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Modellprojekt : Startschuss fürs schnelle Internet

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Für zwei Millionen Euro soll der Anschluss an die High-Speed-Datenwelt in Kronprinzenkoog realisiert werden – ohne Zweckverband des Kreises.

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erstellt am 29.Apr.2014 | 17:00 Uhr

In der Marner Nachbargemeinde Kronprinzenkoog begann Montag Vormittag eine neue Ära: Der erste Spatenstich für ein ehrgeiziges Projekt soll den Koog mit schnellem Internet versorgen. Damit unternimmt der Koog einen Alleingang in Dithmarschen, denn er zieht beim kreisweiten Zweckverband nicht mit. Der hatte gerade die Ausschreibung für das 120-Millionen-Projekt auf den Weg gebracht. In Kronprinzenkoog dagegen wird die mit zwei Millionen Euro bezifferte Investition von einer privaten Gesellschaft geschultert, der Breitbandnetz Südermarsch UG & Co KG.

Bereits vor vier Jahren gab es den Versuch, den Ort mit einer schnellen Datenleitung zu versorgen. Doch nach zwei Jahren hatte sich das Projekt erledigt. Dann trat die Breitbandnetz Südermarsch auf den Plan. Deren Gesellschafter sind in erster Linie Windmüller – auch aus dem benachbarten Kaiser-Wilhelm-Koog und Friedrichskoog. Außerdem ist die Gemeinde Kronprinzenkoog mit einem Anteil über 350 000 Euro einer der Gesellschafter. Nach zähem Anlauf kann Geschäftsführer Carsten Paustian zufrieden sagen: „Wir haben jetzt genügend Nutzer, um das wirtschaftlich betreiben zu können.“ Nicht nur er ist überzeugt, dass mit dem sichtbaren Baubeginn weitere Einwohner hinzukommen.

Vom Startpunkt beim Kindergarten in der Mittelstraße aus wird zunächst eine neun Kilometer lange Leitung nach Barlt gelegt. Dort ist noch im Mai der Anschluss an die große, weite Internetwelt geplant. Anschließend soll die Gemeinde von der Mittelstraße aus an die Datenleitung angeschlossen werden. Provider ist die Kieler TNG, Betreiber die Hamburger Global Connect. Mit im Boot sind zudem die Stadtwerke Brunsbüttel, die anschlusswilligen Kögern Sonderkonditionen anbieten. Dies, so Paustian gestern, sei eine Art Türöffner gewesen. Zudem locken in der Anfangszeit die niedrigen Anschlusskosten ans Glasfaserkabel.

„Windmüller, Gemeinde und Bürger in einem Boot – das ist ein Modellprojekt“, betonte Paustian beim symbolischen ersten Spatenstich. Das musste auch Kreispräsident Hans-Harald Böttger anerkennen: „Ich kann hier nur gratulieren“, sagte er. Allerdings machte Böttger auch deutlich, dass mit diesem Alleingang dem Ausscheren aus dem Zweckverband nicht Tür und Tor geöffnet werden dürfe. „Ich hoffe, dass es jetzt nicht zu einer Entsolidarisierung kommt“, warnte er. Denn das brächte das kreisweite Vorhaben ins Wanken.

Amtsvorsteher Harm Schloe bestätigte gegenüber unserer Zeitung: „Der Zweckverband ist eigentlich das richtige Instrument.“ Wobei er – wie zuvor schon der Kreispräsident – zugab, dass die meisten Gemeinden finanziell gar nicht einen solchen Eigenbeitrag wie Kronprinzenkoog hätten aufbringen können. Unstrittig ist für ihn jedoch die Bedeutung des schnellen Internets: „Für Firmen ist das unerlässlich, die sind sonst von der Welt abgeschnitten.“ Aber auch die Bürger würden davon profitieren, betonte Bürgermeister Alwin Sals und stellte fest: „Ich bin stolz darauf, dass wir es geschafft, dieses Projekt anzuschieben.“

Die an der Breitbandnetz Südermarsch beteiligten Windmüller sind bei ihren Gedankenspielen schon einen Schritt weiter. Sie wollen langfristig den von ihnen erzeugten Windstrom in der Region zur Verfügung stellen und ein so genanntes virtuelles Kraftwerk bilden. Auch dies ein Vorhaben, das ohne schnellen Datentransfer nicht realisiert werden könnte.

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