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Notunterkunft : Sprachunterricht für 230 Flüchtlinge

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Rotes Kreuz organisiert Deutschkurse / Betreuungsdienst hat Kita in der Landes-Notunterkunft in Kellinghusen eingerichtet

Krieg, Verfolgung, wochen- und monatelange Flucht – davon sind auch Kinder betroffen. In der Landes-Notunterkunft auf dem Liliencron-Gelände können sie gemeinsam mit den Eltern nun erstmals angstfrei zur Ruhe kommen. Ein wichtiges Stück Normalität für den Nachwuchs ist die vom DRK installierte Kita. Schon als Helfer vom DRK-Betreuungsdienst Südwestholstein mit der Herrichtung in einem der ehemaligen militärischen Unterrichtsräume beschäftigt waren, drückten sich die Mädchen und Jungen an der großen Glastür erwartungsvoll die Nasen platt.

Zur Eröffnung des Spiel-Paradieses war der Ansturm riesig. Knapp 150 Kinder, auch über das Kita-Alter hinaus, wollten sich endlich wieder altersgemäß beschäftigen. Kleine Puppenmütter, Puzzle-Spieler und Malkünstler hocken ins Spiel versunken an kleinen Tischen, während um sie herum lautstark das Kita-Leben tobt. „Unter der Woche haben wir zwei Mal am Tag jeweils zwei Stunden geöffnet“, erklärt Andreas Moll. Seit der plötzlichen Eröffnung vor rund vier Wochen organisiert der hauptamtliche DRK-Mitarbeiter das Leben in der Notunterkunft. Gemeinsam mit Vertretern der Landespolizei stehen Moll sowie weitere haupt- und ehrenamtliche DRK-Helfer im 24-Stunden-Modus für die Menschen mit Sorgen, Nöten und Ängste zur Verfügung. Im Rahmen der vergangenen Bürgerversammlung stellte Moll sich treffend als „Bürgermeister“ der Camp-Gemeinde vor. Verglichen mit der hektischen Anfangszeit ist für ihn jetzt so etwas wie Normalität im Camp eingetreten. „Oberste Priorität hatte zunächst eine menschenwürdige Unterbringung von Familien und Einzelpersonen“, unterstreicht Moll. Jetzt folgten so wichtige Dinge wie Kinderbetreuung und Sprachunterricht.

Kaum zwei Sätze kann Kristin Müller, Leiterin der Sozialarbeit des Kreis-DRK, mit dem Kollegen sprechen. In Molls Büro geht es immer noch zu wie im Taubenschlag. Kurz steckt auch Assad Masria den Kopf durch die Tür. „Ich mach’ jetzt den Sprachunterricht“, meldet sich der ehemals ehrenamtliche Übersetzer ab. Mittlerweile arbeitet er als hauptamtlicher Dolmetscher und Sprachlehrer beim DRK. Mit Unterstützung von Ehrenamtlichen bringt er aktuell 230 Schülern im Alter zwischen 12 und 35 Jahren erste deutsche Sprachkenntnisse bei. „In den Räumen wird bis 22 Uhr gelernt, die Lehrer haben die Schlüssel“, erklärt Moll.

In der Kita herrscht derweil übermütiges Chaos. „Alle wollen alles anfassen, ausprobieren und mitnehmen“, beschreibt Andrea Lindhauer die Situation. Gemeinsam mit Tochter Sara Mahlstedt, angehende Erzieherin, hat sie ein Auge auf die kleine Klientel im Alter von eins bis zwölf. „Sie sind zwar wild, helfen aber ganz lieb beim Aufräumen“, sagt Mahlstedt. Als dritte im Bunde ist Anne Frahm dabei. „Ich habe mich beim DRK Team Schleswig-Holstein registrieren lassen und bin nun in der Kita eingesetzt“, sagt sie. Zuweilen muss die laute Stimme von Angelika Peters zum Einsatz kommen. Etwa, wenn die größeren Kinder sich mit Rollerskates oder Skateboards aufs Gelände begeben wollen. Meistens verstehen sich die großen und kleinen Kita-Menschen jedoch ohne viel Worte. Für sprachliche Notfälle steht an diesem Nachmittag Aschwak Müller bereit. Sie hatte ehrenamtlich bereits in Glückstadt für das DRK gearbeitet und ist nun ebenfalls als Hauptamtliche tätig.

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