Kernkraftgegner : Sorge vor dem nächsten GAU

Lieber heute als morgen würden die Kernkraftgegner die Abschaltung der Anlage in Brokdorf sehen.
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Lieber heute als morgen würden die Kernkraftgegner die Abschaltung der Anlage in Brokdorf sehen.

200 Kernkraftgegner erinnern vor dem Brokdorfer Reaktor an das Desaster in Tschernobyl vor 30 Jahren.

shz.de von
25. April 2016, 12:00 Uhr

Anlässlich des 30. Jahrestags der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl versammelten sich gestern knapp 200 Demonstranten vor dem Kernkraftwerk Brokdorf und forderten dessen sofortige Stilllegung. Zu der vierten, friedvollen Kundgebung inklusive einer Aktionsmeile mit Informations- und Imbissständen, hatten die BUND Kreisgruppe Steinburg, die Initiative Brokdorf akut und die Anti-Atombewegung Pinneberg sowie die IG Metall Unterelbe gemeinsam mit anderen Gruppierungen und politischen Parteien aufgerufen. Zum Bedauern der Veranstalter blieb die Zahl der Teilnehmer deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Karsten Hinrichsen (Brokdorf akut) kritisierte im Zuge der Eröffnung der Veranstaltung die Medien und Politik für deren öffentlichen Umgang mit dem Thema Kernenergie und Reaktorsicherheit. Willentlich und offensichtlich würden Falschmeldungen verbreitet und wichtige Informationen verschwiegen. Daher könne man sich weder auf die Wirtschaft noch auf die Politiker verlassen. „Wir stehen heute hier, doch wir müssen uns fragen, ob das die richtige Form des Wiederstandes ist“, äußerte Hinrichsen, der auch auf gerichtlichem Wege die Abschaltung des Kraftwerks Brokdorf noch vor dem gesetzlichen Abschalttermin erzwingen will.

Sowohl der Kernphysiker Heinz Smital von Greenpeace als auch Regina Ludewig vom Bundesverband Bürgerinitiative Umweltschutz (BBU) mahnten, dass die Folgen der Reaktorkatastrophe am Lenin-Kernkraftwerk in Tschernobyl noch heute deutlich spürbar sind. Die Nuklearkatastrophe von Fukushima hat zudem bewiesen, dass es im Bereich der Kerntechnik keine hundertprozentige Sicherheit gibt. „Wo werden wir den nächsten Super-GAU erleben?“, fragte Smital. Der Kernphysiker zeigte sich angesichts der Laufzeitverlängerungen für Atomanlagen in der Ukraine, der zunehmenden Zahl von Kernreaktoren in China sowie der Lage des Kernkraftwerks in Slowenien auf einer sich bewegenden Erdplatte äußerst besorgt.

„Es reicht nicht, wenn man die Kernkraftwerke in Deutschland schließen will, während die Urananreicherungsanlagen in Gronau weiterhin in vollem Betrieb ist und täglich Schiffe mit radioaktiver Fracht den Hamburger Hafen verlassen“, unterstrich Regina Ludewig die Notwendigkeit für weitere Protestaktionen wie die in Brokdorf.

Für das musikalische Rahmenprogramm sorgte eine afrikanische Trommelgruppe gemeinsam mit Olaf Plotz, der Kölner Liedermacher Gerd Schinkel sowie die Musikgruppe Pepperonie. Eine Vielzahl grüner und gelber Atomkraft-Nein-danke-Fahnen zierten die bunte Meile, an der auch die Grünen und die Linke mit Ständen vertreten waren und ihrerseits die sofortige Abschaltung des Kraftwerkes forderten.


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