zur Navigation springen

Itzehoe : So soll die Stadt radlerfreundlich werden

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Experten haben Maßnahmen vorgestellt, mit denen die Stadt mehr für Radfahrer tun kann.

von
erstellt am 04.Nov.2014 | 05:00 Uhr

Die Stadt soll für Radfahrer attraktiver werden – deshalb wird derzeit an einem Masterplan Radverkehr gearbeitet. Erste Ergebnisse der Bestandsaufnahme und einer Radler-Befragung wurden bereits vorgestellt (wir berichteten). Jetzt stellten Stefan Luft vom Lübecker Büro Urbanus und Annika Wittkowski vom Büro PGV aus Hannover im Stadtentwicklungsausschuss Maßnahmen vor, die sie kurzfristig für empfehlenswert halten.

Die größten Probleme seien, dass Radfahrer nicht im Sichtfeld des Autoverkehrs wären. Dazu käme, dass die Streckenführung unübersichtlich sei, was durch abgefahrene Markierungen noch verstärkt werde, so Luft. Drei der sechs Hauptachsen in der Stadt hatten die Planer herausgepickt, um zu zeigen, wie diese Probleme gelöst werden könnten.

> Achse 1 – Über Alte Landstraße, Juliengardeweg und Brunnenstraße zum Berliner Platz: Die Alte Landstraße habe beidseitig Radwege, deren Benutzungspflicht aber bereits aufgehoben wurde, erklärte Annika Wittkowski. Zum Glück – denn sie seien größtenteils in schlechtem Zustand und zu schmal, so dass es immer wieder zu Konflikten mit Fußgängern komme. Angedacht ist, einen Schutzstreifen für Radfahrer auf der Fahrbahn aufzubringen, allerdings müsse noch diskutiert werden, auf welcher Seite. Am Ostlandplatz ist an der Ampel eine Radfahr-Zone vorgesehen, auf der die Radler stehen und sich somit vor die wartenden Autos setzen können. „Das erleichtert das Linksabbiegen deutlich“, betonte Wittkowski. Schwieriger sei die Situation am Knotenpunkt Langer Peter – dort sei auf jeden Fall ein Eingriff in die Signalisierung nötig. Die Kosten werden auf 95 000 Euro geschätzt, von denen die Planer gerne 35 000 für kurzfristige Lösungen schon für 2015 bereitgestellt wüssten.

> Wellenkamper Achse: Im Kamper Weg soll die Fahrbahnnutzung durch Radfahrer weiter forciert werden. Auch dort ist ein einseitiger Schutzstreifen vorgesehen. Man wolle Autofahrern das Signal geben: „Hier sind Radfahrer auf der Fahrbahn, die müssen beachtet werden.“ Auch das Dauerbrenner-Thema der Wellenkamper Unterführung würden die Planer gerne anpacken und Radfahrer durch den Autotunnel fahren lassen. Auch dort ist – in Verbindung mit einer Tempo-Drosselung auf 30 Kilometer pro Stunde für Autos – ein Schutzstreifen vorgesehen. Stefan Luft könnte sich das Ganze auch als Probebetrieb vorstellen. Es berge durchaus Konfliktpotenzial, „aber wir sind optimistisch, dass es funktioniert“. Außerdem müsse eine weitere Querungsmöglichkeit für die Straße Vor dem Delftor geschaffen werden, betonte Annika Wittkowski. Geschätzte Kosten: 336 000 Euro, davon 61 000 im Jahr 2015.

> Achse 2 – Über Schenefelder Chaussee/Edendorfer Straße und Lindenstraße zur Innenstadt: Auf dieser stark befahrenen Achse gebe es großen Handlungsbedarf, sagte die Planerin. Im nördlichen Abschnitt sei es nicht so dringlich, aber in der Lindenstraße seien die Radwege sehr schlecht. Man könne dort auf Parkplätze verzichten und dafür Rad-Schutzstreifen einrichten. Am Knotenpunkt Lindenstraße/Grunerstraße sollen analog zum Ostlandplatz an der Ampel Zonen eingerichtet werden, in denen Radler vor die Autos fahren können. Wenig Spielraum gebe es zwischen Grunerstraße und Dithmarscher Platz. „Dort muss der Verkehr durch andere Maßnahmen reduziert werden“, sagte die Planerin.

Auf einige Vorschläge reagierte die Politik skeptisch. „Im Kamper Weg stehen viele parkende Autos, drohen den Anwohnern Halteverbote?“, fragte Heinz Köhnke (CDU). Die Antwort: Ja. „Parken am Fahrbahnrand ist nicht zwigend erforderlich“, sagte Annika Wittkowski. Allerdings würde der Streifen nur einseitig eingerichtet, so dass gegenüber Parkmöglichkeiten blieben. Auch die Querung Vor dem Delftor sowie die Öffnung des Tunnels für Radler kam nicht bei allen gut an.

In der Fahrradkommission sei alles intensiv diskutiert worden, sagte Joachim Leve (IBF). Es gebe langfristige Ziele, die sehr teuer sind. Aber an vielen Punkten könne auch mit wenig Aufwand eine große Verbesserung für die Radfahrer erreicht werden. „Es ist wichtig, dass ein Signal gesetzt wird“, unterstrich Stefan Luft. Der vollständige Masterplan soll im Februar vorgelegt werden.

Und dann wird es wohl noch etwas Überzeugungsarbeit brauchen. Denn Helmut Wrage (SPD) sprach wohl vielen aus dem Herzen: „Als Radfahrer begrüße ich das alles sehr, aber ich bin auch Autofahrer“, sagte er. Und die gezeigten Maßnahmen gingen alle zu Lasten der Autofahrer. „Aber die gehören auch zum Verkehr.“

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen