wir seit Oktober mit Unterstützung einer Unternehmensberatung ein umfassendes Konzept zur ganzheitlichen Optimierung von Wachstum und Ertrag erarbeitet.“

Nach einem guten Start entwickelte sich das zweite Halbjahr 2017 für den Betrieb schwierig. Feuersinger nennt dafür drei Gründe. Zum Einen gab es Produktionsprobleme an einer Papiermaschine, verursacht durch das Altpapier mit Klebebindungen und den zunehmenden beigelegten Warenproben. Des Weiteren sind die Preise für Altpapier deutlich gestiegen, bedingt durch ein verringertes Angebot und eine steigende Nachfrage. Zum Dritten gestalteten sich die Absatzmärkte schwierig: „Aufgrund des großen Angebotes an Magazinpapieren standen die Erlöse unter Druck. Zwei Mitbewerber sind bereits in die Insolvenz gegangen.“ Um den Betrieb rechtzeitig zukunftsfähig aufzustellen, müsse alles kritisch hinterfragt werden. Dazu wurde ein Konzept erarbeitet, und erste Erfolge sind bereits eingetreten. Die technischen Probleme an der Papiermaschine mit häufigen Abrissen seien weitestgehend im Griff, mit neuen Kunden seien neue Absatzwege erschlossen worden und Kosten sollen gesenkt werden. Dazu zählt neben dem Auslagern der Logistik und der Altpapiervorsortierung an Fremdfirmen auch der Abbau von Arbeitsplätzen. „In den nächsten drei Jahren sollen 32 Arbeitsplätze sozialverträglich abgebaut werden. Das heißt, sie werden bei Pensionierung oder Abgang nicht wieder besetzt, allerdings gab es auch drei Kündigungen in der Verwaltung.“

Den Mitarbeitern wurden diese Informationen auf einer Betriebsversammlung mitgeteilt. Nach Einschätzung des Geschäftsführers verlief die Versammlung ruhig und sachlich, denn der Betriebsrat sei stets in die anstehenden Entscheidungen eingebunden gewesen. Etwas leichter waren die Maßnahmen dadurch zu vermitteln, da zurzeit wieder eine bessere Auftragslage herrscht, sogar in der Weihnachtspause wird durch produziert. „Der Auftragseingang ist im letzten Quartal um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr angestiegen, und sowohl beim Büro- als auch im Magazinpapier sind höhere Erlöse umsetzbar. Mit diesem Rückenwind gehen wir von einer nachhaltigen Ergebnisverbesserung aus.“

Die Investitionen werden im nächsten Jahr allerdings geringer ausfallen, als in den Vorjahren. Im Jahr 2019 ist der Bau einer großen Lagerhalle neben der Straße „Am Rethövel“ geplant, denn im Betrieb kann nur die Produktion von einer Woche gelagert werden. „Bei größerer Lagerhaltung, durch Feiertage und Urlaub bedingt, müssen wir jetzt auf angemietete Lagerkapazitäten zurückgreifen.“


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