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Norddeutsche Rundschau

18. August 2017 | 22:37 Uhr

Neue Lehrer : Sonnenblumen von der Ministerin

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Bildungsministerin Waltraud Wende begrüßt neue Lehrer an der Auguste-Viktoria-Schule persönlich. Eine Planstelle ist noch unbesetzt.

Leuchtende Sonnenblumen – es war ein Geschenk mit hohem Symbol-Charakter: „Mehr Licht als Schatten“ wünschte Bildungsministerin Prof. Dr. Waltraud Wende gestern Mittag an der Auguste-Viktoria-Schule (AVS). Das könnte auch auf ihre eigene Situation passen, nachdem die Staatsanwaltschaft gegen die Ministerin ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bestechung eingeleitet und gestern offenbar Privat- sowie Arbeitsräume durchsucht hatte. An der AVS galten die guten Wünsche allerdings den neuen Lehrern, die gestern an der Schule ihren ersten Tag hatten.

Claudia Mett (Biologie, Erdkunde) und Lena Bonnhoff (Mathematik, Französisch) treten ihren Dienst als Lehrer an, die Stelle von Annette Löbel (Mathe, Religion) wurde entfristet, und Franziska Lühr (Französisch, Geschichte) sowie Mert Iskin (Deutsch, Spanisch) sind als Referendare an Bord. „Freude und Erfolg bei Ihrer anspruchsvollen Tätigkeit“ wünschte Wende ihnen. Nicht nur in Itzehoe, sondern an Schulen quer durchs Land begrüßt sie die Mitarbeiter in diesen Tagen auf ihrer Werbe-Tour für die Bildungspolitik des Landes.

Mit den neuen Lehrern werde die Umsetzung der millionenschweren Anstrengung gegen den Unterrichtsausfall sichtbar, sagte Wende. So gebe es für den Kreis Steinburg schon in diesem Schuljahr 11,38 neue Stellen, davon 3,38 für Gymnasien, sieben für Gemeinschaftsschulen ohne Oberstufe und eine für Gemeinschaftsschulen mit Oberstufe. Im gesamten Land sollen es 728 neue Stellen bis zum Jahr 2017 sein.

Dabei deckt sich das Angebot allerdings nicht immer mit dem Bedarf. So musste an der AVS eine Planstelle unbesetzt bleiben, weil sich kein passender Bewerber mit der Fächerkombination Englisch/Sport fand. Das überraschte sowohl die Ministerin als auch Schulleiter Norbert Hartung: „Wir dachten eigentlich, dass für diese Kombination genügend Bewerber da sein sollten“, meinte er. „Die Stelle stand im Netz, man konnte sich deutschlandweit bewerben. „Wir dachten, dass wir durch die Ausschreibung mehr ranziehen könnten.“

Eine Ausnahme, bedauerte Wende. Fast 90 Prozent der Planstellen an Gymnasien und Gemeinschaftsschulen konnten besetzt werden. „Das hier ist leider eine von den zehn Prozent.“ Sie habe eher damit gerechnet, dass es bei Fächern wie Mathematik und Physik eng werden könnte.

Das Land wolle nicht nur Unterrichtsausfall bekämpfen, so Wende, sondern auch verhindern, dass gut ausgebildete Lehrer Schleswig-Holstein verlassen, weil sie hier keine Stelle finden. Umso mehr freute sie sich, dass es auch umgekehrt funktioniert. So wechselte beispielsweise Claudia Mett aus Niedersachsen an die Itzehoer Schule. Lena Bonnhoff dagegen kennt sich in der Schullandschaft der Stadt schon bestens aus: Sie hat am Sophie-Scholl-Gymnasium Abitur gemacht, an der Kaiser-Karl-Schule ihr Referendariat absolviert und startet nun an der AVS. Und auch für Franziska Lühr ist die Schule nicht neu: Sie hat an der AVS bereits als Aushilfskraft gearbeitet. Dass sie alle gerne an die Schule gekommen sind, zeigt für Norbert Hartung, dass es sich in Itzehoe gut aushalten lässt. „Nur die Kollegen, die aus Kiel zwischenfahren, versuchen irgendwann etwas in Kiel zu bekommen“, sagte er. Alle anderen blieben in der Regel gerne.

Auch ein paar Wünsche gaben die neuen Lehrer der Ministerin mit auf den Weg. „Dass die Wochenstundenzahlen nicht weiter hoch gehen“, hoffte Annette Löbel. Die Belastung sei hoch, denn zum Unterricht komme ja auch die Vor- und Nachbereitung. Es werde oft unterschätzt, dass Unterricht auch körperlich anstrengend sei, unterstrich Hartung. „Quereinsteiger springen deshalb oft wieder ab.“

Umso wichtiger sei es, dass man in der Ausbildung gut darauf vorbereitet werde, betonten die Neueinsteiger. Sie müsse eine „Brücke von der Theorie zur Praxis“ bauen, meinte Mert Iskin. Doch die Praxis komme noch zu kurz. Sie sei froh, schon als Vertretungslehrerin gearbeitet zu haben, weil im Studium die Praxis fehlt, unterstrich auch Franziska Lühr. Dass die von Wende hervorgehobenen Anstrengungen aus Kiel, das zu ändern, dabei in Itzehoe nicht zwingend ankommen, machte Norbert Hartung deutlich: „Inwieweit können Studenten aus Kiel für Praxisstunden nach Itzehoe kommen?“

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erstellt am 26.Aug.2014 | 05:00 Uhr

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