NEUES KONZEPT : Sport-Premiere mit Bananenkisten

Weitsprung über Bananenkisten  bei den „neuen Bundesjugendspielen“ der AVS, mit organisiert von Anne Gruitrooy (3. v. l.).
1 von 3
Weitsprung über Bananenkisten bei den „neuen Bundesjugendspielen“ der AVS, mit organisiert von Anne Gruitrooy (3. v. l.).

Die Itzehoer Auguste-Viktoria-Schule veranstaltet Bundesjugendspiele mit deutschlandweit neuem Konzept – und der Leichtathletikverband schaut genau hin.

von
20. Juni 2014, 12:00 Uhr

Diese Premiere hätte besseres Wetter verdient gehabt. Die „neuen Bundesjugendspiele“, so der Arbeitstitel, haben gestern rund 500 Fünft- bis Neuntklässler der Auguste-Viktoria-Schule im Stadion am Sandberg erlebt. Denn das Konzept ist bundesweit neu – und auf die Erkenntnisse des Vormittags warte auch der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) gespannt, sagte Lehrerin Anne Gruitrooy aus der Sport-Fachschaft der AVS.

Mit deren Leiter Jürgen Engel sowie Sportlehrer André Beltz hatte sie das Sportfest vorbereitet. „Wir sind seit einem Jahr dabei“, sagte die 36-Jährige. „Wir begeben uns auf absolutes Neuland.“ Die Grundlage lieferte der DLV mit einem neuen Wettkampfsystem für die Kinder-Leichtathletik. Weiterhin geht es um Laufen, Springen und Werfen, aber dank vielfältiger Zusatzmaterialien werde es für die jungen Sportler interessanter, vielseitiger und motivierender, so Anne Gruitrooy. „Es war uns wichtig, das in die Schule zu tragen.“

In drei Stufen gab es für Fünft- und Sechst-, Siebt- und Achtklässler sowie die Neuntklässler eigene Anforderungen. So warfen die Jüngsten nicht mehr mit dem Schlagball, sondern mit einem Heulerball mit Schwanz, der im Flug Geräusche verursacht. Die mittleren beiden Jahrgänge sollten einen leichten Medizinball mit einer Stoßtechnik möglichst weit befördern. Die Ältesten mussten mit einer Drehtechnik einen Fahrradreifen werfen. So lockerten mehr leichtathletische Inhalte das vorher eher monotone Angebot auf, sagte Engel. Dafür sorgten auch Bananenkisten: Beim Sprint und beim Sprung dienten sie als Hindernisse. Laufstrecken und Startpositionen variierten, aber auch der klassische 100-Meter-Sprint für die Neuntklässler war noch dabei: „Wir haben versucht, Alt und Neu in ein gutes Verhältnis zu bringen“, sagte Anne Gruitrooy.

Es mache mehr Spaß, stellten sowohl Siebtklässler Mark (13) als auch die Fünftklässlerinnen Sophia (10) und Jonna (11) fest, auch wenn die Mädchen den Schlagball vermissten. Die Kombination aus Reifenwurf, Hochsprung im Scherenstil und Sprinten löste bei Neuntklässler Jannik (15) begrenzte Begeisterung aus: „In der fünften Klasse wäre es noch ganz spannend gewesen.“ Allerdings waren die Gymnasiasten bis zu den abschließenden Staffeln und dem von den Organisatoren mit besonderer Vorfreude erwarteten Stadion-Crosslauf voll dabei. Vor einem Jahr sei schon ein Test beim Sprung gut angekommen, sagte Anne Gruitrooy. Auch in der Vorbereitung seien die Schüler sehr motiviert gewesen: „Wir haben im Unterricht beobachtet, dass es ihnen viel Spaß gemacht hat.“ Ohne großes Zutun führten die Übungen zu besserer Koordination, so Engel. „Das finde ich toll.“

Da es „neue Bundesjugendspiele“ waren, wurden nicht die üblichen Urkunden ausgegeben, eigene wurden entworfen. Bei den Jüngsten allerdings gab es nur Klassenwertungen, um die Motivation auch der Schwächeren hoch zu halten und die Gemeinschaft zu stärken. Neu war auch, dass Würfe und Sprünge nicht genau gemessen wurden, sondern nur Zonen, die Punkte brachten. Für die Auswertung musste ein eigenes System her: So betreute die zwölfte Klasse nicht nur die jungen Sportler, das naturwissenschaftliche Profil Physik kümmerte sich mit selbst entworfenen Programmen um die Auswertung. Problem dabei: Die Laufzeiten mussten umgewertet werden, passend zu den Punktezonen aus Wurf und Sprung. Dazu seien die Frequenzen aus Bachs „Wohltemperiertem Klavier“ verwendet worden, so Lehrer Daniel Helmholz.

Anne Gruitrooy hatte viel Kontakt mit dem DLV. Ergebnis: Bundesweit gebe es noch kein solches Konzept für Bundesjugendspiele, „deswegen interessiert sich der DLV extrem für unsere Ergebnisse“. Im September wird sie das AVS-Konzept den Sportlehrern des Landes vorstellen. Denn: Es soll Schule machen.

zur Startseite
Karte

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen