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Historisches : Starkes Interesse an Mühlengeschichte

vom
Aus der Redaktion der Wilsterschen Zeitung

Rund 150 Besucher beim historischen Vortrag des Wilsteraners Hans-Peter Micheel.

„Die Wilstermarsch senkt sich pro Jahr um zwei Millimeter, während der Wasserstand der Meere jährlich um einen Zentimeter steigt.“ Diese Zahlen nannte Hans-Peter Micheel, der auf einer gemeinsamen Veranstaltung der Fördervereine „Bockmühle in Honigfleth“ und „Wilster-Au und Schleuse“ einen Vortrag über „Die Mühlen in der Wilstermarsch, die Wilster-Au und die Be- und Entwässerung“ hielt. Rund 150 Zuhörer füllten den großen Sitzungssaal in der Amtsverwaltung. Einige mussten sogar die Fensterbänke als Sitzgelegenheit nutzen.

Aufgrund der jährlichen Setzungen der Marsch zog Hans-Peter Micheel, der sich seit vielen Jahren der Geschichte der Marsch und den Mühlen als besonderes Hobby widmet, die tiefste Landstelle Deutschlands mit 3,54 Metern unter NN in Neuendorf-Sachsenbande in Zweifel. „Hier sollte man mal neu messen“, regte Micheel an und vermutete, dass das Gelände weiter abgesackt sei und dieser Punkt noch tiefer liege.

Der Redner nahm die Zuhörer mit auf eine Reise durch die Marsch, stellte die Entwicklung der Wasser-, Wind-, Getreide- und Kornmühlen vor und wies anhand alter Karten auf die große Anzahl von Schöpfmühlen hin: 138 im Jahr 1721, dann 196 im Jahre 1878 und schließlich 276 im Jahr 1919. Vor allem im Raum Vaalermoor sowie entlang der Hackeboer Feldwettern standen die Bock- und Achtkantmühlen wie an einer Schnur aufgezogen am Ufer, wie Micheel anhand alter Fotos nachwies. „Ohne diese Mühlen wäre die Wilstermarsch in vielen Teilen versumpft oder sogar komplett überflutet worden“, machte Micheel deutlich.

Er zeigte außerdem Bilder der Galerie-Holländermühle „Aurora“ der Familie Martens in der Rumflether Straße, der ehemaligen Stadtmühle auf dem heutigen Grundstück Nimz an der Mühlenstraße, der Brokdorfer Kornmühle auf dem Elbdeich sowie einer Graupenmühle in Kasenort.

Hans-Peter Micheel berichtete eingehend über die Schöpfmühle Honigfleth, die ursprünglich zum Schütt-Hof in Dwerfeld gehörte. Peter Schütt hatte ihm viel aus der Geschichte dieser Mühle berichten können und auch den Kontakt zu dem heute in Brunsbüttel lebenden Hans Sickmann hergestellt. Der heute 91-Jährige war 1936 auf den Hof von Emil Schütt verdingt worden und hatte sich neben der Arbeit in der Landwirtschaft auch um die Betreuung der Bockmühle kümmern müssen. Vor allem mussten die Zahnräder und Lager immer wieder gefettet werden, um ein Heißlaufen und dadurch ein mögliches Feuer zu verhindern. „Viele Mühlen sind durch Feuer vernichtet worden“, berichtete Micheel.

Im 17. und 18. Jahrhundert seien es die Holländer gewesen, die die Mühlen in die Wilstermarsch gebracht hätten, erläuterte Micheel. „Sie waren die Entwässerungskünstler, während die Sachsen den Deichbau übernahmen.“ Das aus den kleinen Grüppen und in den Laufgräben gesammelte Wasser wurde über die Schnecken der Schöpfmühlen in die höher gelegenen Wettern befördert, um dann durch Siele und Schotte in die Wilster-Au oder Bekau abgeleitet zu werden. Da, wo diese Aufgabe heute durch moderne Schöpfwerke erfüllt wird, haben einst Sielschleusen gearbeitet, zeigte Hans-Peter Micheel eine Aufnahme aus dem Jahr 1896 vom Bau einer solchen Anlage in Hollerwettern. Die Entwässerung wird heute von 16 Sielverbänden in der gesamten Wilstermarsch geregelt.

Der Vortragende zeigte großen Respekt für die großartige handwerkliche Leistung des Krummendieker Zimmerermeisters Sönke Sievers beim Bau der zu Vorführzwecken aus Holz gefertigten archimedischen Schnecke bei der Honigflether Schöpfmühle. Die 3,5 Tonnen schwere und 5,20 Meter lange Schnecke kann jetzt durch elektrischen Betrieb die Funktion der Entwässerung unabhängig vom Wind darstellen. Sie wurde am 25. Mai 2010 eingeweiht. In seine Betrachtungen bezog der Redner auch die neuere Generation der Windturbinen aus der Firma Köster in Heide und die technische Revolution durch die von Albert Siemen aus St. Margarethen und seines dänischen Partners Hinsch erfundene elektrische Saugpumpe ein. Die Wilster-Au, deren natürlicher Lauf beim Bau des Nord-Ostsee-Kanals durchschnitten wurde, verzeichnet heute einen Tidenhub von 40 Zentimetern. Das führt zu einer Entwässerungsleistung von 72.000 Kubikmetern pro Tide. Micheel machte aber bewusst, dass die ungenügende Fließgeschwindigkeit zu einer zunehmenden Verschlickung der Wilster-Au führt.

Nach Ende des gut 60-minütigen Vortrags und einer lebhaften Aussprache mit den Zuhörern bedankte sich Amtsvorsteher Helmut Sievers als Vorsitzender des Bockmühlenvereins bei Hans-Peter Micheel mit einem guten Tropfen für den informativen Vortrag. „Vieles davon war auch für mich ganz neu“, sagte Sievers. Man wundere sich, „woher weet he dat so genau?!“, fügte Stördorfer Bürgermeister schmunzelnd hinzu.



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