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Norddeutsche Rundschau

20. Oktober 2017 | 20:59 Uhr

Staatsanwalt stoppt flüchtenden Häftling

vom

shz.de von
erstellt am 31.Mai.2013 | 03:59 Uhr

itzehoe | Ein Fluchtversuch ist nicht strafbar. Anders ist es, wenn der Flüchtende dabei seine Wärter wegschubst. So geschehen im August vergangenen Jahres in Itzehoe. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte musste sich ein 39-jähriger Burger vor dem Amtsgericht verantworten.

Im Sommer 2012 saß er bereits seit Wochen in Untersuchungshaft in Itzehoe und wartete auf seinen Betrugsprozess vor dem Landgericht. Er wusste, dass eine lange Strafe drohte. So täuschte der Burger im Kraftraum der Justizvollzugsanstalt eine schwere Ver letzung vor: Er spüre seine Arme nicht mehr und müsse zum Medizinischen Versorgungszentrum.

Zwei Beamte transportierten ihn in einem umgerüsteten VW-Bus. Um ihm nach der Ankunft die Handschellen anzulegen, kletterten sie zu dem Angeklagten in den Fonds. ,,Beim Nachvornebeugen zum Anlegen der Handschellen schubste er den Kollegen in die hintere Sitzreihe des Transporters, mich schubste er zur Seite, so dass ich aus dem Fahrzeug fiel. Dann rannte er weg", schilderte ein 45-Jähriger. Der Burger ist Fußballer und gut trainiert. Dennoch kam er nicht weit: Bei der Flucht erkannte ihn zufällig Staatsanwalt Dr. Thorsten Schwarzer, der Ankläger im Betrugs-Prozess. Er schnitt ihm den Weg ab und nahm ihn persönlich fest. Seither muss der 39-Jährige Fußfesseln tragen, wenn er die Haftanstalt verlässt.

Am 3. Mai wurde der mehrfach vorbestrafte Mann nach fünf Monaten Prozess wegen schweren Betrugs zu fünf Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Im Regelfall wäre dieser Fall des Widerstands wegen des vergleichsweise geringen Gewichts gegenüber der hohen Strafe eingestellt worden. Doch das lehnte die Staatsanwaltschaft ab.

Der Burger bestritt seine Schuld. Er sei nur zwischen den beiden vor dem Bus stehenden Beamten hindurch gelaufen, habe niemanden weg geschubst. Deshalb plädierte Verteidiger Jürgen Osbahr auf Freispruch, erkannte aber zugleich: ,,Das ist eher Theorie, was wir hier heute machen." Denn zu erwarten ist, dass das Urteil ohnehin in ein noch folgendes weiteres Urteil einzubeziehen sein wird. Mehrere Anklagen sollen noch gegen den 39-Jährigen vorliegen, darunter sogar eine Anstiftung zum Mord. Das Urteil des Landgerichts ist zudem noch nicht rechtskräftig.

Wie lange der Burger hinter Gitter muss, ist deshalb noch offen. Für den Widerstand beim Fluchtversuch verhängte Richter Kristina Krause eine Geldstrafe in Höhe von 900 Euro.

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