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Norddeutsche Rundschau

23. August 2017 | 02:46 Uhr

Tourismus : Sorge um Jugendherberge

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Diskussion um Gemeinnützigkeit. Fachleute und Politiker diskutieren vor Ort in der Glückstädter Einrichtung

Einig waren sie sich alle – die Jugendherberge in Glückstadt ist ein Glücksfall. Nur die Konsequenzen aus der großen Politik sind ein Unsicherheitsfaktor. Denn als der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Ernst Dieter Rossmann aus Pinneberg die Einrichtung auf Einladung des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH) besuchte, um sich vor Ort ein Bild über Arbeit und Zukunft zu machen, geschah dies unter dem Eindruck des drohenden Verlustes von Vergünstigungen.

Nach Beschwerden bei der EU sind Gemeinnützigkeit und Steuerbefreiung sowie die Gewährung von Beihilfen für Baumaßnahmen bei Jugendherbergen gefährdet. Darüber zeigte sich Volker Lüchau, Vorsitzender des Kreisverbands Steinburg/Pinneberg, sehr besorgt. Grund der Sorge ist die Hostelkette „A&O“ aus Berlin von Betreiber Oliver Winter, die 25 Hostels und Hotels betreibt. Das Unternehmen sah sich benachteiligt, da sie Steuern bezahlen muss, während Jugendherbergen wegen ihrer Gemeinnützigkeit davon befreit sind. Dagegen klagte er bei der EU.

Etwas Entwarnung gab der SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Ernst Dieter Rossmann. „Für die Fördergelder kann ich die gute Nachricht überbringen. Die Jugendherbergen dürfen nach einer Stellungnahme der EU-Kommission weiter den Status der Gemeinnützigkeit behalten“, sagte er. „Das hat uns aber nur zur Hälfte gefreut, denn der zweite Teilaspekt, ob bauliche Subventionen als indirekte Beihilfe auch unter die Gemeinnützigkeit fallen, wurde noch nicht entschieden.“

Für Helmut Reichmann, Geschäftsführer DJH-Landesverband Nordmark, ist die Förderung aber notwendig. Den Bedarf des gesamten Landesverbandes Nordmark bis nach Niedersachsen hinein bezifferte er auf 44 Millionen Euro, der überwiegend in die Modernisierung fließen müsse, zumal die „Halbwertzeit“, zu der Gebäude noch baulich „up to date“ seien, sich deutlich von früher 35 Jahren auf heute noch zehn bis 15 Jahren verkürzt habe.

Als Beispiel für eine gelungene Jugendherberge wurde Glückstadt hervorgehoben. „Der Standort mit Hafenblick ist hoch attraktiv“, sagte Helmut Reichmann. Und Jugendherbergsleiter Jörg Schönberger konstatierte: „Wir befinden uns im Vergleich unter den Top Ten in Schleswig-Holstein.“ Dass ein derartiger Erfolg am Anfang nicht erkennbar und ein Risiko für die Betreiber war, darauf wies Harry Strößner aus dem DJH-Kreisverband hin. Auch die Vertreter Glückstadts stehen hinter der Jugendherberge. Bürgervorsteher Paul Roloff war beeindruckt: „Wenn es die schon in meiner Jugendzeit gegeben hätte, wäre ich mit dem Rad hergefahren, um hier zu übernachten. Sie schmückt Glückstadt – eine Perle an der Unterelbe.“

Betont wurde ebenso, dass in Glückstadt der Bau gefördert worden sei, der Betrieb nicht. Und man habe sich gleich für 50 Jahre an die Stadt gebunden. „Der Beschwerdeführer hätte das nie gemacht“, so Helmut Reichmann. Anstoß nahmen die DJH-Vertreter auch daran, dass auch der Aspekt der Ehrenamtlichkeit vom Hostelbetreiber nicht genannt werde.

Mit Blick auf all diese Entwicklungen sagte Dr. Ernst Dieter Rossmann: „Wir müssen der EU verdeutlichen, dass Investitionszuschüsse keine Wettbewerbsverzerrung sind, sondern dem Erhalt der Jugendbeihilfe dienen. Ich finde, wenn die EU populär bleiben soll, muss sie für die Menschen da sein und die Gemeinnützigkeit weiter pflegen.“ Er werde das auch weiterhin bei seinen Kollegen in der Politik ansprechen. „Wenn klar ist, dass es in Glückstadt weiter bauliche Unterstützung gibt, dann wäre schon ein ganz schönes Stück geschafft.“

Nachhaken wolle er in einem Schreiben an Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel und auch den jugendpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion, Sönke Rix, will er dazu informieren. „Ich werde ihn auffordern, weiter nachzuhaken, nicht nachzulassen, auch den zweiten Teil der Investitionszuschüsse zu sichern“, kündigte Rossmann an. „Und wenn ich im Sommer mit dem Fahrrad herkomme, weiß ich, dass es dafür einen Platz im Fahrradkeller gibt.“

 

 

 

 

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