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Norddeutsche Rundschau

17. Dezember 2017 | 02:16 Uhr

Stadtteil auf der Suche nach Akzeptanz

vom

Initiative Brunsbüttel-Süd fühlt Kandidaten ihres Wahlbezirks auf den Zahn - Einmütiges Bekenntnis zur oft abschätzig betrachteten Südseite

shz.de von
erstellt am 06.Mai.2013 | 03:59 Uhr

Brunsbüttel | Ein Stadtteil hängt in der Luft, die Einwohner fühlen sich zum Teil allein gelassen: Mit dem Image von Brunsbüttel-Süd steht es nicht zum Besten. Und als vor einem Jahr das Integrierte Stadtentwicklungskonzept ISEK vorgestellt wurde, werteten zumindest die Immobilienbesitzer der Südseite dies als Tiefschlag. Denn das Gutachten empfahl langfristig die Auflösung der "Gemengelage Süd" und damit die Umsiedlung der Bewohner auf die Nordseite des Kanals. Grund genug für die Initiative Brunsbüttel-Süd (IBS), vor der anstehenden Kommunalwahl den fünf Kandidaten des Wahlkreises 1 für die Ratsversammlung auf den Zahn zu fühlen, wie sie zu dem Stadtteil stehen, in dem immerhin rund 1000 Menschen leben.

Andreas Wohlert (CDU), Willi Malerius (SPD) und Christian Barz (B90/Die Grünen) folgten der Einladung des IBS-Vorsitzenden Axel Wendt. Oliver Kumbartzky (FDP) vertrat seine Frau Mareike, die beruflich unabkömmlich war. Von der Wählergemeinschaft Graue Panther war Günter Wersig eingeladen. Doch die Seniorenpartei hatte am Freitag Bingo auf dem Programm, der Kandidat hatte daher keine Zeit.

"Wie geht es weiter mit Brunsbüttel-Süd?", wollte Wendt wissen. Auch, wenn die im ISEK vorgeschlagene Umsiedlung erstmal vom Tisch sei, bleibe ein Gefühl der Unsicherheit.

"Was das Gutachten zur Südseite sagt, ist Schwachsinn", betonte Andreas Wohlert. Diese Gedanken an eine mögliche Umsiedlung hätte man vor 40 Jahren aufgreifen können, als die Industrieansiedlung begann. Das ISEK sei ohnehin ein Leitplan, nicht der streng vorgebene Maßnahmenkatalog, der nun abgearbeitet werden müsse. Damit sprach er aus, was auch die anderen Kandidaten vorbehaltlos unterstützten. Willi Malerius nahm denn auch gleich die neue Ratsversammlung in die Pflicht, die am 26. Mai gewählt wird. Die müsse eindeutig und vor allem schnell formulieren, "wohin es gehen soll". Der umstrittene Passus, so Christian Barz deutlich, müsse aus dem Gutachten gestrichen werden: "Die Menschen hier brauchen Planungssicherheit." Alles andere verhindere nötige Investitionen.

Mit dem Bekenntnis zum "wunderschönen Stadtteil mit dörflichem Charakter" (Malerius) ist es allein nicht getan. Ideen müssten her, um die Südseite zu beleben, stand für die vier Rats-Kandidaten fest. Als wichtigster Grundpfeiler gilt die wieder ins Gespräch gekommene Reaktivierung einer Bahnverbindung für Personen. Dies könne dem Stadtteil wichtige Impulse liefern.

Daneben hat sich die IBS ihre eigenen Gedanken gemacht: Wohnmobilstellplatz im Kali-Park mit einmaliger Sicht auf Elbe und Kanal, Nutzung des alten Lotsenhauses als Unterkunft für durchreisende Biker und Radler und die seit langem geforderte Anbindung an die Schleusenmeile. Ideen, für die sich die Kandidaten grundsätzlich erwärmen können, Oliver Kumbartzky möchte das Stadtmanagement in die Pflicht nehmen. Willi Malerius könnte sich ein zeitgemäßes Altenwohnprojekt wie das des Wohnungsunternehmens Dithmarschen auf der Nordseite auch in diesem Stadtteil vorstellen. Und Christian Barz warf die Frage auf, warum sich die Stadt nicht dafür stark mache, den Neubau für die Bundespolizei auf der Südseite errichten zu lassen. Andreas Wohlert sah jede Menge Potenzial für Veranstaltungen, etwa begleitend zur Einlaufparade der Traumschiffe, die zum Hamburger Hafengeburtstag Brunsbüttel passieren.

Grundsätzlich wird kein großer Konflikt zwischen Wohnen und benachbarter Industrie gesehen. "Dann bekommt die Industrie eben höhere Auflagen zur Sicherheit", so Malerius.

Der SPD-Mann ist allerdings der Einzige, der nicht nachvollziehen mag, dass die Südseite von den übrigen Bewohnern der Stadt oft abschätzig betrachtet wird. Wohlert erkannte stattdessen: "Hier ist der Kanal etwas Trennendes, eine Wand. Da müssen wir ran!"

Nein zum Zwischenlager


Auf klare Ablehnung trifft bei den vier Kandidaten das Zwischenlager am Kernkraftwerk als Übergangseinrichtung für Atommüll, der nicht aus Brunsbüttel stammt. Axel Wendt kündigte an, der zukünftigen Ratsversammlung genau auf die Finger sehen zu wollen, wenn es um die Südseite geht. In der Hoffnung, mittelfristig die Akzeptanz als lebenswerten Stadtteil bescheinigt zu bekommen. Und so an Attraktivität für Neubürger zu gewinnen.
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