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interview : Stammzellen spenden: So läuft es ab

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Thomas Markstein aus Krempe ließ sich im April 2012 für die 18-jährige Anna registrieren. Jetzt berichtet er über seine Erfahrung als Spender.

Der kleine Jendrik aus Breitenberg sucht dringend einen Stammzellenspender. Doch wie ist es eigentlich, Spender zu sein? Thomas Markstein (40) aus Krempe ist diesen Weg gegangen. Er hat sich im April 2012 für die 18-jährige Anna registrieren lassen, etwa ein halbes Jahr später bekam er Post.

Was war das für ein Brief?

Darin habe ich Kontaktdaten von der DKMS bekommen. Ich hatte von Anfang an eine persönliche Ansprechpartnerin. Die konnte ich jederzeit anrufen. Wir haben viele lange und nette Telefonate geführt.

Und was passierte dann?

Ich habe ein kleines Päckchen zugeschickt bekommen, da waren so kleine Blutspendenröhrchen drin, und damit bin ich zu meiner Hausärztin gegangen. Später bekam ich einen Brief, dass ich mit 70-prozentiger Wahrscheinlichkeit mit einem Empfänger übereinstimme.

Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie sich damals als möglicher Spender registriert haben?

Eigentlich durch Zufall. Ich hab von der Typisierungsaktion gelesen, und dann dachte ich: Da gehe ich mal hin. Da war auch ein ziemlich großer Andrang. Damals in Krempe war richtig was los.

Hatten Sie Bedenken vor der Registrierung in der Spenderdatenbank?

Ja, schon. Man liest ja dann doch im Internet. Das habe ich auch gemacht. Es gibt zwei Möglichkeiten: Die periphere Stammzellenspende oder die Knochenmarkspende aus dem Beckenkamm. Peripher ist überhaupt kein Ding.

Wie war es dann wirklich?

Man sitzt auf einem Liegestuhl. Ich hatte meine eigene Ärztin und eine eigene Schwester. Man hat richtig seinen persönlichen Ansprechpartner. Und dann wird man zur Ader gelassen. Man bekommt eine Flex-Kanüle gelegt, damit holen sie das Blut raus. Das ist eine Art Blutwäsche – wie Blutspenden, nur dass das Blut wieder rein kommt.

Wie lange dauert so etwas?

Das kann fünf bis sechs Stunden dauern. Und es kann auch sein, dass man einen zweiten Tag hinfahren muss. Ich hatte Glück: Ich habe nicht mal zwei Stunden da gesessen.

Sie waren also gar nicht stationär aufgenommen?

Nein. Ich habe im Uniklinikum Dresden gespendet, in einem Extragebäude. Da ist ein Raum mit Liegesesseln. Ich dachte, ich sei alleine da. Aber die ziehen da am Tag vier Leute durch. Man bekommt Kopfhörer auf, und dann müssen sich die Vier auf einen Film einigen.

Was haben Sie gedacht, als Sie dann tatsächlich zur Spende aufgefordert wurden?

Das mach ich. Einen Rückzieher hätte ich blöd gefunden. Man kann ja bis zur letzten Minute abspringen.

Was hätte denn ein Abspringen für den Empfänger bedeutet – wissen Sie das?

Der Empfänger wird zwei Wochen vorher vorbereitet. Bei ihm werden die Stammzellen durch eine Chemotherapie kaputt gemacht. Wenn der meine Stammzellen nicht bekommen hätte, wäre er gestorben.

Und wie wird man als Spender vorbereitet?

Man muss sich zuvor selber spritzen. Nach der Voruntersuchung kriegt man ein Spritzenpäckchen mit. Acht oder zehn Tage muss man sich da selber spritzen. Damit wird die Stammzellenproduktion angeregt. Es wird je nach Körperstatur ausgerechnet, wie viel man braucht. Es gibt wohl auch Nebenwirkungen. Dass einem schwindelig wird oder man Fieber bekommt. Aber ich hatte überhaupt keine Probleme.

Wie hat sich das Spenden angefühlt?

Es war nur ein bisschen kühl. Ich bin da nicht empfindlich. Man merkte gar nichts. Man hört diesen Apparat, der neben einem tickt – tick, tick, tick.

Würden Sie das nochmal machen?

Ich würde das wieder machen! Ich bin jetzt zwei Jahre reserviert für meinen Empfänger. Nach der Spende kann man auch fragen, für wen man gespendet hat. Man erfährt Land, Alter und Geschlecht. Bei mir war es ein 70-jähriger deutscher Mann.

Wissen Sie denn, wie es dem Mann jetzt geht?

Ja. Nach etwa einem halben Jahr kam ein Brief, dass er es geschafft hat. Dass er noch an den Nachwirkungen der Chemotherapie zu leiden hat, aber dass er meine Stammzellen angenommen hat.

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erstellt am 18.Mai.2014 | 08:00 Uhr

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