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Norddeutsche Rundschau

21. Oktober 2017 | 15:12 Uhr

Geregelt : So läuft der Verkehr in Itzehoe

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Stadt bekommt für 250 000 Euro einen neuen Verkehrsrechner – und ersetzt das 22 Jahre alte Modell.

shz.de von
erstellt am 17.Jan.2016 | 08:00 Uhr

Wenn Bernd Voss aus dem Fenster seines Büros schaut, kann er sehen, wie der Verkehr über die Schumacherallee rollt. Er weiß aber auch, wie es an den meisten anderen Ampeln in Itzehoe aussieht, denn in seinem Büro im Rathaus steht der Verkehrsrechner der Stadt. Doch an diesem Tag fehlt Voss der Durchblick, der Rechner ist ausgefallen. „So langsam bekommt er Macken“, sagt Voss. Denn das Gerät ist 22 Jahre alt – und die Stadt will für 250  000 Euro den Computer, Software und Steuerungsgeräte an den Ampeln erneuern. „Manche haben mich gefragt, ob das nötig ist“, sagt Bodo Schmedtje, Leiter der Tiefbauabteilung. „Ich sage dann immer, dass das wie bei einem alten Mercedes ist, der eine Million Kilometer gelaufen ist: Der kann noch ein Jahr halten – aber irgendwann ist er halt hin.“

Von dem neuen Rechner erhofft sich Schmedtje eine bessere Lenkung der Verkehrsströme. Mit neuer Software könne die Verwaltung schneller reagieren, wenn Umleitungen nötig sind. „Jetzt ist das Umstellen relativ umständlich – die Technik hat sich in den vergangenen Jahren erheblich weiterentwickelt“, sagt Voss. Auch könne die Stadt bei Neuanschaffungen immer nur eine Ampel kaufen, die mit dem Rechner kompatibel ist. „Bei dem neuen Modell können wir freier wählen.“

Die 40 Ampeln, die jetzt an den Rechner angeschlossen sind, sind aufeinander abgestimmt – zumindest auf den vier Hauptachsen: die Bundesstraßen 77 und 206, die Edendorfer Straße/Schenefelder Chaussee und die Schumacherallee bis zum Coriansberg. Voss spricht nicht gern von der grünen Welle, aber: „Wenn der Verkehr normal läuft, sind die Ampeln so abgestimmt, dass man in einem Rutsch durchkommen soll.“

Wenn es zu Komplikationen kommt, rattert in Voss’ Büro ein Nadeldrucker, der dokumentiert, wo etwa eine Ampel ausgefallen ist. Dazu kann er auf einem Bildschirm sehen, wann welche Ampel wie geschaltet ist. „Und wir haben an vielen Anlagen Induktionsschleifen, die die Autos zählen, die darüber fahren. Wenn an einer Stelle besonders viel los ist, kann der Rechner die Grünphase automatisch verlängern.“ Allerdings sei die Phase zwischen zwei Rot-Perioden auf 90 Sekunden beschränkt. „Nur wenn die Autobahn gesperrt ist, können wir den Takt an den Anlagen an der Adenauerallee und der Konsul-Rühmann-Straße auf 120 Sekunden ausweiten, damit es in der Stadt nicht zum Stau-Chaos kommt.“ Die Daten der Anlage können auch später ausgewertet werden, etwa wenn die Polizei nach Unfällen wissen will, wann eine Ampel auf Rot stand.

All das sei auch mit der neuen Anlage möglich. „Es gibt sogar solche, die erkennen, wie viele Handys an einem Punkt eingeloggt sind. Dann kann man auch noch genauer die Personenzahl sehen, die in Autos und Bussen sitzen oder zu Fuß unterwegs sind“, sagt Schmedtje. „Das ist der helle Wahnsinn, was man damit alles messen kann.“ Ob eine solche Anlage auch in Itzehoe installiert werde, sei noch nicht raus. „Vielleicht gibt es auch nur einen neuen Rechner und ein gutes Update“, sagt Voss. Allerdings müsse die Stadt auch die Steuerungsgeräte an den Ampeln nach und nach erneuern. „Manche stammen noch aus den 80er Jahren“, sagt Schmedtje. Und ein Steuergerät koste schon an die 4000 Euro. Die neuen könnten besser geschaltet werden, so dass die Stadt ein paar Kabelstränge sparen wird.

Bernd Voss freut sich jedenfalls schon auf den neuen Verkehrsrechner. Und der alte? Voss grinst und sagt: „Vielleicht kann die Stadt den ja noch irgendeinem Museum vermachen.“

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