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Integration : Sprachrohr für engagierte Migranten

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Katharina Schmidt ist die neue Leiterin der Koordinierungsstelle Integration.

Eine Brücke zwischen Migranten und Verwaltung bauen – das hat sich die neue Leiterin der Koordinierungsstelle Integration, Katharina Schmidt, vorgenommen. Seit knapp eineinhalb Monaten ist die 28-Jährige jetzt im Einsatz, um sich als Ansprechpartnerin um die Interessen und Wünsche von Migranten in der Stadt zu kümmern. Einen ersten Eindruck von Glückstadt hat sie sich bereits gemacht: „Es gibt hier unheimlich viele Migranten, die sich engagieren wollen und Lust haben, sich einzubringen.“

Den Stein ins Rollen gebracht hat das landesweite Teilhabeprojekt der Awo (wir berichteten), das im vergangenen Oktober auch in Glückstadt großen Anklang fand. In einer Veranstaltungsreihe wurden sogenannte Multiplikatoren geschult – Migranten, die deutsch sprechen und die Inhalte dann an ihre Landsleute weitertragen sollen. Nicht ohne Grund – schließlich leben Menschen aus 71 verschiedenen Nationen in der Stadt. Die Themen reichten von Schulpolitik und Kindertagesstätten bis hin zu Vereinsrecht. Von dem Ergebnis profitiert Katharina Schmidt jetzt. „Daraus hat sich eine Gruppe von etwa zehn Migranten entwickelt, die sich ehrenamtlich in der Stadt engagieren will.“ Überhaupt sei die Resonanz bisher durchweg positiv. „Viele sprechen mich an und sagen mir, wie toll es ist, jetzt einen Ansprechpartner zu haben.“

Nach ihrem Studium der Islamwissenschaften in Kiel ging sie für ein halbes Jahr nach Kairo, um dort Land und Leute kennenzulernen – und vor allem, um ihr Arabisch zu verbessern. Ein klarer Vorteil, wenn es um die Arbeit mit Glückstädter Migranten geht, denn ein Teil davon kommt aus arabisch-sprechenden Ländern. Bei einigen Terminen hilft trotzdem eine Dolmetscherin aus. Denn die Sprache sei eines der größten Probleme. „Viele Familien igeln sich ein und bleiben nur unter sich“, weiß sie. Das soll sich mit der neuen Integrationsstelle jetzt ändern. „Ich sehe mich auch ein bisschen als Sprachrohr für diese Menschen.“

Für die kommenden Monate hat sich die gebürtige Staderin, die mittlerweile in Elmshorn wohnt, noch einiges vorgenommen. „Ich würde gerne einen Arbeitskreis aus verschiedenen Akteuren gründen, die sich in irgendeiner Form mit dem Thema Teilhabe beschäftigen.“ Dazu gehören zum Beispiel Schulen, die Diakonie, die Awo auch der Moscheeverein. Außerdem ist ein interkulturelles Training für Mitarbeiter der Verwaltung geplant, um das Bewusstsein und den Austausch zwischen beiden Parteien zu verbessern.

Ein großes Ziel ist es auch, aus der Migranten-Gruppe eine feste Einrichtung zu machen, zum Beispiel ein Forum für interkulturellen Austausch. „Wir treffen uns bisher schon regelmäßig und tauschen Ideen aus. Aber um langfristig etwas zu bewirken und vielleicht auch in der Politik mitzureden, wäre ein festes Gremium gut“, so Katharina Schmidt. In anderen Städten wie Elmshorn oder Flensburg wurden mit diesem Modell gute Erfahrungen gemacht. Schon jetzt habe sie eine ganze Liste von Eindrücken und Wünschen gesammelt, die die Migranten in der Stadt bewegen. „Einige würden sich zum Beispiel gerne mit einem Stand auf den Matjeswochen präsentieren.“

Wieviele solcher Projekte sich in einem Jahr – denn so lange ist ihre Stelle befristet – realisieren lassen, ist offen. „Ich denke, ich werde in dieser Zeit viele Denkanstöße sammeln können und Anregungen geben, aber es wäre toll, wenn sie danach auch weitergeführt werden.“ Umso wichtiger sei es deshalb, ein gutes Netzwerk auf die Beine zu stellen. Denn an Motivation mangelt es den Migranten in Glückstadt nicht – oft scheitere es eher am Austausch. „Es gibt viele Möglichkeiten, man muss sie nur kennen.“

 

> Interessierte Migranten, die in der Gruppe mitmachen wollen, können sich bei Katharina Schmidt unter 04124/930530 anmelden. Das nächste Treffen findet am 3. März um 17 Uhr statt.

 

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