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Integration in Itzehoe : Sport braucht keine Sprache

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Flüchtlinge trainieren kostenlos in den Vereinen mit und nehmen auch an Wettkämpfen teil.

Sie steigern sich – und das im doppelten Sinn. Obwohl es im Stadion regnet beschleunigen Filimon Zemlay und seine Freunde aus Eritrea auf der Zielgeraden. Sie sind drei von fünf Flüchtlingen, die in der Leichtathletik-Trainigsgruppe des Sportclubs Itzehoe (SCI) eine neue sportliche Heimat gefunden haben. „Das macht Spaß hier, da können wir endlich wieder ein wenig Sport machen“, sagt Filimon Zemlay, der vor 14 Monaten nach Itzehoe kam. Jeder siebte in der Gruppe ist damit ein Flüchtling.

„Die Verständigung ist nicht immer leicht, die können kaum Deutsch oder Englisch“, sagt Trainer André Beltz, der die Flüchtlinge seit einigen Monaten trainiert. „Aber viel reden müssen wir ja nicht, Integration funktioniert nirgendwo besser als beim Sport.“

Immer mehr Flüchtlinge kommen in die Sportvereine. Beim SCI, dem größten der Kreisstadt, trainieren in unterschiedlichen Gruppen bereits 17 Asylsuchende, überwiegend junge Männer. „Wir rechnen mit steigender Tendenz“, sagt Vorsitzender Gerd Freiwald.

Der SCI biete den Flüchtlingen die Möglichkeit, ein halbes Jahr kostenlos Sport im Verein zu betreiben. Lediglich die Angebote des Fitness-Centers seien ausgenommen. Und auch nach Ablauf des halben Jahres werde niemand wieder aus dem Verein geworfen: „Die Geschäftsstelle versucht dann gemeinsam mit den Betroffenen eine Fortsetzung der Mitgliedschaft zu einem reduzierten Beitragssatz zu ermöglichen“, so Freiwald.

Der Vorsitzende freut sich besonders, dass einige Flüchtlinge bereits an Wettkämpfen teilgenommen haben. So auch die Eritreer aus der Leichtathletik-Gruppe. Sie gingen bereits zwei Mal mit ihren Team-Kollegen an den Start. „Aus Dankbarkeit haben sie uns danach zu sich nach Hause eingeladen“, erzählt André Beltz. Da habe es ein bisschen wie in einer Studentenbude ausgesehen – vor allem hätten die Bilder gefehlt. „Und wir haben ihnen als Erinnerung eine Kollage von Fotos geschenkt, die sie beim Wettkampf zeigt“, sagt Beltz.

Die Ausstattung für die Flüchtlinge haben die Sportler selbst gesammelt. „Die kamen hier ja nur in Latschen an“, erzählt Beltz, der gleich begeistert war von den Neu-Sportlern. „Die hatten dünne Beine, ich dachte gleich, dass da große afrikanische Talente dabei sind.“ Die große Medaillen-Hoffnung seien Filimon Zemlay und seine Freunde zwar nicht, aber sie hätten sich gut ins Team eingefunden, wie die 17-jährige Nina Eim sagt, die mit den fünf Jungs trainiert.

Neben ihr steht Alicia Stölting und schaut auf die Afrikaner, die in ihren Störlauf-Trikots weitere Steigerungsläufe absolvieren: „Zuerst sind sie bei einem 1000-Meter-Lauf die ersten 200 Meter total losgesprintet, weil sie wohl nicht verstanden haben, dass dann noch 800 Meter kommen“, sagt die 17-Jährige. Aber mittlerweile wüssten schon alle, wie es richtig funktioniert. So haben sich alle gesteigert.

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erstellt am 10.Okt.2015 | 07:45 Uhr

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