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Norddeutsche Rundschau

16. Dezember 2017 | 08:04 Uhr

Speisefisch aus dem Industriegebiet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Studie empfiehlt bei Fischzucht Nähe zu Betrieben mit hoher Abwärme / Zander und Garnele könnten aus Brunsbüttel kommen

von
erstellt am 18.Mär.2016 | 07:39 Uhr

Vor dem Hintergrund eines wachsenden Bedarfs an Speisefisch bei gleichzeitigem Rückgang der natürlichen Ressourcen richtet sich das Augenmerk der Wirtschaft verstärkt auf Fischzuchtanlagen, die in so genanten geschlossenen Kreisläufen Seefisch an Land bis zur Schlachtreife aufziehen. Das Problem: Solche Aquakulturen benötigen oft hohe Wassertemperaturen. Abhilfe kann die Nähe zu Industrieanlagen schaffen, die Abwärme zur Verfügung stellen. Die Metropolregion Hamburg stellte gestern in Brunsbüttel ein entsprechendes Konzept vor. Jetzt geht es im Prinzip nur noch darum, Betriebe und Investoren an einen Tisch zu bekommen.

Die Aquakultur von Fischen und Garnelen ist mit Steigerungsraten von durchschnittlich neun Prozent seit 1970 der am schnellsten wachsende Zweig in der globalen Ernährungswirtschaft. Sie stellt weltweit einen der bedeutendsten Wirtschaftszweige der Ernährungsbranche dar. Auch die Deutschen essen immer mehr Fisch, aber weniger als 20 Prozent davon werden im Inland produziert. Aus Rücksicht auf immer knapper werdende Wildfischbestände und im Sinne einer gesteigerten regionalen Selbstversorgung gilt es daher als erstrebenswert, mehr Aquakultur in der Region zu betreiben.

Exemplarisch sind in der Studie Standorte im Chemcoast-Park Stade, bei der Raffinerie Hemmingstedt und in Grevesmühlen untersucht worden. Doch gebe es wesentlich mehr potenziell geeignete Standorte für Fischzuchtanlagen, sagt Stefan Meyer, Koordinator des Netzwerks Aquakultur Schleswig-Holstein und wissenschaftlicher Mitarbeiter der Gesellschaft für Marine Aquakultur (GMA) in Büsum. „Das ist im Grunde in jedem Gewerbegebiet möglich.“ Voraussetzung: Gute Transportinfrastruktur und eben ein Abwärme erzeugendes Unternehmen in der Nachbarschaft.

Die gestern bei der Egeb-Wirtschaftsförderung vorgestellte Studie sei ein Leitfaden für Investoren. Untersucht worden waren Aufzuchten von Zander und Garnele. Beiden wird gutes Marktpotenzial bescheinigt und – ein wichtiger Faktor – schnelles Wachstum. Zander kann nach zwölf bis 14 Monaten in den Handel gebracht werden, Garnelen bereits nach vier bis sechs Monaten.

Als Zielgruppe sieht Sophie Hagebölling von der Wirtschaftsförderung in Stade einerseits reine Investoren, aber auch Landwirte, die ein neues Standbein suchen. Bereits gestern gab es in verschiedenen Workshops erste Kontakte zwischen Interessierten Betreibern und Anlagenherstellern. Und, so Volker Jahnke von der Egeb: „ Wir konnten konkret Standorte anbieten.“ Dies sowohl in Brunsbüttel als auch in Hemmingstedt. Die dortige Raffinerie bietet den Vorteil, dass bereits ein Wärmenetz besteht.

Als bundesweit „ziemlich einmalig“ beschrieb Hagebölling die Studie. Denn die sei so gefasst, dass deren Ergebnisse in jedem der drei beteiligten Bundesländer Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen umgesetzt werden können.

Für sie wie für Volker Jahnke geht es nun darum, gemeinsam mit der Büsumer GMA geeignete Investoren zu finden. Jahnke: „Das ist wie bei der Cuxhavenfähre. Da haben wir auch gezielt geguckt, wer das machen kann.“ Für die Region wäre eine Aquakultur schön. „Das passt hierher.“

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