Liegefahrrad : Später Erfolg: Radfahren auf der Straße erlaubt

Jetzt darf er auf der Straße fahren: Holger Holst mit seinem Liegerad auf der Adenauerallee Richtung Bahnhofstraße. Foto: Götz
Jetzt darf er auf der Straße fahren: Holger Holst mit seinem Liegerad auf der Adenauerallee Richtung Bahnhofstraße. Foto: Götz

Holger Holst hat 2011 mit seinem Liegefahrrad in Itzehoe bereits das Amtsgericht beschäftigt. Er fuhr auf der Straße.

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18. August 2012, 11:49 Uhr

Itzehoe | August 2010: Holger Holst fährt mit seinem Liegerad in der Adenauerallee. Und zwar auf der Straße - und nicht auf dem Radweg. Ein Polizist stoppt ihn. Holst kassiert ein Knöllchen, soll 15 Euro zahlen. Er legt Widerspruch ein, klagt. Im Februar 2011 bestätigt das Amtsgericht Itzehoe das Verwarnungsgeld.
August 2012: Holger Holst fährt mit seinem Liegerad in der Adenauerallee. Auf der Straße. Und wenn ihm die Polizei begegnet, kann er freundlich lächeln. Denn jetzt darf er ganz offiziell dort fahren. Zwischen der Einmündung zur Konsul-Rühmann-Straße und dem Dithmarscher Platz wurde in Adenauerallee und Bahnhofstraße die Benutzungspflicht für Radwege aufgehoben, die Beschilderung entsprechend geändert. Radfahrern ist es jetzt freigestellt, Radweg oder Fahrbahn zu benutzen.
Benutzungspflichtige Radwege sollen Ausnahme sein
Die Stadt folgt damit einer Novellierung der Straßenverkehrsordnung, wonach benutzungspflichtige Radwege die Ausnahme sein sollten. Lange haben Holst und seine Mitstreiter vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) dafür gekämpft, dass sie in Itzehoe umgesetzt wird. Schließlich stamme die so genannte "Radfahrernovelle" schon aus dem Jahr 1997, betont Holst. Eine weitere Novelle gab es 2009.
Ist die neue Beschilderung jetzt eine späte Genugtuung für den Liegeradfahrer aus Heiligenstedten? Genugtuung empfinde er nicht, sagt Holst. Wenngleich er das Gerichtsurteil von 2011 noch immer als Fehlurteil ansieht. "Aber ich bin schon ein kleines bisschen stolz, dass man den Radfahrern jetzt etwas mehr zuhört."
Fahren auf dem Radweg ist nicht sicherer
Denn entgegen der landläufigen Meinung sei es eben nicht sicherer, auf dem Radweg zu fahren, sondern im Gegenteil gefährlicher. So komme es auf kombinierten Rad- und Gehwegen immer wieder zu Konflikten mit Fußgängern. Und insbesondere bei Einmündungen und Grundstücksauffahrten gebe es ein hohes Konfliktpotenzial mit einfahrenden und abbiegenden Autofahrern. Denn diese blickten oft vorrangig auf die Straße und hätten die kreuzenden Radfahrer nicht auf der Rechnung.
Umgekehrt verhielten sich manche Radfahrer aufgrund des subjektiven Sicherheitsgefühls, das ihnen der Radweg vermittelt, auch sorgloser als auf der Straße. Und noch viel gefährlicher werde es, wenn ein Radweg in beide Richtungen frei gegeben ist.
Drohungen von Autofahrern
"Auf der Fahrbahn kommt man als Radfahrer am komfortabelsten und sichersten voran", weiß Holst. "Und es freut uns schon, dass man auf diese Erkenntnis langsam ein bisschen eingeht."
Zu tun gebe es trotzdem noch viel, man sei daher auch in stetigem Kontakt mit der Stadt. "Wir werden weiter genau hinschauen und auf Missstände hinweisen", sagt Holst. Auch wenn das nicht jedem gefalle. "Ich erlebe es auch, dass ich von Autofahrern angehupt, ausgebremst und bedroht werde. Das ist nicht so witzig."

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