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Norddeutsche Rundschau

20. August 2017 | 02:46 Uhr

Spannende Reise voller Fantasie

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Er heißt Clemens, der Milde, und er ist 14 Jahre alt. Eigentlich versetzt ihn alles in Furcht und Zittern, nicht nur das schreckliche Gewitter, vor dem er sich unter seiner Bettdecke versteckt. Er tut immer, was man ihm sagt.

Darum geht es in „Windsturmreiter“. So nennt Anna Siegrot ihr Stück für Kinder und Jugendliche ab acht Jahren, das das Landestheater Detmold in der Inszenierung von Charlotte van Kerckhoven in kurzweiligen eineinhalb Stunden im Theater Itzehoe zeigte.

Und Clemens? Der muckt doch einmal gegen die übermächtige Autorität der Eltern auf. Denn die sind gerade nicht da. Das Geburtstagspaket von Tante Hilde könnte man doch schon jetzt vor Mitternacht öffnen? Sie schickt immer eine Puppe zum Sammeln, Popcorn und Schokolade. Da passiert es. Dem Paket entsteigt ein rothaariger Frechdachs, ein Windtroll, jemand, der sich nicht vor Gewittern fürchtet. Der fürchtet sich vor nichts. Angst? Kennt der nicht!

So müsste das andere Ich sein: furchtlos, kess, neugierig, in allen Lebenslagen obenauf. Dieses andere Ich zeigt dem milden Knaben, wo es lang geht: übermütig sein, Geschichten erfinden, Abenteuer spielen, Verrücktes tun. Plötzlich wird Clemens’ Welt bunt. Er entdeckt wieder Neues, vergisst die Wörter nicht mehr, erfindet die tollsten Märchen, klettert auf sein Regal, spielt wie ein Irrer Luftgitarre, erobert sich zurück, was er vorher kampflos aufgegeben hatte. Die beiden fantasieren sich in eine kindliche Raserei hinein, erfinden Namen wie am Fließband, zum Beispiel Zottelhaube und Goldschopf, düsen durch die Gegend.

Und am Ende der Nacht? Das andere Ich verwandelt sich wieder in eine Puppe zurück. Clemens setzt sie ganz oben ins Regal. Er hat keine Angst mehr vor dem Gewitter, das immer noch tobt. Er hat sich mit seinen Wünschen angefreundet. Seine Tante hat ihm mit der Puppe ein neues Ich geschenkt: aufgeschlossen, mutig, fantasievoll. Er ist nun ein „Windsturmreiter“.

Lukas Schrenk (Clemens) und Adrian Thomser spielen das ungleiche Paar von Ich und Gegen-Ich überzeugend. Adrian Thomser reißt mit seinem Voll-Power-Spiel Clemens mit – und geht mit ihm auf spannende Märchenreise ins Land des eigenen Fantasierens. Das macht stark. Stärke und Milde – ist eine gute Mischung. Da kann Clemens beruhigt wieder einschlafen, auch wenn er etwas Verbotenes getan hat. Viel Applaus!

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