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Spielend improvisiert – und die Scheu abgebaut

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

„Super! Lass es raus!“ Anika Sell animiert die beiden jungen Spieler auf der Bühne, die Emotionen wirkungsvoller „groß zu spielen“. Die Hamburger Theaterpädagogin vermittelte im Rahmen der Jugendkulturwoche im Theater Itzehoe 18 Mädchen und sechs Jungs zwischen 13 und 16 Jahren die Regeln des Improvisationstheaters.

Dabei gibt es verschiedene Formen, die die Spielleiterin vorgibt und die den Rahmen für die spontan ausgedachten Dialoge bilden. Nun steht „Speed Freeze Tag“ auf dem Plan: Die Akteure erstarren nach dem Ruf „Freeze“, einer wird ausgetauscht, und die neuen Partner machen aus der erstarrten Bewegung heraus mit einer neuen Inhaltsidee weiter. Vom Beziehungsstress geht es zum Rosenklau oder zur Versöhnung zweier Streithähne. Die Spielleiterin gibt meist nur den Impuls zum Start: „Wo befinden sich die beiden?“, fragt sie in die Runde. „In der Antarktis“, ruft einer, und damit legen die zwei Spieler los, schlagartig bibbernd zusammensinkend.

Status spielen ist eine weitere Grundlage des Improtheaters. „Auf der Bühne steht der Ranghöhere, der Niedrigere kommt dazu und muss reagieren. Wenn zwei den gleichen Status haben, stockt der Austausch zu schnell“, erläutert Anika Sell. Damit erproben die Teilnehmer spielerisch Rollenverhalten, wie es auch das Alltagsleben von ihnen fordert.

Für Jugendliche sei das Improtheater eine „großartige Möglichkeit, Scheu vor dem freien Sprechen abzubauen“, erläutert Theaterpdägogin Britta Schramm. Sie freut sich über die konzentrierte Arbeit der Jugendlichen, die sich gegenseitig sensibel unterstützten. „Eine tolle Truppe, alle blieben bis zum Schluss dabei. Keiner schaute während der Arbeit aufs Handy.“ Vier Tage lang wurde von 9 bis 15 Uhr im Studio geprobt, heute um 19 Uhr präsentieren sich die Aktiven mit Formen des Improtheaters dem Publikum.

Die große Beliebtheit dieser Gattung führt Anika Sell auf die Gleichwertigkeit der Beteiligten zurück. „Keiner drängelt sich mit Ego-Touren vor, man unterstützt sich gegenseitig und kooperiert.“ So auch in der Itzehoer Gruppe, in der Jugendliche von Auguste-Viktoria-, Kaiser-Karl-, Klosterhof- und Waldorfschule aufeinander trafen, außerdem vom Glückstädter Detlefsengymnasium und dem Kremper Schulzentrum.

„Es ist viel leichter geworden, vor Publikum zu sprechen“, sagt Sarah Zanner (13). Den Effekt, ausprobiert im schützenden Umfeld, könne man sicher auch in andere Situationen in die Schule mitnehmen. „Man lernt, dass man Fehler und Aussetzer einfach überspielt,“ findet Jana Nölting (12).

„Die Randzeiten zum Ferienbeginn haben sich bewährt, damit müssen die Schüler nur zwei Tage vom Unterricht freigestellt werden“, zieht Britta Schramm Bilanz. Im kommenden Jahr lautet das Thema „Masken- und Figurentheater“.

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