Energiewirtschaft : Solarstrom für 850 Haushalte

Unter ihnen Millionen Tonnen von Müll, von oben umweltfreundliche Sonnenenergie: Reiner Heselmeyer, Bernd-Alexander Sönnichsen, Anja Martens, Jens Rohde und Dr. Jürgen Ruge innmitten des zweiten Deponie-Solarparks.
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Unter ihnen Millionen Tonnen von Müll, von oben umweltfreundliche Sonnenenergie: Reiner Heselmeyer, Bernd-Alexander Sönnichsen, Anja Martens, Jens Rohde und Dr. Jürgen Ruge innmitten des zweiten Deponie-Solarparks.

Zweiter Sonnenernergiepark auf der ehemaligen Mülldeponie In Ecklak. Alle Akteure ziehen eine positive Startbilanz.

shz.de von
15. Juni 2014, 15:50 Uhr

Der 30. Mai war der beste Tag seit 2004. Da gab es klaren Himmel und kühlende Winde. Für Jens Rohde, der bereits so lange im Geschäft mit Solarenergie ist, die besten Voraussetzungen für eine gute Ernte. Die fährt der Landwirt jetzt auch auf der ehemaligen Mülldeponie für Steinburg und Dithmarschen in Ecklak ein. Allerdings muss er dafür nicht mehr mit Erntemaschinen anrücken, sondern nur einen Blick auf sein Display im heimischen Frestedt werfen. Mit einem Investitionsvolumen von rund 3,6 Millionen Euro ist hier seit Jahresbeginn eine zweite große Fläche mit Modulen zur Nutzung von Sonnenenergie bestückt worden.

Die Anlage war in einer rekordverdächtigen Bauzeit von nur vier Monaten auf dem bis zu 23 Meter hohen Abfallberg errichtet worden. „Die größte Herausforderung waren die Fundamente“, erklärt Bernd-Alexander Sönnichsen von der Meldorfer Firma Aldra Solar. Die genau 15 064 Solarmodule ruhen auf tausenden von Pfosten, die exakt 60 Zentimeter tief in den Boden geschraubt worden. Die Maße mussten deshalb genau eingehalten werden, damit die empfindliche Folie für die Abdichtung der Deponie nicht beschädigt wird.

Für Hausherr, Aufsteller und Investor ist die Deponie ein „idealer Standort“, findet auch Dr. Jürgen Ruge (Grüne) als Vorsitzender des Umweltausschusses des Steinburger Kreistages. Anlagen dieser Art und Größenordnung an einem solchen Standort böten eben keinerlei Konfliktpotential. Bei einem Ortstermin waren gestern alle Beteiligten voll des Lobes. Deponiechef Reiner Heselmeyer würdigte die reibungslose Montage der Anlage, die neue Leiterin der Abteilung Abfallwirtschaft bei der Steinburger Kreisverwaltung, Anja Martens, freute sich über eine – wenn auch vergleichsweise bescheidene – Pachteinnahme und Investor Jens Rohde findet, dass die von Aldra Solar eingesetzten Module ausgesprochen wenig anfällig seien. Tatsächlich kann nicht einmal Schmutz die Energieernte groß beieinträchtigen. Wind und Regen halten die auf einer Fläche von rund sechs Hektar installierte Anlage sauber.

„Die Module haben eine Lebenserwartung von 25 bis 30 Jahren“, sagt Sönnichsen, der sich freut, überhaupt noch einen guten Standort für den Solarpark gefunden zu haben. Genehmigt werden solche Anlagen in der Regel nur noch entlang von Autobahnen und Bahnstrecken oder auf ausgedienten Industrieflächen oder eben auf einstigen Mülldeponien. Aber auch hier nicht immer: Im wenige Kilometer entfernten Groß Kampen war ebenfalls ein Solarpark geplant, der dann aber am Einspruch der Denkmalschützer scheiterte.

Was Solarparks für Investoren interessant macht, ist laut Sönnichsen vor allem auch deren Unempfindlichkeit. „Es gibt ja keinerlei bewegliche Teile.“ Und die Funktionsfähigkeit der insgesamt 140 Wechselrichter und der fünf Transformatoren, die den Strom von 400 auf 20 000 Volt für die Einspeisung ins Netz aufbereiten, lassen sich per Fernüberwachung im Auge behalten.

„Ganz ohne Risiko ist eine solche Investition natürlich auch nicht“, versichert Landwirt Jens Rohde, der die Anlage gemeinsam mit einem Partner betreibt. Die Finanzierung ist auf 20 Jahre ausgelegt. „Man weiß aber ja nie, was sich die Politik in dieser Zeit alles einfallen lässt.“ Bis dahin hofft er auf einen jährlich Stromertrag von im Schnitt knapp drei Millionen Kilowattstunden. Damit ließen sich 850 Haushalte versorgen.

Die Einnahmen hätte auch der Kreis gerne gehabt. Der öffentlichen Hand waren gewinnbringende Unternehmungen allerdings untersagt. Dabei stammt die Idee für einen Solarpark auf dem Müll sogar von einem Deponie-Mitarbeiter. „Im Zuge der Diskussion um die Kohlekraftwerke hatte mein Kollege Bernd Petersen den Vorschlag gemacht“, erinnert Heselmeyer.

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