Jahrmärkte : „Solange es Kinder gibt, gibt’s Karussells“

Immer gerne in Wilster: die Schausteller Wolfgang Lange (l.) und Thomas Schaar.
Immer gerne in Wilster: die Schausteller Wolfgang Lange (l.) und Thomas Schaar.

Zwei Schausteller zur Zukunft ihrer Branche und zum Standort Wilster.

shz.de von
18. Juli 2018, 06:18 Uhr

Fünf Tage Jahrmarkt in Wilster sind vorbei, die meisten Schausteller längst auf dem Weg nach Süderbrarup oder gleich in Richtung Hamburger Dom. Für sie ist in den Sommermonaten Hochsaison. Und wie fällt ihre Bilanz nach der Traditionsveranstaltung in der Wilstermarsch aus? Wir sprachen mit den Schaustellern Thomas Schaar (kleine Scheune) und Wolfgang Lange (Kinder-Achterbahn) über die Sorgen und Nöte der Branche, den Standort Wilster und die Aussichten für die Zukunft.

Der Jahrmarkt 2018 ist gelaufen. Wie fällt die Bilanz der Schausteller aus?

Schaar: Mittelprächtig bis gut.

Lange: Ernst, aber nicht hoffnungslos.

Woran hat es gelegen?

Lange: Das Wetter war einfach zu gut.

Was wäre denn das optimale Wetter?

Schaar: Nicht zu warm und bedeckter Himmel. Am besten vormittags noch ein bisschen Regen. Es gab in diesem Jahr aber auch sehr viele Konkurrenzveranstaltungen zum Beispiel in Itzehoe. Und dann natürlich das WM-Endspiel am Sonntag.

Lange: Und in Vaale war auch noch ein großes Motorradtreffen. Vielleicht sollten sich die Veranstalter in der Region besser abstimmen.

Der Jahrmarkt ist immer ja auch ein Wirtschaftsfaktor. Wieviele Leute sind hier eigentlich beschäftigt?

Lange: Gut 250 werden es wohl sein. Meistens ist bei uns die ganze Familie im Einsatz. Und dann kommen natürlich einige Saisonkräfte dazu.

Schaar: Auch für Wilster ist es ja gut. Der Jahrmarkt bringt mit den Besuchern Kaufkraft in die Stadt. Auch viele von uns gehen hier einkaufen.

Ist Wilster bei den Schaustellern eigentlich besonders beliebt?

Schaar: Viele von uns sind schon seit Jahrzehnten hier. Da hat manches auch Tradition. Ich habe früher immer gerne bei Stücker Buttermilchsuppe gegessen. Das fehlt mir heute ein bisschen.

Lange: Und früher gab es hier auch noch das Café Egge. Aber jetzt ist ja Melanie (die Eisdiele- d.Red.) da. Die ist auch gut.

Schaar: Nächstes Jahr wollen wir auch das Boßeln zwischen Schaustellern und Mitarbeitern der Verwaltung wieder aufleben lassen. Wo ist eigentlich der Pokal?

Marktmeister Lars Bleker: Der steht noch in der Verwaltung.

Schaar: Schnell sicherstellen.

Wie hat sich mit den Jahren der Jahrmarkt verändert?

Schaar: Das war lange Zeit der soziale Treffpunkt. Unser größter Feind ist heute das Handy. Die Leute müssen sich ja nicht mehr unbedingt an einem bestimmten Ort treffen. Früher musste man dafür eben noch hier herkommen. Aber wir haben noch immer sehr viel Stammpublikum.

Lange: Auch bei den Schaustellern gibt es ja einen festen Stamm. Darauf kann sich der Marktmeister verlassen. Wir müssen eben immer auch was Neues anbieten. Das honoriert das Publikum dann auch.

Um die Zukunft ist Ihnen also nicht bange?

Lange: Solange es Kinder gibt, gibt’s auch Karussells. Manches hat sich im Laufe der Zeit aber natürlich auch gewandelt. So haben wir in Schleswig-Holstein heute noch ganze zwei Schießbuden. Die Jugendlichen haben so etwas heute ja alles Zuhauses auf dem Computer.

Und wie sieht es mit dem Nachwuchs aus den eigenen Reihen aus?

Schaar: 90, eher sogar 95 Prozent unserer Kinder und Enkel bleiben dabei.

Lange: Ich bin ja schon die 5. Generation. Da kommt man nicht von weg. Und: Wir sind alle Idealisten.

Es war schon diskutiert worden, ob man den Jahrmarkt 2019 noch einmal auf ein anderes Wochenende schieben muss. Steht der Termin jetzt schon fest?

Bleker: Der Termin steht: 12. bis 16. Juli 2019.

Schaar: Wir kommen nächstes Jahr wieder. Und dann sehen wir weiter.

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