Historische Wilstermarsch : Standardwerk zur Mühlengeschichte

Einziges Bild mit einer Mühle unter Segeln: eine Schöpfmühle in Vaalermoor, aufgenommen von Hans Timm im Jahre 1931. Fotos: Timm
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Einziges Bild mit einer Mühle unter Segeln: eine Schöpfmühle in Vaalermoor, aufgenommen von Hans Timm im Jahre 1931. Fotos: Timm

Der Sohn des Itzehoer Fotografen Hans Timm gibt eine Dokumentation über die Schöpfmühlen in der Wilstermarsch heraus.

shz.de von
21. Juli 2018, 09:14 Uhr

Einem Itzehoer Fotografen ist es zu verdanken, dass die einst in der Wilstermarsch reichlich vorhandenen Schöpfmühlen – Chronisten sprechen von mehr als 350 – zumindest als Bilder der Nachwelt erhalten geblieben sind. In den Jahren 1928 bis 1932 hatte Hans Timm, damals Mitarbeiter der Steinburger Kreisverwaltung, die Wilstermarsch nur mit seiner Leica bewaffnet systematisch nach den Relikten historischer Entwässerungskunst durchforstet.

Was er damals in vielen Bildern festgehalten hat, hat Sohn Klaus nun in einem reichbebilderten Buch „Schöpfmühlen zur Entwässerung der Wilstermarsch“ zusammengefasst. Herausgekommen ist geradezu ein Standardwerk mit vielen zusätzlichen Informationen.

„Es war eine große Freude für mich, die Foto- und Filmsammlung meines Vaters aufzubereiten und gemeinsam mit dem Förderverein für die Honigflether Bockmühle zu veröffentlichen“, sagt Hans Timm. Über den Verein kann das Buch auch bezogen werden. Der Preis von 25 Euro beinhaltet eine Spende für den Erhalt der letzten verbliebenen Bockmühle, die heute als das Wahrzeichen der Wilstermarsch gilt.

Vor hundert Jahren noch war die Marsch mit Mühlen dieser Bauweise geradezu übersät. Als Hans Timm mit seiner Kamera unterwegs war, war der technische Wandel aber bereits in vollem Gange. Umso wertvoller ist nun die Fotodokumentation. Für Herausgeber Klaus Timm war es die größte Schwierigkeit, die längst verschwundenen Standorte wieder zuzuordnen. Hier standen ihm mit Hermann Beimgraben, Jürgen Göttsche und Albert Karstens Vertreter der älteren Generation hilfreich zur Seite.

Breiten Raum in dem 80 Seiten umfassenden, großformatigen Buch nehmen auch die technischen Beschreibungen über die Funktionsweise der für die Menschen in der Marsch überlebensnotwendigen Schöpfmühlen ein. Interessante Lektüre bieten zudem historische Dokumente, darunter auch eine Expertise aus dem Jahr 1900 über ein Dampfschöpfwerk, das letztlich das Ende der windgetriebenen Entwässerung einläutete. „Besonders stolz bin ich auf das Kapitel von Gustav Karstens zur Entwässerung in Sachsenbande und Neuendorf“, sagt Fördervereinsvorsitzender Helmut Sievers. Die Lektüre lässt einen mitunter auch mal schmunzeln. So schreibt Karstens: „Das Instandhalten der Mühlensegel war für die Bauersfrau immer eine süße Last.“ Sein Beitrag schließt dann aber auch mit der Feststellung: „Der Gedanke an Abhilfe gewann immer mehr Raum.“ Schon 1907 verschwand in der Gemeinde die letzte Mühle.

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