Nord-Ostsee-Kanal : Sportboote verzögern Frachtverkehr

Das Containerschiff  Pirita und der Chemietanker Lucy Essberger haben bereits angelegt. Nun warten die Frachtschiffe  noch darauf, dass auch die kleineren Sportboote Platz in der Schleuse finden.
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Das Containerschiff Pirita und der Chemietanker Lucy Essberger haben bereits angelegt. Nun warten die Frachtschiffe noch darauf, dass auch die kleineren Sportboote Platz in der Schleuse finden.

Seit Mitte Juni teilen sich die Riesen aus der Berufsschifffahrt und kleine Sportboote die Schleusenkammern am Nord-Ostsee-Kanal

shz.de von
01. Juli 2014, 18:06 Uhr

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende meldet sich ein Sportbootführer und bittet um Einfahrt in den Nord-Ostsee-Kanal. „Sie müssen sich noch etwa eine halbe Stunde gedulden. Wir haben heute nicht alle Schleusen in Betrieb“. Schleusenmeister Werner Ludewig regelt den Schiffsverkehr. Von seinem Platz im Tower der NOK-Verkehrszentrale behält er den Überblick über große Pötte und kleine Segler, die in den Kanal ein- oder ausfahren wollen. Gerade zum Ende der Kieler Woche hat er gut zu tun. Denn seit Mitte Juni teilen sich die Großen aus der Berufsschifffahrt mit den wesentlich kleineren Sportbooten die Schleusenkammern und fordern von den Verkehrslenkern am Kanal ein Höchstmaß an Koordinationsarbeit.

Etwa 80 bis 100 gewerbliche Pötte passieren im Schnitt täglich die Schleusen. Vorgestern kamen über acht Stunden verteilt rund 40 Sportboote dazu. Der Ablauf ist wie folgt: Zunächst füllen die großen Kähne aus der Berufsschifffahrt die Schleusenkammer. Anschließend legen die kleinen Sportboote zwischen den großen Schiffen an.

Der Vorgang ließ sich gestern direkt beobachten. Der Chemietanker Lucy Essberger und das Containerschiff Pirita hatten gegen 11.15 Uhr planmäßig in der Schleusenkammer festgemacht, als noch sechs Segler die Schleuse in die Kammer einfahren und anschließend vor der Pirita und der Lucy Essberger wieder ausfahren durften. Dass die Kleinen vor den Großen in den Kanal einfahren, sei der Sicherheit geschuldet. Denn wenn ein Containerschiff der Verkehrsgruppe 4 wie die Prita, also ein Schiff in der Größenordnung von 130 bis 160 Meter Länge, erst die Schiffsschraube zum rotieren bringt, entstehen Strömungen, die einen kleinen Segler leicht aus dem Kurs bringen können. Insofern verzögert die Schleusung der Kleinen derzeit die Weiterfahrt für die Großen. „Doch das wird geduldig ertragen. Da gibt es keinen Stress“, so Kay Egloff, Leiter der Verkehrszentrale am Nord-Ostsee-Kanal.

Um derartige Verzögerungen zu vermeiden und auch um die Unfallgefahr zu minimieren, werden die Sportboote normalerweise abseits der großen Schleusen durch die kleineren Schleusenkammern gelenkt. Wartungsarbeiten am Mauerwerk, die Kontrolle und der Austausch von Anlageteilen und die Beseitigung von Schäden an den Stemmtoren setzen diese Schleusenkammern jedoch im Moment außer Betrieb. Das Wasser- und Schifffahrtsamt rechnet mit einem Auftragsvolumen von 360 Millionen Euro für diese Instandsetzung.

Auch eine zunächst geplante Wiederinbetriebnahme der kleinen Schleusen zum Ende der Woche verzögert sich noch, nachdem Taucher bei Kontrollarbeiten weitere Schäden ausgemacht haben. „Nach derzeitigem Stand könnte die Nordkammer der kleinen Schleusen Ende Juli wieder in Betrieb gehen, die Südkammer in circa zwei Wochen“, meldete Thomas Fischer gestern, der im Wasser- und Schifffahrtsamt Brunsbüttel für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Bis dahin koordinieren Verkehrslenker wie Werner Ludewig den Sportbootverkehr. Das sei manchmal gar nicht so einfach, da für die Sportbootfahrer, die teilweise mit der ganzen Familie unterwegs sind, so ein Schleusenvorgang meist ungewohnt ist. Zumal , wenn es nun zusammen mit den Großen in eine Kammer gehe. Doch die Koordination verlaufe bis auf kleinere Schäden bislang reibungslos: „Trotz der Vielzahl der Sportfahrzeuge haben wir relativ wenig Probleme“, erklärte Egloff. „Es ist in der Seefahrt Brauch, dass man sich vor der Reise über das Revier kundig macht. Auch Sportboote sollten den Kanal nicht blind anfahren“. Denn die Schleusung verläuft für Sportbootfahrer nicht ohne die ein oder andere Herausforderung. So müssten diese zum Teil an senkrechten Leitern an den Kaimauern hinaufklettern, um an Land die Durchfahrtsgebühr zu entrichten. Denn die Segler liegen meist zu tief im Wasser, um mit einer Gangway erreichbar zu sein. Ab 12 Euro sind Sportboote mit von der Partie. Je nach Bootsgröße steigt die Gebühr, die aber auch nachträglich an einem Kassenautomaten in Kiel entrichtet werden kann.

>Wie funktioniert der Nord-Ostsee-Kanal? Ein Dokumentarfilm auf den Seiten der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung informiert anschaulich: http://www.wsv.de/wsa-bb/nok/film2.html

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