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Norddeutsche Rundschau

17. Oktober 2017 | 04:36 Uhr

Kirche : Spät zur Theologie gefunden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Anne Plagens aus Neustrelitz ist die neue Vikarin in der evangelischen Kirchengemeinde in Brunsbüttel.

von
erstellt am 03.Feb.2015 | 16:15 Uhr

Sie ist eine Späteinsteigerin: Erst als Jugendliche fand Anne Plagens ihre Berufung und ließ sich mit 20 taufen. Jetzt ist die heute 30-Jährige für die nächsten zweieinhalb Jahre Vikarin der evangelischen Kirchengemeinde in Brunsbüttel. Betreut wird sie dabei von Pastor Ingo Pohl. So soll sie langsam in die Gemeindearbeit hineinwachsen – und am Ende ihrer Ausbildungszeit den Pastor vertreten und eigenständig arbeiten.

Aufgewachsen ist Anne Plagens in Neustrelitz, studiert hat sie in Leipzig. Und nicht nur Theologie, sondern auch Französisch und Spanisch. Deshalb absolvierte sie sogar ein Auslandsjahr in Straßburg. Gewissermaßen ihre Berufsschule ist jetzt das Predigerseminar in Ratzeburg. Eigentlich, erzählt sie, habe sie sich früher nur schwer vorstellen können, aus Neustrelitz wegzugehen.

Brunsbüttel ist die Wahlheimat der Vikarin. Sie hat sich Ingo Pohl nach ersten Kontakten als begleitenden Pastor ausgesucht. In dieser Ausbildungsphase ist das möglich, als Pastorin zur Anstellung wird sie später von der Nordkirche eingesetzt, wo eine Pfarrstelle frei ist. Damit steht auch schon fest, dass die 30-Jährige den Brunsbüttelern nicht auf lange Sicht erhalten bleibt. Das, sagt Ingo Pohl, sei im Grunde auch gut: Die zukünftige Pastorin bleibe sonst für Viele einfach die Vikarin, werde womöglich oft nur als die Auszubildende gesehen. Das sei nicht gut.

Aber erstmal steht für die junge Frau die Schleusenstadt im Mittelpunkt. Ein erstes Urteil hat sich Anne Plagens bereits gebildet: „Ich fand Brunsbüttel von Anfang an schön.“ Natürlich sei das Wasser reizvoll. Lange Spaziergänge unternimmt sie daher auch mit ihrem Hund Kaschka am Deich. Und auch sonst ist sie viel zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs, um die Stadt für sich zu entdecken. Der Bogen von Industrie bis Landwirtschaft sei spannend. Anne Plagens wohnt in Brunsbüttel-Ort mit Blick auf die historische Jakobuskirche. Vom Mathias-Boje-Haus, das heute das Cafe zu alten Pastorat beherbergt, hat sie einen kurzen Weg zu ihrer ersten Wirkungsstätte in Brunsbüttel: Bis zu zu den Sommerferien ist sie an der Grundschule West tätig.

Danach wird sie schrittweise an die typischen Aufgaben, die mit einer Pfarrstelle verbunden sind, vertraut gemacht: Gottesdienste, Trauungen, Taufen, Beerdigungen. Auch ein gutes Stück Verwaltungsarbeit wird dazu gehören. Und natürlich Konfirmandenunterricht. Der, sagt Pastor Pohl, werde für Anne Plagens schon etwas ungewohnt sein: „Wir haben hier 70 Jugendliche. Wo sie aufgewachsen ist, sind es vier oder fünf.“ Ein Relikt der DDR-Zeit, in der die Jugendweihe dominierte und nicht die Konfirmation. Das erklärt auch Anne Plagens’ späten Einstieg in die Welt des christlichen Glaubens: „Ich hatte nie Reli-Unterricht.“ Über Jugendfreizeiten mit einer Freundin sei sie dazu gestoßen und habe sich ganz bewusst für diesen Weg entscheiden können: „Ich habe gemerkt, das spricht mich an.“ Ingo Pohl war schon nach den ersten Vorgesprächen für das Vikariat in Brunsbüttel überzeugt: „Sie brennt für diese Sache. Das merkt man.“ Anne Plagens beschreibt das so: „Ich versuche, Glauben zu leben.“

Jetzt will sie erstmal ihre Kirchengemeinde entdecken, die Menschen kennen lernen. Zugleich wird sie Ausschau halten nach einer Idee für ein Projekt, das sie während des Vikariats anschieben soll – und das möglichst dauerhafter Bestandteil der Gemeinde werden soll. Vielleicht ist Anne Plagens auch bald in der Brunsbütteler Akkordeongruppe zu hören. Seit einigen Monaten spielt sie das Instrument.

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