zur Navigation springen

„So lonely“ – eine sehenswerte Beziehungskiste

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Er, 15 Jahre alt, möchte seinen Liebeskummer heilen. Denn „Er“ ist so einsam, „Sie“ hat ihn verlassen. Mit dem klassischen Satz „Wir müssen miteinander reden!“. Und als sie miteinander reden, brechen seine letzten Illusionen zusammen. Er denkt sogar an Selbstmord. Die deutsche Grammatik, die ihnen immer als Vorwand für ihre liebevollen Treffen diente, entpuppt sich nun als Zeichen ihrer Entfremdung. Sie hatte Deutsch gelernt, weil sie einen deutschen Jungen liebt, aber eben nicht ihn.

„So lonely“ betitelte der schwedische Autor Per Nilsson die deutsche Übersetzung seines Romans, der 1997 den Deutschen Jugendliteraturpreis erhielt. Seither hat sich dieser Roman zu einer Fast-Pflichtlektüre entwickelt. Nilsson spricht die daueraktuellen Themen echter Pubertät an: das entflammende Verliebtsein, den ersten Kuss, das viel umschriebene „erste Mal“, den Weltuntergangsschmerz der ersten Trennung.

Dass Per Nilsson dabei Brosamen für die intertextuell bewanderten Deutschlehrer abfallen lässt, die sich an Goethes Werther erinnert fühlen, wird in der Inszenierung der Burghofbühne Dinslaken ausgeklammert. Die blickt schwerpunktmäßig auf die sich sanft und witzig entwickelnde Liebesgeschichte. Das Sensible, das Zärtliche im Gewand des ironisch gebrochenen Coolen stehen hier im Vordergrund. Genau das fesselt gestern das schulische Publikum im voll besetzten kleinen Saal. Mehr als zwei Schulstunden lang!

Hier gelingt der Inszenierung (Regie: Mirko Schombert), was sonst selten gut geht: einen epischen Text zu dramatisieren. Wie der Roman wechselt das Geschehen zwischen dem Hier und Jetzt einerseits und den leidvollen Rückblicken andererseits hin und her. „Er“ trennt sich dabei von den Requisiten seiner unerfüllten Liebe. Deren Stationen lässt „Er“ wie in einem Kopfkino noch einmal Revue passieren. Ist er von seinem Liebeskummer geheilt? Roman und Inszenierung lassen das offen. Als sie ihn anruft – sie wollen „gute Freunde“ bleiben –, hebt er nicht mehr ab, dabei aber sein „Ich liebe dich!“ stammelnd.

Das Verdienst der beiden Schauspieler Benedikt Thönes und Lara Christine Schmidt liegt vor allem in der Kunst, die Waage zwischen Freude und Leiden zu halten. Da ist nichts peinlich oder unfreiwillig komisch. Das pubertäre Publikum nimmt den beiden Künstlern die gescheiterte Beziehungskiste ab. Eine sehr sehenswerte Inszenierung mit vielen Anstößen für weitergehende Reflexionen!

zur Startseite
Karte

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert