Sorge um Zukunft des Industriegebiets

„Zenit überschritten“: Ortsbeirat der Südseite fühlt sich von Äußerungen des Wirtschaftsstaatssekretärs verunsichert

shz.de von
27. Mai 2015, 13:33 Uhr

Brunsbütteler Bürger sind verunsichert: Für leichte Irritationen sorgten Äußerungen von Frank Nägele, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Arbeit, Verkehr und Technologie des Landes Schleswig-Holsteins, die dieser kürzlich im Zuge seines Besuchs der Schleusenstadt tätigte. So wurden Anmerkungen Nägeles vereinzelt dahingehend gewertet, dass die Wertigkeit Brunsbüttels als Chemiestandort infrage gestellt wurde.

„Wissen Sie schon, was mit Bayer nach 2020 passiert, wenn die eingeräumte Standortsicherung ausläuft?“, erkundigte sich Günther Schweitzer (SPD) bei der Leiterin des Bauamtes, Astrid Gasse. Das bürgerliche Mitglied der SPD im Ortsbeirat Brunsbüttel Süd vermutete hier mögliche Zusammenhänge mit den Nägeles Aussagen. Der hatte im Zusammenhang mit den Planungen für den neben dem Elbehafen geplanten Vielzweckhafen im Januar gesagt: „Das Industriegebiet hat seinen Zenit überschritten.“ Die Chemie gelte nicht mehr als allein seelig machend, machte Nägele bei der Hauptausschuss-Sitzung in Brunsbüttel deutlich. Neue Schwerpunkte müssten her für Schleswig-Holsteins größtes Industrieareal.

„Brunsbüttel ist der größte Chemiestandort in Schleswig-Holstein und wir sind guter Dinge, dass dies so bleibt“, betonte Astrid Gasse am Dienstagabend im Ortsbeirat Brunsbüttel-Süd. Die Bauamtschefin vertrat kurzfristig Bürgermeister Stefan Mohrdieck, der gemeinsam mit Brunsbüttel Ports-Geschäftsführer Frank Schnabel nach Berlin gereist war, um dort die Werbetrommel für Brunsbüttel als Standort für einen Flüssiggas-Terminal zu rühren. Konkrete Informationen über die Entwicklung des ChemCoast Parks, die über das Jahr 2020 hinausgehen, lagen auch Gasse nicht vor. Die Leiterin des Brunsbütteler Bauamtes mahnte, in die missverständlichen Äußerungen Nägeles nicht zu viel hineinzuinterpretieren. Dem Wirtschaftsstaatssekretär sei es vielmehr ein Anliegen gewesen, auf die unterschiedlichen Möglichkeiten hinzuweisen, die der Wirtschaftsstandort Brunsbüttel potenziellen Investoren biete.

„Wir hegen derzeit die leise Hoffnung, dass wir vielleicht demnächst eine gute Nachricht verkünden können“, betonte derweilen der Ortsbeiratsvorsitzende Wilhelm Malerius (SPD). Ein Unternehmen, dessen Name derzeit noch nicht genannt werden dürfe, habe sich mit der Überlegung vorgestellt, sich in der Schleusenstadt anzusiedeln. Darüber hinaus laufen derzeit Planungen auf breiter Ebene, zu denen neben der Errichtung einer Vielzweckpier unter anderen das Erweiterungsprojekt des elektronischen Dienstleistungsunternehmens ESCD gehören, die den Wirtschaftsstandort Brunsbüttel weiter ausbauen und stärken würden – sofern sie wie geplant zur Umsetzung kommen.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen