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Filialschließungen : Sparkassenbrief enttäuscht die Wewelsflether

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Sparkasse Westholstein lehnt weiterhin selbst den Betrieb einer Selbstbedienungsfiliale ab.

von
erstellt am 10.Mai.2017 | 05:00 Uhr

Im März waren sie spontan aktiv geworden: Nach Bekanntwerden der Pläne der Sparkasse Westholstein, nicht nur diverse personenbesetzte Zweigstellen, sondern darüber hinaus in Wewelsfleth auch den SB-Kundenbereich zu schließen, initiierten Bernhard Sachse und Dörte Ringleben mit der UWG Wewelsfleth eine Unterschriftenaktion: Innerhalb von 14 Tagen wurden mit Unterstützung des gesamten Gemeinderats und vieler erboster Bürger rund 750 Unterschriften in Wewelsfleth gesammelt. Dabei äußerten sich vor allem ältere Bürger entsetzt über die Pläne der Sparkasse: Ihnen wird – da sie auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen sind – jede Form der Bargeldversorgung vor Ort genommen (wir berichteten). Die Unterschriften wurden dann von Bürgermeister Delf Bolten im Namen aller Wewelsflether Bürger persönlich an den Vorstand der Sparkasse Westholstein übergeben. Nun bekamen die Initiatoren der Aktion persönlich Post vom Vorstand, dessen Inhalt allerdings die Akteure enttäuschte.

„Der Vorstand nennt die Unterschriftensammlung und die Aktion mit den Herz-Plakaten ‚beeindruckend‘“, zitieren Bernhard Sachse und Dörte Ringleben aus dem Dokument. Weiter heiße es da: „Sie können uns glauben, dem Vorstand und dem Verwaltungsrat der Sparkasse fallen derartige Entscheidungen wirklich schwer.“ Allerdings hätten „Vorstand und Verwaltungsrat sicher nicht über eine Schließungsabsicht entscheiden müssen“, wenn sich das Verhalten der Menschen – unter anderem beim Umgang mit Bargeld – nicht massiv geändert hätte.

Das wollen Bernhard Sachse und Dörte Ringleben so nicht stehen lassen. „Die Sparkasse selbst ist es, die uns zu einem geänderten Verhalten gezwungen hat: Wir wurden aufgefordert, unsere Auszüge nicht mehr am Schalter, sondern aus dem Automaten zu ziehen. Wir wurden aufgefordert, unser Bargeld nicht mehr am Schalter, sondern am Geldautomaten abzuholen. Wir wurden aufgefordert, auf Online-Banking umzusteigen, um unsere Überweisungen und die Verwaltung unserer Geldgeschäfte selbst zu erledigen.“ Der Kunde – auch der ältere – habe sich angepasst und mit den Änderungen arrangiert. „Mit Verständnis für alle Neuerungen, die seitens der Sparkasse auf den Kunden zugekommen sind“, fügen sie hinzu. „Auch mit der Schließung unserer personenbesetzten Filiale haben wir alle irgendwann gerechnet: Aber die Schließung des SB-Bereichs geht einfach zu weit!“ Die Ankündigung des Vorstandes, „in Wewelsfleth die Möglichkeiten des bargeldlosen Zahlungsverkehrs zu erweitern“ stoße auf kein Verständnis. Sachse: „Ein Geldautomat vor Ort ist dadurch nicht zu ersetzen.“

Und von der Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sei nicht nur die Sparkasse selbst, sondern auch jeder Kunde betroffen: „Keine Zinsen mehr auf Sparguthaben, Gebühren für Kontobewegungen, Provisionen für nicht in Anspruch genommene Kredite – wir selbst als Kunde merken die negativen Veränderungen doch auch“, sagt Bernhard Sachse.

Die Sparkasse habe über Jahrzehnte zum Sparen („Weltspartag“) angehalten, nun habe sich der Vorstandsvorsitzende Achim Thöle in der Zeitung (Ausgabe 4. März) selbst „etwas verwundert … über den Anstieg der Spareinlagen…“ geäußert, denn bei der niedrigen Zinspolitik und einer Inflation von fast zwei Prozent sei dies „echte Geldentwertung“. Das, so Sachse und Ringleben, sei ein Schlag ins Gesicht jedes Kunden.

Im Antwortschreiben des Vorstandes werde auf die am 16. Mai stattfindende Verbandsversammlung hingewiesen, auf der „Sie über Ihren Bürgermeister Delf Bolten die Gelegenheit... haben, Ihre gesammelten Argumente für den Erhalt der SB-Zweigstelle vorzutragen“. Eine Aussage, die für Dörte Ringleben nicht nachvollziehbar ist. Denn: „Wir denken, dass überaus gute und nachvollziehbare Argumente in zahlreichen Leserbriefen, Berichten über unsere Gemeinderatsversammlung und die Presseberichte aus Wewelsfleth genannt worden sind.“

In dem Brief werde betont: „Dem Vorstand und dem Verwaltungsrat ist sehr an einer aktiven Kommunikation der Hintergründe der beabsichtigten Schließung von Zweigstellen gelegen und damit um Verständnis für die aus Sicht der Sparkasse gegensteuernde Maßnahme zu werben.“

Das lehnen Sachse und Ringleben ab, und darin seien sich – wie sie betonten – alle Wewelsflether Gemeindevertreter einig. „Wir werden die Schließung des SB-Bereichs auch bei intensiver aktiver Kommunikation nicht akzeptieren, denn bei uns im Dorf werden Brot, Zeitung und Milch immer noch bar und nicht mit der Kreditkarte bezahlt!“

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