Freizeit : Sprungbrett für die Stars

Führen den Cheyenne Club als Familienbetrieb mit langer Tradition (von links): Andreas, Jürgen, Björn und Dirk Conring.
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Führen den Cheyenne Club als Familienbetrieb mit langer Tradition (von links): Andreas, Jürgen, Björn und Dirk Conring.

Viele Künstler starteten ihre Karriere im Cheyenne Club, den es jetzt 50 Jahre gibt

shz.de von
12. Mai 2015, 11:55 Uhr

Eine Diskothek, die ein halbes Jahrhundert lang in Familienbesitz ist und auch heute noch von den Söhnen des Gründers betrieben wird – das ist einzigartig in Schleswig-Holstein, wenn nicht sogar in ganz Deutschland. Der Itzehoer „Cheyenne Club“ begeht in diesen Tagen sein 50-jähriges Bestehen. Das wird in einer großen Jubiläumswoche gefeiert. Von Mittwoch bis Sonnabend, 13. bis 16. Mai, gibt es jeden Abend eine Veranstaltung, zu denen viele Gäste und Mitarbeiter von früher bis heute erwartet werden.

Die Itzehoer Diskothek, bei den meisten von Anfang an nur kurz „Der Club“ genannt, ist seit fünf Jahrzehnten bei Nachtschwärmern beliebt. Die Geschichte der Diskothek ist zweigeteilt: 28 Jahre lang hieß es „alter Club“ in der Brückenstraße und nun schon 22 Jahre lang „neuer Club“ Vor dem Delftor.

Jürgen Conring (70) kam Anfang der 60er als aus Hamburg nach Itzehoe. „Eigentlich wollte ich schnell wieder weg.“ Aber er fand den ehemaligen „Suder Hof“ in der Brückenstraße (ursprünglich Rönnfelds Gasthof), einen Saalbetrieb seit 1900, in dem heute sein Stör Bowling mit Stör Billard untergebracht ist. Ein Maler hatte die Wände im Western-Stil mit Cowboys und Indianern bemalt. Daraus ist der Name entstanden. „Ich habe ihn nach dem Western-Streifen Cheyenne benannt.“ Spielten anfangs am Wochenende noch überwiegend Kapellen in dem Tanzladen, entwickelte er sich schnell über eine Musikbox mit großer Anlage zur Disco mit DJ – damals ein neuer Trend.

Am 14. Mai 1965 war Eröffnung. Gespielt wurde Rockmusik. Am Anfang hatte der Club sieben Tage die Woche geöffnet. „Wenn es bei Gruner am Donnerstag Geld gab, war es abends proppenvoll“, erinnert sich Jürgen Conring. Ebenso war es mittwochs, wenn die Soldaten verlängerten Zapfenstreich hatten.

Im Club spielten anfangs noch Live-Bands, manche von ihnen wurden später deutschlandweit oder international berühmt: Truck Stop, die Rattles, Status Quo und Uriah Heep waren zu Gast – auch Otto Waalkes blödelte hier. Itzehoer Combos wie die Quartermasters, Rockford, Tin Lizzy, Kentucky und Bon Scott, die Kiss-Cover-Band Q und die Westernhagen-Cover-Band Pfefferminz waren live zu hören. Aus diesen Auftritten ist später der jahrelang erfolgreiche Rockabend am Donnerstag entstanden. 1977 eröffnete Conring in der anderen Hälfte des großen Gebäudes eine Bowlingbahn.

Anfang der 90er Jahre änderte sich die Stimmung, Nachbarn beschwerten sich über Lärmbelästigung, 1993 musste der Club umziehen. „Die Stadt machte den Vorschlag, die bestehende Diskothek am Delftor, das ehemalige Hippodrom zu übernehmen.“ In dem neuen Gebäude gründete Conring den alten Club neu.

Dort musste er schwierige Zeiten überstehen. „Wir hatten drei Brandanschläge in den 90ern“, erzählt Conring. „Einmal haben Unbekannte 50 Liter Benzin in die Lüftung hinein gekippt, der Brand konnte aber schnell gelöscht werden. Wir hatten kurzfristig geschlossen, nachts Wache gehalten und Ende der Woche wieder auf gehabt.“

Bis 2008 war das Konzept an vier Tagen in der Woche erfolgreich. „Bedingt durch den Bundeswehrabzug aus Itzehoe und die Tatsache, dass die Leute immer später losgehen, habe ich die Öffnungstage auf das Wochenende reduzieren müssen“, so Conring, der die Fläche verkleinerte.

Trotzdem machte er weiter, denn: „Ich habe immer Spaß daran gehabt.“ Wegen Krankheit habe er die Geschäftsführung an seinen Sohn Björn abgegeben. Der 33-Jährige und seine zwei Brüder Dirk (47) und Andreas (43) arbeiten schon seit ihrer Jugend mit. „Der Club geht weiter“, sagt Jürgen Conring, mit Blick auf sein Alter und unter dem Nicken seiner Söhne. In einer großen Jubiläumswoche wird nun aber erst mal gefeiert – und auf die nächsten 50 Jahre angestoßen.

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