Stadt stellt sich düsterer Geschichte

Weihen die Gedenktafel ein: (von links) Prof. Dr. Christian Schrapper, Dr. Gitta Trauernicht, Otto Behnck  und Rolf Breitfeld. Im Hintergrund Gerhard Blasberg.  Foto: Reimers
Weihen die Gedenktafel ein: (von links) Prof. Dr. Christian Schrapper, Dr. Gitta Trauernicht, Otto Behnck und Rolf Breitfeld. Im Hintergrund Gerhard Blasberg. Foto: Reimers

Gedenktafel für Landesfürsorgeheim eingeweiht

shz.de von
23. Mai 2011, 07:15 Uhr

Glückstadt | Im KZ Glückstadt gab es nachweislich keine Toten. Im Landesfürsorgeheim wurden sechs Menschen in den Suizid getrieben und einer auf der Flucht erschossen - ein Auszug auf der Gedenktafel für die Fürsorgezöglinge. Ein Text, den Bürgermeister Gerhard Blasberg gestern als "nicht weichgespült" bezeichnete. "Er stößt auf, soll er aber auch."

Unter anderem heißt es auf der Tafel, dass nach Schließung des KZs dessen Wärter - "alles SA-Männer" - von der Landesarbeitsanstalt als Wachtmeister übernommen wurden. Und weiter, dass ab 1943 Fürsorgezöglinge in das Arbeitserziehungslager eingewiesen wurden. "Dieses Haus wurde bis zum 31.12.1974 wie ein KZ und Arbeitshaus weiterbetrieben."

"Wir sind denjenigen etwas schuldig, die gelitten haben", sagte Vize-Landtagspräsidentin Dr. Gitta Trauernicht vor den Anwesenden. Unter ihnen ehemalige Heimzöglinge, aber auch die Ortspolitiker Dr. Hans-Georg Helm (CDU) und Stefan Goronczy (FDP) sowie Museumsdirektorin Dr. Catharina Berents. "Die Tafel ist ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Landesfürsorgeheims. Sie mahnt, dass noch einiges zu tun ist", sagte Dr. Gitta Trauernicht. Damit meinte sie unter anderem die offizielle Anerkennung des Unrechts durch das Land als ehemaligen Träger des Heimes. Sie sagte aber auch: "Wir sind ein ganzes Stück in der Aufarbeitung weitergekommen." Gitta Trauernicht weihte gestern die Tafel zum Gedenken an die Fürsorgezöglinge des Landesfürsorgeheimes (1943-1974) mit ein. Was geschehen sei, dürfe nie wieder passieren. "Es ist ein Verbrechen an jungen Menschen." Sie versprach auch den Initiatoren der Gedenktafel, Rolf Breitfeld und Otto Behnck: "Wir werden weiter Seite an Seite für das Thema streiten."

Das Thema Landesfürsorgeheim hatte Prof. Dr. Christian Schrapper im Auftrag der Landesregierung aufgearbeitet. "Ich bewundere diejenigen, die den Mut gehabt haben, dass es soweit kommen konnte", sagte er in Bezug auf die Tafel. Diese sei ein symbolischer Akt - "so war es", sagte er zum Text.

Rolf Breitfeld hatte den Text entworfen. "Ehemalige Fürsorgezöglinge können nicht vergessen, was ihnen in Glückstadt angetan wurde", erklärte er und dankte dem anwesenden Erich Koch, der den Zugang zu den Akten möglich machte, sowie Dr. Trauernicht und Prof. Schrapper für ihr Engagement. "Bürgermeister Blasberg hat unser Anliegen ernst genommen, dadurch habe ich meinen Frieden mit Glückstadt geschlossen."

Bürgermeister Gerhard Blasberg erklärte, dass sich die Stadt ihrer düsteren Geschichte betreff des Landesfürsorgeheimes stelle. "Den Mut haben wir."

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