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Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 01:30 Uhr

„Soziales Engagement ist Alltag“

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Brunsbüttelerin Inga Mewes (17) besucht seit einem Jahr das norwegische Internat UWC Red Cross Nordic

Auf dem Weg zum Abitur zog es Inga Mewes im Sommer 2014 nach Norwegen. Ihre Erfahrungen am UWC Red Cross Nordic, einem Internat rund 150 Kilometer nördlich von Bergen, schildert die 17-jährige Brunsbüttelerin.

Frau Mewes, was hat Sie bewogen, an dieses Internat zu wechseln?
Inga Mewes: Einer der Hauptgründe war, dass es eine Schule für Idealisten und Querdenker ist. Sie gehört nämlich den United World Colleges an – einer Bildungsbewegung, die sich für Völkerverständigung, Frieden und Nachhaltigkeit einsetzt. Es hat mich gereizt, dass man an einem UWC nicht nur seine Englischkenntnisse verbessert und einen Einblick in ein anderes Land bekommt, sondern auch mit Schülern aus aller Welt zusammenlebt und Menschen unterschiedlichster Herkunft kennen lernen kann. Super fand ich auch, dass soziales Engagement wesentlicher Bestandteil des Alltags ist, da ich mir vorstellen kann, später in die Entwicklungshilfe zu gehen.

Wie haben Ihre Familie und Freunde reagiert?
Sie haben mich sehr unterstützt. Ich glaube, sie verstanden schnell, dass es mir nicht darum ging, mein gewohntes Umfeld zu verlassen, sondern darum, neue Erfahrungen zu sammeln und mich weiter zu entwickeln. Sie haben daher genauso auf die Entscheidung des Auswahlkomitees hingefiebert wie ich.

Würden Sie sich wieder so entscheiden?
Ja, auf jeden Fall! Natürlich ist es nicht immer einfach, Schule, Freunde, außerschulische Aktivitäten und Schlaf unter einen Hut zu bekommen, aber der Input, den wir hier bekommen, macht das wieder wett.

Bei Internat denkt man sofort an „Hanni & Nanni“…
Haha, ja, den einen oder anderen Streich haben wir auch gespielt… Das ist aber nicht der Alltag eines Internatsschülers. Viele, die mich gefragt haben, ob ich wirklich freiwillig auf ein Internat ginge, scheinen zudem zu glauben, dass wir kaum Freiheiten hätten. Wir werden eher wie Studenten behandelt. In einem Punkt stimme ich aber zu: dass man Freunde fürs Leben findet. Freunde sind es, die zu einem gewissen Grad die Familie ersetzen.

Was zeichnet das norwegische College aus?
Die Schwerpunkte sind Nordische Werte, Umwelt und Humanitäre Hilfe. Ich finde es toll, dass wir einen großen Anteil an Schülern aus Konfliktregionen haben, und dass wir viele Möglichkeiten haben, uns sozial zu engagieren. Am besten gefällt mir das Interagieren mit Patienten des benachbarten Reha-Zentrums – dort leite ich Yogastunden und gehe Schwimmen mit geistig behinderten Menschen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass wir direkt am Fjord und nahe hoher Gebirge wohnen. Dadurch sind viele Outdoor-Aktivitäten möglich – wie Kajak fahren oder Ski laufen.

Wo liegen die Unterschiede zum deutschen Schulsystem?
In allen UWCs wird das „International Baccalaureat Diploma“-Programm unterrichtet, das es einem ermöglicht, an so ziemlich jeder Universität weltweit zu studieren. Man wählt nur sechs Fächer, diese werden aber sehr tiefgründig behandelt. Großer Bestandteil ist das Schreiben von Aufsätzen und Bearbeiten von Langzeitprojekten. Das erfordert ein hohes Maß an Selbstdisziplin und -organisation.

Welche Erfahrungen möchten Sie nicht missen?
Da gibt es viele. Wenn ich eine aussuchen müsste, wäre es die Wahl für den Student Council – die Schülervertretung. Dazu muss man wissen, dass ich mich am Anfang nicht einmal traute, in Schulversammlungen eine Frage zu stellen. Ein Jahr danach – genauer gesagt im vergangenen Monat – habe ich eine Rede vor allen 100 Mitschülern gehalten, weil ich mich spontan für den Posten des Event- und Show-Managers aufstellen lassen hatte. Nach der Rede war es mir fast schon egal, ob ich gewählt werde. Ich war einfach stolz, dass ich mich getraut habe, meine „Komfort-Zone“ zu verlassen. Momente wie dieser zeigen mir, dass mehr in uns steckt als wir glauben.

In jüngster Zeit haben Sie sich mit der Organisation einer Internationalen Friedenskonferenz beschäftigt. Wie hat Außenminister Frank-Walter Steinmeier auf Ihre Bitte reagiert, eine Videobotschaft zu schicken?
Er hat sich gefreut, dass wir uns einem so wichtigen Thema widmen und hat sofort den Kontakt zum deutschen Botschafter in Norwegen, Dr. Axel Berg, hergestellt. Dieser hat mir eine persönliche Stellungnahme zu Deutschlands Position in Friedensfragen geschickt.

Zurück zur Schule: Nächstes Jahr schreiben Sie Abitur. Wie geht es danach weiter?
Zunächst möchte ich ein Gap Year machen. Durch Praktika, Jobben und Reisen hoffe ich, mehr Lebenserfahrung zu bekommen und eine Verschnaufpause zwischen Abitur und Studium zu haben. Danach würde ich gerne in Frankreich studieren – am liebsten an der „Sciences Po“.



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