Bleigiessen : Spaßiger Blick in die Zukunft

Was mag das sein? Gerd Freiwald (l.), Philipp Dickersbach und Ulrike Schanko präsentieren ihre Figuren.
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Was mag das sein? Gerd Freiwald (l.), Philipp Dickersbach und Ulrike Schanko präsentieren ihre Figuren.

Bleigießen: Theaterleiterin Ulrike Schanko, SCI-Vorsitzender Gerd Freiwald und sh:z-Volontär Philipp Dickersbach haben gemeinsam orakelt.

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31. Dezember 2014, 16:00 Uhr

Ist es eine Nadel? Oder doch eher ein Stock? Für das Bleigießen, einen traditionellen Brauch zu Silvester, benötigt man viel Fantasie und Vorstellungskraft. Unser Volontär Philipp Dickersbach hat mit Theaterleiterin Ulrike Schanko und Gerd Freiwald, Vorsitzender des Sport-Club Itzehoe, den Selbsttest gemacht. Einhelliger Tenor: Es macht Spaß. Doch vernünftige Figuren zu erhalten, ist ganz schön schwierig.

„In früher Jugend habe ich das zuletzt gemacht“, berichtet Ulrike Schanko. Dasselbe gilt für Gerd Freiwald. Philipp Dickersbach ist sogar Bleigießen-Novize. Über einer Kerzenflamme schmelzen sie Blei im Löffel und kippen es in eine Schüssel mit kaltem Wasser. Anhand der erstarrten Bleifiguren wird die Zukunft gedeutet. In den Packungen liegen Listen, die Interpretationen vorgeben. Doch grundsätzlich sind der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Ulrike Schanko legt gut los. Sie holt ein Bleistück aus dem Wasser, das entfernt an einen Fisch erinnert. „Das ist ein Stör. Also ein klares Zeichen für Störauf“, sagt die Theaterleiterin. Wenige Minuten später angelt sie − ihrer Meinung nach − ein Fabelwesen aus dem Wasser. „Das ist der Senkrechtstarter für 2015“, ist sie sich sicher. Währenddessen macht sich bei Philipp Dickersbach und Gerd Freiwald erste Verzweiflung breit. Denn was die beiden aus der Glasschüssel holen, sieht irgendwie immer gleich aus: Dünn und lang gestreckt, Abwechslung ist etwas anderes. Doch gedeutet wird natürlich trotzdem. „Das ist eine Angel“, sagt Freiwald. Laut Liste bedeutet das: „Pack das Glück.“ Dickersbach entscheidet sich für eine Nadel und freut sich über den Eintrag. „Du bist Spitze“, steht in dem kleinen Heftchen geschrieben.

Das muntere Deuten geht weiter. So erwartet Schanko laut Vorhersage „Glück in der Familie“, da sich ihr Bleiklumpen in ein Nest verwandelt hat. Philipp Dickersbach holt einen Stock aus dem Wasser − für den das Heft allerdings keine Erklärung parat hat. Mit seiner letzten Figur wird Gerd Freiwald nochmals kreativ. „Das ist ein Wikingerschiff“, so der SCI-Chef. Bedeutung? Ungewiss. Überrascht sind alle Beteiligten, wie schnell das Blei schmilzt. „Das hatte ich anders in Erinnerung“, sagt Gerd Freiwald. „Früher hat das immer ewig gedauert.“ Heute vergehen keine zwei Minuten, dann haben sich die Klumpen verflüssigt. Doch das bedeutet auch: Nach gut 45 Minuten und einigen Diskussionen über die Figuren und deren Bedeutung für das kommende Jahr ist das Bleigießen beendet.

Und welche Erkenntnisse wurden gewonnen? „Ich gehe positiv in das neue Jahr“, sagt Ulrike Schanko. Und wenn ein Totenkopf entstanden wäre? „Das hätte dann bedeutet, dass wir Hamlet spielen“, sagt die Theaterleiterin mit einem Lächeln. „Es ist eine nette Spielerei.“ Den Jahreswechsel verbringt sie im Theater: „Wir haben eine Doppelvorstellung.“ Zeit für ein neuerliches Bleigießen bleibe da nicht. Anders bei Gerd Freiwald. Der SCI-Chef feiert im Kreise der Familie. „Ich kann mir gut vorstellen, dass wir dieses Jahr etwas orakeln werden.“ Geübt hat er jedenfalls schon.

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