So witzig ist die deutsche Justiz

Jugendrichter und Karikaturist Tim Oliver Feicke.  Foto: planer
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Jugendrichter und Karikaturist Tim Oliver Feicke. Foto: planer

Elmshorner Jugendrichter veröffentlicht Buch mit Justiz-Cartoons und kuriosen Aktenausschnitten / Ab 1. März Ausstellung im Landgericht Itzehoe

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29. Februar 2012, 07:09 Uhr

Elmshorn | Tagein tagaus kämpfen Elmshorns Juristen mit aufmüpfigen Angeklagten, sperrigen Klauseln und etlichen Vorurteilen - etwa, dass der Job mit dem Gesetz trocken und langweilig sei. Tim Oliver Feicke, Jugendrichter am Elmshorner Amtsgericht, will dagegenhalten. Er will zeigen, wie witzig Jura sein kann. Dafür zeichnet Feicke Karikaturen, in denen er seinen Berufsstand, kuriose Situationen und ungewöhnliche Vorfälle aufgreift.

Um Inspirationen ist Feicke nie verlegen - schließlich sitzt er als Richter nun einmal an der Quelle. Etwa, wenn er sich auf eine Verhandlung vorbereitet. "Einiges finde ich dann zufällig beim Tauchen in den Akten. Das passiert beim Lesen ganz automatisch", sagt Feicke. In den Aktenbergen fänden sich nicht selten schräge Formulierungen oder verhängnisvolle Schreibfehler. Auch in seinen Verhandlungen gebe es immer wieder Situationskomik, so der Richter. Natürlich bleibt es dann bei der durchaus ernstzunehmenden Situation im Gerichtssaal, doch nach Dienstschluss können falsche Formulierungen oder kaum ernstzunehmende Aussagen schon einmal als Inspiration für eine Karikatur herhalten. Nur: "Ich mache Witze über die Situationen oder Berufe, aber nicht über die Parteien an sich", betont Feicke.

Bei der Suche nach kuriosem Material unterstützen ihn seine Kollegen übrigens tatkräftig: "Ich bekomme E-Mails von Kollegen aus ganz Deutschland." Er selbst sei seit sieben Jahren am Sammeln. Mittlerweile bezeichnet sich Feicke auch als "Humor-Archivar" - und tatsächlich: Gut verwahrt im Schrank seines Dienstzimmers stapeln sich die Aktenperlen. Unter ihnen sind auch einige Schätze aus den 20er Jahren - denn auch damals schon wurde nicht immer sauber formuliert. "Viele Juristen wollen sich besonders vornehm oder eloquent ausdrücken", begründet Feicke - doch dabei würden sie sich gerne einmal in ihren eigenen Sätzen verlaufen.

Wie witzig Jura also sein kann, bewies Feicke mit seinem ersten Buch, "Komme nicht zum Termin, bin in Südsee", in dem er erstmals Karikaturen und Aktenperlen zusammenfasste. Es sollte sich als wahrer Renner entpuppen: "Ich habe etwa 1600 Exemplare verkauft", sagt der Richter. Eine stolze Zahl, für einen Titel, der bei Books on Demand erschienen ist, also nur dann gedruckt wird, wenn ihn tatsächlich jemand kaufen will.

Feickes Talent wurde längst erkannt. Mittlerweile zeichnet er für drei Fachzeitschriften Karikaturen, auch zum deutschen Cartoonpreis des Carlsen Verlages sowie zum Deutschen Karikaturpreis wurde er eingeladen. "Mit den Großen bei einer Veranstaltung zu sein ist schon Wahnsinn", sagt der bekennende Cartoon-Fan. Auch wenn er bei den Verleihungen leer ausging - "es war eine riesige Ehre", sagt Feicke.

In Sachen Justizcartoons legt er jetzt nach. Der zweite Sammelband "Haben Sie nichts besseres zu tun?" ist erschienen - mit neuen Karikaturen, schrägen Stilblüten und antiquierten wie frischen Anekdoten aus deutschen Gerichtssälen. Ganz passend übrigens zum 75-jährigen Bestehen des Landgerichts Itzehoe, das am Donnerstag, 1. März, gefeiert wird. Bei der Gelegenheit sollen auch Tim Oliver Feickes Werke präsentiert werden. Der Richter wird mehr als 50 Blätter mit seinen schönsten Justiz-Cartoons im Landgericht zeigen und für 20 Euro das Stück auch einige Blätter verkaufen. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr, der Eintritt ist frei. Wer die Werke des Zeichners sehen will, hat allerdings auch noch bis in den Spätsommer hinein Zeit dazu.

Sein neues Werk ist über den Internethändler Amazon oder bei der Buchhandlung Heymann für 7,80 Euro zu beziehen. Auch das Erstlingswerk gibt es dort.

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