Stadtgalerie präsentiert preisgekrönte Fotoserien

Die Ausstellung wird aufgebaut: Armin Jobs (li.) mit Fotos von Paula Markert. Rechts: Harald Kühn.
Die Ausstellung wird aufgebaut: Armin Jobs (li.) mit Fotos von Paula Markert. Rechts: Harald Kühn.

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30. Mai 2015, 10:43 Uhr

Vier preisgekrönte junge Fotografen stellen ihre Arbeiten ab dem morgigen Sonntag, 31. Mai, in der Stadtgalerie im Elbeforum in einer gemeinsamen Ausstellung vor. Paula Markert, Till Müllenmeister, Marcel Noack und Christine Steinert sind der neunte Jahrgang von Förderpreisträgern aus der Sparte „Dokumentarfotografie“, die alle zwei Jahre durch die Wüstenrot-Stiftung ausgezeichnet werden. Dabei liegt der Fokus auf Darstellungsweisen einer abbildorientierten Fotografie, die thematische Zielsetzungen und formale Aspekte in einen neuen Diskussionszusammenhang bringen.

Die vier Fotografen überzeugten die Jury sowohl mit ihrer Abschlussarbeit als auch mit der Beschreibung eines Vorhabens, das mit dem Preisgeld von je 10  000 Euro verwirklicht werden sollte. Nach einem Jahr werden nun die Ergebnisse im Rahmen einer Wanderausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt und in einem Katalog dokumentiert.

Unter dem Titel „Das Geld der anderen“ spürt Paula Markert in den Finanzmetropolen der Welt dem Klischee des gefühlskalten, von der Gier getriebenen Bankers nach. In Gesprächen mit verschiedenen Protagonisten entstanden die Ideen für völlig unterschiedliche Portraitsituationen. Mal mitten im Börsenbetrieb, aber auch auf einer Wiese, mal auf einem Balkon, an einer Bushaltestelle. Die dargestellten Menschen werden auf diese Weise menschlich und bringen ihre Geschichten mit, die als Ergänzung zu den Fotos über Kopfhörer beigesteuert werden.

Auch Till Müllenmeister möchte über seine Arbeit Fremdes vertraut machen. Der in Köln und Nairobi lebende Fotograf hat „Menschen in Krisen“ verschiedener Kulturen porträtiert. Hinter faszinierenden, oftmals schönen Fotos liefern beigefügte Texte bittere Hintergrundfakten über Themen wie Prostitution, Slums oder Berufsfelder und deren Verdienstmöglichkeiten. Die einfachen Wünsche und Träume der dargestellten Menschen bringen das Thema über Emotionen näher, können Argwohn und Ignoranz auflösen.


Gespräche mit Ausstellern



Um die Zerstörung vorrangig sorbisch geprägter Siedlungsgebiete durch den expandierenden Braunkohleabbau in der Lausitz geht es Marcel Noack mit seinem Projekt „na wšón gwalt“ („Auf Teufel komm raus“). Landschaftsfotos zeigen Weite und Ausmaß des Vorhabens. Riesige Gräben durchziehen den Boden, Häuser sind verlassen, das Ortsschild ist durch Überkleben bereits unkenntlich gemacht. Eine Landkarte verdeutlicht das Zerschneiden von Dorf- und Kulturzusammenhalt, Fotos in Karteikästen dokumentieren den Versuch einer Bestandsaufnahme.

Christine Steiners Bilder zeigen menschenleere Büroräume, die maßgeschneidert modular eingerichtet und auf die Tätigkeiten effektiv getrimmt sind. Der abgebildete Ort bleibt anonym, könnte sich überall auf der Welt befinden. „In meiner Arbeit erkunde ich die temporären und konzeptionellen Übergänge, denen Büroräume unterworfen sind“, wie die Fotografin erklärt. Wenige Spuren der Nutzer können entdeckt werden.

Die Wüstenrot-Stiftung, vor 25 Jahren gegründet, vergibt seit 1994 in Zusammenarbeit mit der Fotografischen Sammlung des Museum Folkwang, Essen, ihre Förderpreise. Am 1. Oktober ist die Bewerbungsfrist für den elften Jahrgang. Der zehnte durchläuft zurzeit das geförderte Jahr. Es ist ein unglaublich umfangreiches Förderprogramm. Die entstandenen Arbeiten der ausgezeichneten Fotografen gehen anschließend in die Fotografische Sammlung des Folkwang Museums.

Die Ausstellungseröffnung am Sonntag in der Stadtgalerie im Elbeforum findet um 15 Uhr statt. Dr. Kristina Hasenpflug, Ressortleiterin Kultur und Bildung der Wüstenrot-Stiftung, und Stadtgalerieleiterin Silke Eikermann-Moseberg sprechen mit den Ausstellern. Es haben sich alle vier Förderpreisträger angekündigt.

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