SS-Motto am Auto - Frau kommt mit Geldstrafe davon

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26. Januar 2012, 03:59 Uhr

Brunsbüttel | ,,Meine Ehre heißt Treue." Dieses Motto hatte sich eine 21-jährige Brunsbüttelerin als Auf kleber im Großformat auf die Heckscheibe ihres Kleinwagens geklebt. Das war im Mai. Im Juni wurde sie von der Polizei angehalten. Jetzt musste sich die Frau wegen Verwendung von Kennzeichen verfasungsfeindlicher Organisationen vor Gericht verantworten.

Grund: ,,Meine Ehre heißt Treue" stammt aus der Hitlerzeit und war der Leitspruch der SS. Ebenso wie der Hitlergruß und der Ausruf ,,Heil Hitler" stellt das Verwenden des SS-Leitspruchs ein strafwürdiges Vergehen dar. ,,Die Polizei musste auch erst nachsehen, ob das verboten ist", berichtet die 21-Jährige Strafrichterin Sarah Thiel.

,,Dass die Polizei das nicht an jeder Stelle weiß, ist furchtbar, aber das glaube ich Ihnen", entgegnete die Richterin am Meldorfer Amtsgericht. Warum sie sich den Spruch ans Auto pappte - Richterin Thiel fragte mit Blick auf die Presse offenbar bewusst nicht weiter danach. Die junge Frau ist unbescholten, sagt: ,,Mir war nicht bekannt, dass der Aufkleber verboten ist. Ich habe den in Brunsbüttel anfertigen lassen. Die haben mir auch nicht gesagt, dass er verboten ist."

,,War drauf, kommt nicht wieder drauf, geht gar nicht", fasste Thiel zusammen, blickte die junge Frau an und sagte: ,,Wir sind uns einig, dass das Schwachsinn ist."

Zu übersehen war der Autoaufkleber nicht: ,,In Signalfarbe und riesengroßer altdeutscher Schrift", erklärte Thiel mit Blick auf die Bilder in der Akte. So war der Aufkleber richtig gut lesbar für jedermann, auch die Polizei. Wusste die junge Frau wirklich nicht um die verbotene Herkunft des Mottos? Es wurde nicht weiter ausdiskutiert.

,,Unwissenheit schützt vor Strafe nicht", sagte Oberamtsanwalt Hartmut Lübke, der die Anklage vertrat. Er regte die Einstellung des Verfahrens an. Doch ein Denkzettel musste schon sein: Gegen 300 Euro Geldauflage, zahlbar an die Amadeu Antonio Stiftung gegen rechte Gewalt, stellte Thiel das Strafverfahren vorläufig ein. Sobald die Angeklagte die Auflage erfüllt hat, wird das Verfahren endgültig eingestellt.

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