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Norddeutsche Rundschau

20. November 2017 | 01:39 Uhr

Kultur : Stadtbücherei braucht größere Räume

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Verändertes Medienverhalten führt auch in Glückstadt zu einer Umstellung des Angebotes. Wissen, Bildung und Kultur werden nicht mehr allein über Lesen vermittelt.

„Was ist eine Bibliothek?“ „Da leiht man Bücher aus.“ Mit diesem Dialog eröffnete Kristina Preiß ihren Jahresbericht der Stadtbücherei im Wirtschaftsausschuss. Diese landläufige Meinung passt nach ihren Worten aber nicht mehr zur Arbeit einer modernen Einrichtung. Nach wie vor gelte zwar der Grundsatz, dass Bibliotheken Wissen, Bildung und Kultur für alle Teile der Gesellschaft zugänglich machen sollen, aber die Bedingungen haben sich verändert. Wissen, Bildung und Kultur werden nicht mehr allein über Lesen und Bücher vermittelt.

Ist die Bücherei nun ein Auslaufmodell? Für Kristina Preiß lautet die Antwort eindeutig „nein“. Aber die Bücherei müsse sich den Bedürfnissen ihrer Kunden anpassen und das Angebot weiterentwickeln. Die zeitgemäße Bibliothek soll nach ihren Vorstellungen ein Haus des Wissens und ein außerschulischer Lernort sein mit offenen Angeboten, die eine Teilhabe für alle ermöglichen und ein Ort des informellen Lernens sind. Neben dem Ausleihangebot sollte die Bücherei Medien- und Informationskompetenz vermittelt, sich bei der Leseförderung engagieren und umfassende digitale Angebote machen. Und das alles in angenehmer Atmosphäre eines Begegnungs- und Aufenthaltsortes.

Sind die Räume dafür geeignet? Für Preiß ist das historische Gebäude in der Großen Nübelstraße 21 zwar wunderschön, aber viel zu klein und nicht barrierefrei. Nach den anerkannten Richtwerten des Bibliothekwesens wird eine Publikumsfläche von 750 Quadratmetern empfohlen, die Stadtbücherei hat aber nur 240 Quadratmetern und erreicht damit nur ein Drittel dieser Fläche. Der vorhandene Lastenaufzug ist nur klein und für einen Umbau in einen rollstuhlgerechten Personenaufzug nicht geeignet. Bürgermeisterin Manja Biel ist sich des Platzmangels bewusst: „Wir suchen bereits nach räumlichen Alternativen, aber wir sind noch nicht fündig geworden.“

Durch die relativ hohen Gebühren und konstanten Ausleihzahlen erreicht die Bücherei noch einen hohen Deckungsgrad ihrer Haushaltsmittel. Im Jahre 2016 kamen 34  393 Besucher, vor acht Jahren waren es aber noch 51  715. Die Ausleihe ist nur noch ein Teil des Bibliotheksangebots. Während der Ausleihtrend landesweit rückläufig ist, gibt es bei der Nutzung digitaler Angebote eine kontinuierliche Steigerung. „Wir leisten Hilfestellung beim Umgang mit der digitalen Welt und vermitteln Medienkompetenz. Die Stadtbücherei möchte ein Ort der Begegnung in der örtlichen Bildungslandschaft sein“, beschreibt die Büchereileiterin ihre Ziele. Besonders wichtig sei es dabei, Zuwanderern und Kindern die Angebote der Bücherei zu präsentieren und ihre Lese- und Medienkompetenz zu fördern. So gibt es in der Bücherei Sprach- und Integrationsgruppen, mit den Kitas und Schulen wird eine enge Kooperation gepflegt. In der Bürgerschule, der Elbschule und dem Detlefsengymnasium gibt es Außenstellen.

Kristina Preiß resümiert am Schluss: „Das Medienverhalten der Menschen hat sich verändert und deshalb muss sich die Stadtbücherei anpassen, um eine kompetente Gastgeberin für ihre Besucher zu bleiben. Es gibt viel zu tun.“

Horst Meiners (CDU) warf die Frage auf: „Wie können wir das Produkt besser vermarkten?“ Ulrich Koch (SPD) lobte die Kooperation mit den Schulen und Siegfried Hansen (Piraten) meinte, dass eine Gebührenerhöhung nicht in Betracht gezogen werden sollte, sondern eher das Gegenteil: „Bildung sollte nichts kosten.“ Alle Politiker im Ausschuss waren sich einig, dass die Stadtbücherei ein wichtiger Bestandteil der örtlichen Bildungslandschaft ist und ihre Weiterentwicklung gefördert werden sollte. Um sich einen besseren Eindruck von den Bedingen vor Ort machen zu können, verkündete Ausschussvorsitzender Hans-Georg Helm (CDU) am Ende: „Die nächste Sitzung des Wirtschaftsausschusses findet in der Stadtbücherei statt.“

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