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Hilfe für Asylbewerber : Sprachen lernen, Barrieren überwinden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Stadt Brunsbüttel, die Diakonie und ehrenamtliche Helfer bieten Sprachkurse für Migranten an. Noch werden Sprachpartnern gesucht.

shz.de von
erstellt am 19.Dez.2013 | 05:06 Uhr

Sprachbarrieren überschreiten – ein Schritt in ein besseres Leben. Für Millionen von Deutschen ist die Vorstellung in einem fernen Land zu leben eine reizvolle Vorstellung. Eine Vorstellung, die jedoch ganz schnell an Reiz verliert, wenn hinter der Auswanderung die Angst um Leib und Leben steht. Wenn Menschen ihr Hab und Gut, ihre gesamtes bisheriges Leben zurücklassen müssen, um außerhalb ihres Heimatlandes Zuflucht zu suchen.

Wenn bürokratische Hürden im fremden Land eine Integration erschweren, ist man auf die Hilfe der Mitmenschen angewiesen. So ergeht es derzeit 40 Männern und Frauen, die als Asylbewerber nach Brunsbüttel gekommen sind. Durch ihren Status haben sie eigentlich keinen Anspruch auf einen Sprachförderkursus zum Erlernen der deutschen Sprache. Die Stadt Brunsbüttel bietet jedoch in Zusammenarbeit mit der Migrations-Sozialberatung der Diakonie und ehrenamtlichen Helfern zwei Sprachkurse an. Doch dabei soll es nicht bleiben.

Unter dem Motto „Sprachpartner gesucht“, betreibt das Diakonische Werk Dithmarschen seit zwei Jahren ein Projekt in Meldorf, Marne und Heide. Ziel der Sprachpartnerschaften ist es, Migranten die Möglichkeit zu geben, durch Begegnungen und Gesprächen mit Einheimischen ihre Sprachfertigkeiten und das Wissen über Deutschland zu erweitern. Im Gegenzug erhalten Einheimische die Möglichkeit, etwas über die Herkunftsländer der integrationsbereiten Migranten und deren Mentalitäten zu erfahren.

Nachdem in den vergangenen beiden Jahren über 25 solcher Partnerschaften vermittelt werden konnten, sollen nun auch Sprachpartner für die 21 Männer und Frauen aus Brunsbüttel gefunden werden, die sich für die Teilnahme an dem Projekt angemeldet haben.

„Es gibt eigentlich keine Vorgaben, die erfüllt werden müssen, um Sprachpartner zu werden. Lediglich die Bereitschaft sich auf Menschen eines anderen Kulturkreises einzulassen, muss mitgebracht werden“, erklärt Hans-Joachim Flicek. Als Koordinator der Listen der Projektteilnehmer ist er auch für die Vermittlung der Sprachpartnerschaften verantwortlich. Vor der Vermittlung steht das Ausfüllen eines kleinen Fragebogens. Dieser dient dazu, die Interessen der einzelnen Personen herauszufinden, um so einfacher geeignete Paarungen ermitteln zu können.

Eine erste Sprachpartnerschaft konnte Hans-Joachim Flicek in Brunsbüttel bereits vermitteln. Über die Zeitung wurde Roswitha Hechel aus Marne auf das Partnerschaftsprojekt der Diakonie aufmerksam. „Ich arbeite halbtags in einem Projekt für Aufstocker“, erzählt die 62-Jährige. Dabei handelt es sich um Menschen, die mit ihrer Beschäftigung ein so geringes Einkommen erzielen, dass sie ergänzend finanzielle Leistungen vom Jobcenter erhalten. „Bei meiner Tätigkeit habe ich auch viel mit Menschen mit Migrationshintergrund zu tun und weiß etwas um die Schwierigkeiten, die entstehen, wenn man die deutsche Sprache nicht richtig beherrscht“, so Roswitha Hechel.

Einmal wöchentlich trifft sich die 62-Jährige künftig mit der afghanischen Familie Ranjbar. Gemeinsam mit Familienoberhaupt Mohammad (42), Mutter Angela (32), Sohn Arman (13) und Tochter Zohal (8) wird sie sich überlegen, wie die Partnerschaft aussehen soll. „Ich denke, wir werden einfach mal mit kleinen Gesellschaftsspielen anfangen und so über die Kinder den Weg zueinander suchen“, meint Hechel.

„Es sind sehr häufig Frauen ab 50 Jahren, deren Kinder das elterliche Haus verlassen haben, die Interesse an solcher Partnerschaft zeigen“, weiß Hans-Joachim Flicek aus Erfahrung. Gerne würde er jedoch auch jüngere einheimische Interessenten in seiner Liste aufnehmen, denn in Brunsbüttel gibt es auch junge Asylbewerber um die 20 Jahre, die er gerne an gleichaltrige Sprachpartner vermitteln würde.

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