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Stadtgeschichte : Stadtrundgang mit Feuer und Flamme

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Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Trotz der Kälte beteiligen sich über 250 Interessierte an der ungewöhnlichen Veranstaltung im Rahmen der Glückstädter Festungswochen.

shz.de von
erstellt am 27.Jan.2014 | 11:45 Uhr

Es war bitterkalt. Zwischen minus 15 und minus 21 Grad pendelte das Thermometer – damals, vor 200 Jahren im Januar 1814. Wie damals fror am vergangenen Freitag bei knapp zehn Grad unter Null die überraschend große Teilnehmerschar an den „Feuer & Flamme-Stadtrundgängen“ im Rahmen der Glückstädter Festungswochen. Über 250 Personen hatten sich sehr zur Freude der sieben Stadtführerinnen und -führer zu den geschichtsträchtigen Erinnerungs-Rundgängen anlässlich der Kapitulation der Festungsstadt mit Fackeln, Kerzen und Lampen auf dem Marktplatz versammelt. „Wenn einem so etwas in der Umgebung angeboten wird, muss man auch mitmachen“, meinten Rüdiger Schwänke und seine Ehefrau. Sie waren aus Lägerdorf mit ihrer schwedischen Visby-Lampe nach Glückstadt gekommen.

Als sich dann gegen 18 Uhr bei der Stadtkirche die Holzläden des unterhalb der Kirchturmuhr befindlichen Fensters öffneten und Posaunenbläser den Veranstaltungsbeginn ankündigten, gingen rund um den Marktplatz die Straßenlaternen aus. In den Fenstern des nicht mehr angestrahlten Rathauses wurden Kerzen angezündet und der Kandelaber auf dem Marktplatz stand im Dunkeln. Mehrere Restaurantbetriebe und Geschäfteinhaber folgten dem Aufruf des Touristbüros und ersetzten elektrisches Licht – so wie vor 200 Jahren – gegen Kerzen oder Petroleumlampen. Während die einzelnen Gruppen in alle Richtungen ausschwärmten und etwas über den Mittelpunkt auf dem Glückstädter Marktplatz, den Stadtgründer König-Christian-IV sowie die in alten Hauswänden auch heute noch steckenden Kanonenkugeln erfuhren, herrschte am Marktplatz trotz einiger weniger noch beleuchteter Läden eine einzigartige Stimmung im Schein der von Feuerwehrleuten an den Lampenmasten befestigten brennenden Fackeln.

Nach 45 Minuten trafen alle Teilnehmer im Stadtpark ein, wo vor 200 Jahren das Ende der Festung Glückstadt durch Kapitulation besiegelt worden war. Hierzu hatte die Feuerwehr die Hauptspazierwege sowie das legendäre Kugeldenkmal mit brennenden Fackeln erleuchtet. Wie es sich für eine Kriegsgeschichte gehört, wurden die Erzählungen der Stadtführer am Kugeldenkmal immer wieder mit lauten Kanonenschlägen in Szene gesetzt. Aus Sicherheitsgründen von der Öffentlichkeit abgeschirmt, hockte am Rande des Anlagenteiches Michael Schinkel mit seiner Böllerkanone und „fütterte“ diese mit Hilfe eines Pfeifenstopfers mehrmals mit jeweils 20 Gramm Schwarzpulver. Damit Mensch und Tier nicht unvorbereitet mit dem darauf folgenden lauten Knall konfrontiert wurden, waren im und am Stadtpark Hinweisschilder angebracht worden. Bereits zuvor waren die Wassertiere im Anlagenteich durch kleinere, leisere Störaktionen vergrämt worden.

Einen weiteren Höhepunkt erlebte die Aktion „Feuer & Flamme“ am Obelisken in der Itzehoer Straße. Dort hatten Brandbekämpfer in Feuerkörben Feuer entfacht, wo sich durchgefrorene Stadtrund-Teilnehmer dann erst einmal aufwärmen konnten. Heißgetränke von der DRK-Bereitschaft sowie eine wärmende vom „Anno 1617“ gekochte und der Feuerwehr ausgeteilte Erbsensuppe tatenihr übriges. Für Gemütlichkeit sorgten schließlich Steffi Ebel und Bodo Will mit ihrer Musik der leisen Töne sowie Jan Teichert-Kluge mit seiner Feuershow. „Ich freue mich, dass die Leute so ein großes Interesse gezeigt haben“, meinte die Geschäftsführerin des Glückstadt-Destination-Management, Sandra Kirbis. Sie dankte vielen fleißigen Helfern und Sponsoren, ohne deren Unterstützung die Umsetzung der kurzfristig initiierten Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre.

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