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ZELTLAGER : Spiel, Spaß und Sport am Ende der Welt

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Das Zeltlager des Sport-Club Itzehoe am Stocksee ist mit seinem vielfältigen Programm längst Kult, einige Teilnehmer kommen sogar aus Kanada.

Eine schmale Teerstraße führt abseits von Städten oder Dörfern kilometerweit durch Felder und Wiesen, am Seeufer und Wald entlang, bis zu einem idyllischen Gelände direkt am Stocksee im Kreis Plön. „Am Ende der Welt“ – so beschreibt Lagerleiter Torben Rademacher (38) den Ort, den sich der Sportclub Itzehoe (SCI) vor 55 Jahren für sein alljährliches Zeltlager ausgesucht hat. Hier, fernab vom Alltag, genießen in diesem Jahr 110 Kinder mit 19 Betreuern, Lagerleiter Rademacher und Sanitäter Thomas Engels (40) sowie einem mehrköpfigen Küchen-Team zwei Wochen ihrer Sommerferien.

„Guten Morgen!“ Sieben Uhr, Zeit zum Aufstehen. Kinder und Betreuer krabbeln aus ihren Zelten. Bis zu zehn Mädchen oder Jungen sowie ihr Betreuer – bei den Kleinsten manchmal auch zwei – schlafen in einem der geräumigen Zelte, die mit Schaumstoffbetten und Kofferregalen ausgestattet sind.

Im „jüngsten Zelt“ mit der Nummer 4 wohnen Regina (22) und ihre Mädels: Mia, mit sechs Jahren die Jüngste, durfte nur mitfahren, weil ihre ältere Schwester Lea auch dabei ist. Die anderen Mädchen im Zelt sind zwei bis drei Jahre älter als Mia. „Es macht total Spaß sie zu betreuen, weil sie wirklich lebensfroh sind“, sagt Regina. Ständig seien sie in Aktion, allein ihnen zuzuhören sei oft „witzig“.

Und die Mädchen brauchen die volle Aufmerksamkeit ihrer Bezugsperson, jede von ihnen möchte neben Regina schlafen, einige haben Heimweh. So wie Viktoria (8): „Ich vermisse meine Mama.“ Aber immerhin hat sie ihre Zwillingsschwester Alexandra, genannt Alex, dabei. Auch das eine oder andere Wehwehchen lässt sich nicht vermeiden: „Ich bin schon tausend Mal gefallen“, berichtet Maya (8) und zeigt ihre Schürfwunden. Waveboard fährt sie trotzdem weiterhin. Einen Wespenstich hat Alex zu vermelden, von dem aber nur noch ein kleiner, brauner Punkt zu sehen ist.

Anziehen, waschen, aufräumen – und eine Stunde später sitzen alle schon am Frühstückstisch im Essraum. Dafür, dass Teller, Becher und Besteck auf den Tischen stehen, sorgt jeden Tag ein anderes Zelt, ebenso für den Abwasch . „Jedes Zelt hat seinen festen Tisch“, erklärt Regina. Nach dem Essen wird gemeinsam abgeräumt, was bei den Kleinsten „meistens etwas länger dauert“.

Dann steht jeden Tag etwas anderes auf dem Programm. Heute können die Kinder im Alter von acht bis 16 Jahren frei entscheiden, was sie machen möchten: Fußball, Basketball oder Volleyball spielen, Tischkickern oder Trampolin springen, Basteln, mit Speckstein arbeiten oder Spiele spielen sind nur einige von vielen Möglichkeiten. Per Durchsage werden besondere Aktivitäten angekündigt: „In fünf Minuten kann gebadet werden, Treffen an der Steinkante“ sorgt in diesem Moment für Jubel. Der Lagerplatz liegt direkt am Ufer des Stocksees mit kleinem Sandstrand und Steg, am Abend mit Blick auf den Sonnenuntergang. Zu geregelten Zeiten wird gebadet, ansonsten ist der Bereich für alle tabu. Zwei Rettungsschwimmer unter den Betreuern sorgen für die Sicherheit. „Ohne Freischwimmer nicht weiter als bis zur Leine“, ermahnt Marc. Schwimmmatten und Badenudeln hat der Sportverein ebenso aus dem eigenen Bestand mitgebracht wie Bälle, Schläger, Spiele und technisches Zubehör vom Mikrofon bis zum Drucker.

Während sich die Kinder im See abkühlen, stellen Regina und ihre Betreuer-Kollegin und Freundin Claudia (22) Gruppen für die Waldrallye am Nachmittag zusammen. Die beiden waren bereits selbst als Kinder hier. „Eigentlich war ich nur mit, weil meine Eltern das Badezimmer neu machen wollten“, erzählt Claudia. Danach habe sie „nur noch davon geredet“, erinnert sich Regina. Sie selbst habe nicht nachvollziehen können, was „an diesem Stocksee“ so toll sein sollte – bis sie im nächsten Sommer selbst mitfuhr. Das war 2008, seit 2009 sind die beiden Lehramtstudentinnen im Betreuerteam, das sich aus Studenten, Azubis und Angestellten zusammensetzt, die Teile ihrer Semesterferien oder ihres Urlaubs dafür opfern. „Es ist wie eine kleine Familie“, schwärmt Regina. „Und es gehört dazu: Ein Mal im Jahr Stocksee muss sein.“

12 Uhr, Zeit für Fischfrikadellen, Salat und Kartoffelbrei, zum Nachtisch gibt’s Obst. „Das Essen schmeckt immer echt super“, urteilt Claudia. Und die Ruhe im Raum, fröhliche Gesichter und leergegessene Teller geben ihr Recht.

Nach dem Essen ist Mittagspause. Bis 14 Uhr dürfen sich die Kinder in ihren Zelten oder draußen im Schatten aufhalten, schlafen oder sich leise unterhalten. Ilka und Anna (beide 9), Josefine (10) und Svea (11) bieten Betreuermassagen an, gerade ist Claudia an der Reihe. „Unsere Betreuer wollten gar nicht mehr aufhören“, erzählt Ilka, während sie eine PET-Flasche über Claudias Rücken rollt. Ein paar andere Kinder „tätowieren“ ihre Betreuer mit Glitzerstiften. Die Mädchen sind zum ersten Mal hier und fühlen sich wohl. „Ich mag gerne, dass man hier so viel machen kann“, erklärt Josefine. Svea ergänzt: „Und dass man jeden Tag baden darf.“

Gesagt, getan: Nach der Mittagspause eine kurze Abkühlung, dann versammeln sich alle zur Waldrallye. Diese rankt sich um Dornröschen, dargestellt von Louis (25) mit Krönchen und im pinken Tutu, die vom Zwerg (Lena) und der bösen Fee (Marc) entführt wird. Um sie zu befreien, müssen die Kinder mehrere Spiel-Stationen im Wald absolvieren. „Iiiih!“, entfährt es Alex, als sie durch in die „Überraschungskiste“ greift. Wackelpudding, Banane und Spaghetti sind darin. Weil die Gruppe nicht alles richtig ertastet, müssen sie eine Zusatzaufgabe erfüllen: Marlon (12) mit „Schlübber“ und Stella (11) mit Windel über der Hose und einige andere mit Bemalungen im Gesicht laufen zwei Stunden durch den Wald, essen Erdnussflipps in Rekordzeit, erklären Märchenbegriffe wie Zauberbohne oder böser Wolf, fädeln sich alle auf eine Schnur und fischen Münzen aus dem Sand.

Die Gruppe ist bunt gemischt: Einige kommen aus Itzehoe und Umgebung, manche sind beim Trampolin, Handball, Boxen oder Kunstturnen beim SCI. Aber nicht alle sind Mitglieder in dem Sportverein. Nils (13) kommt aus Hamburg, Joane (12) aus Albersdorf. Über das Internet sind sie auf das Zeltlager aufmerksam geworden. Und sie sind keine Ausnahmen: „Ungefähr zehn Prozent der Kinder hier sind nicht aus dem Kreis Steinburg“, berichtet Rademacher. Schon längst sei das Camp auch außerhalb des Sportvereins sehr beliebt, ungefähr 70 Prozent der Teilnehmer seien Nicht-Mitglieder. Die weiteste Anreise hatten Hanna (14), ihr Bruder Matthis (11) und ihre Freundin Jessica (14). Sie kommen aus Kanada und verbinden das Zeltlager mit einem Besuch bei ihrer Großmutter in der Nähe von Kiel.

Zurück am Zeltplatz, der dem SV Tungendorf gehört, ist der Tag auch schon fast rum. Nach dem Abendessen wartet das Lagerspiel „Tribute vom Stocksee“ auf die Kinder, bevor um 22 Uhr Nachtruhe herrscht. Alle freuen sich schon auf die nächsten Tage: Ein lebensgroßes Kickerspiel, eine Übernachtung unter freiem Himmel und ein Besuch im Hansapark stehen unter anderem auf dem Programm, bevor es am 9. August wieder nach Hause geht.

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