zur Navigation springen
Norddeutsche Rundschau

24. Oktober 2017 | 11:58 Uhr

Hobby : Sogar Dackel Joschi liebt Treckertouren

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Wie der Sommerländer Jürgen Krohn zu seinem rostigen Hobby kam. 70-Jähriger freut sich schon jetzt wieder auf Ausfahrten im Frühling.

shz.de von
erstellt am 29.Okt.2014 | 16:59 Uhr

Der Sommerländer Jürgen Krohn besitzt zwei Oldtimer Trecker, die er in jahrelanger Arbeit zu wahren Schmuckstücken restauriert hat.

Angesteckt mit seiner großen Leidenschaft wurde er von seinem Schwager, der bereits einen Oldtimer Trecker besaß. „Es kam die Erinnerung an meine Kindheit wieder hoch. Mein Großvater bewirtschaftete einen Bauernhof und regelmäßig kam ein Jungunternehmer mit seinem Trecker und Dreschkasten“, schwärmt der 70-Jährige, der in der Gemeinde Hungriger Wolf aufgewachsen ist. Bei seinem ersten Oldtimertreffen in Brokstedt war es um ihn geschehen, er wollte unbedingt auch einen Oldtimer besitzen und kaufte sich 1982 einen Lanz D4016 mit Volldieselmotor und 40 PS. Der Trecker, Baujahr 1957, ist der letzte aus dieser Entwicklung.

Es dauerte zwei Jahre bis der gelernte Schmied den Oldtimer repariert hatte. Angemeldet wurde er aber erst 1997, da Jürgen Krohn den Oldtimer ursprünglich verkaufen wollte, um sich dann einen Glühkopfbulldog zuzulegen. Den Verkauf verhinderte seine Ehefrau Karin (67), die miterlebte, wie viel Zeit und Liebe ihr Mann in diesen Trecker gesteckt hatte. Ein zweiter Trecker, ein schrottreifer Lanz 3506 mit 20 PS, wurde somit dazu gekauft. Die Teile für den Oldtimer Baujahr 1951, der der letzte seines Typs ist, erkämpfte Jürgen Krohn sich hart auf dem Schrottplatz. Seine Frau und sein Sohn Andreas (44), den er mit seiner Leidenschaft angesteckt hat, halfen ihm dabei an die Ersatzteile zu gelangen. „Manchmal war es richtig gefährlich, da ich die Teile, die ich benötigte, selbst oben auf dem Schrottberg abbauen musste“, erinnert sich Jürgen Krohn, der auf seinen komplett selbst restaurierten Glühkopfbulldog, der mit Rohöl und Diesel läuft, sehr stolz ist.

Vier Jahre dauerte es, bis der Trecker fertig restauriert war und endlich 1988 angemeldet werden konnte. Bis zu zehn Ausfahrten unternimmt er mit dem Oldtimer pro Jahr und auch sein Rauhaardackel Joschi kann es kaum erwarten ,wenn es los geht. Sobald der Rentner seinen Trecker anheizt, will Joschi mitfahren.

Auf einer Fahrt nach Bremen wurde Jürgen Krohn von einem Autofahrer überholt, der dann plötzlich mit einer Kamera im Feld stand und Fotos vom Trecker machte. „Der Autofahrer begleitete mich eine ganze Strecke. Immer wieder überholte er, um immer wieder Fotos zu schießen“, sagt Jürgen Krohn, der 35 Jahre als Schlosser bei der Firma Affeldt in Neuendorf arbeitete und jetzt als Rentner viel Zeit für seine Hobbies hat.

Neben den Oldtimer-Treckern liebt er auch seine LGB Modelleisenbahn, die er jedes Jahr im Sommer im Garten aufbaut. Aber lieber sitzt er natürlich selbst hinter dem Steuer seiner beiden Oldtimer. Die längste Strecke, die er bis jetzt mit seinem Lanz 3506 gefahren ist, war 1997 bis Alt Schwerin am Plauer See. Dort wurde er von der Polizei gestoppt. Aber zum Glück interessierten sich die beiden Beamten nicht für seine Papiere, die er versehentlich vergessen hatte, sondern sie wollten sich gerne den Trecker anschauen. „Ich habe den Polizisten alles gezeigt und erklärt, und ich musste den Trecker sogar ausmachen und noch einmal neu anheizen“, lacht der Sommerländer, der seinen Oldtimer auch fünf Jahre lang als Transportmittel nutzte, um Baumaterialien zu transportieren. „Mein Sohn Andreas begann 1992 mit der Restauration seines Hauses und wir lagerten die Baumaterialien bei uns in Siethwende. Nach und nach habe ich das Material mit meinem Glühkopfbulldog nach Krempe gefahren und den Bauschrott gleich wieder mitgenommen“, erzählt Jürgen Krohn, der aber auch mit seinem Lanz D4016 ein schönes Erlebnis hatte.

Im vergangenen Jahr verirrte sich ein Viehtransporter versehentlich in die Sackgasse im Sommerländer Ortsteil Siethwende. „Alleine wäre der Lkw-Fahrer nicht mehr aus der Straße herausgekommen. Aber er war skeptisch, ob mein Trecker es schafft seinen Anhänger, der mit 50 Schweinen beladen war, zu ziehen“, erzählt Jürgen Krohn, den es freut, dass er den Fahrer problemlos aus seiner misslichen Lage befreien konnte.

Zum Fachsimpeln trifft er sich einmal im Monat mit Gleichgesinnten beim Sommerländer Treckertreffen, das im Juni 2013 gegründet wurde. Mittlerweile gibt es zehn Mitglieder, die gemeinsam viele Ausflüge mit ihren Oldtimern unternehmen. „Ich habe für beide Trecker ein Saisonkennzeichen und somit darf ich erst wieder ab April auf Deutschlands Straßen unterwegs sein“, erklärt Jürgen Krohn, der sich jetzt schon auf seine nächste Tour im Frühling freut.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen