Interview zu Smartphones : Smartphone-Nutzung: klare Regeln sind das A & O

Ohne Smartphone geht bei vielen Jugendlichen nichts mehr.
Ohne Smartphone geht bei vielen Jugendlichen nichts mehr.

Pädagogin Lisann Ziegler vom Kreisgesundheitsamt in Itzehoe erklärt im Interview mit der Norddeutschen Rundschau, wann Smartphone-Nutzung bei Kindern und Jugendlichen zum Problem wird und was Eltern tun können.

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04. Januar 2018, 05:00 Uhr

Frau Ziegler, der Nachwuchs und das Smartphone – verdient dieses Thema das Etikett „Problem“?

Ziegler: Zumindest nicht aus Sicht der Jugendlichen. Aufgrund ihrer Entwicklungsaufgaben haben sie bestimmte Sachen im Blick: Sie müssen Identität ausbilden, Kontakte zum anderen Geschlecht aufbauen – da ist das Handy natürlich ideal. Gerade wenn man schüchtern ist, kommt man da ins „Gespräch“. Problematisch wird es aus Sicht der Eltern wahrgenommen, weil sie das Gefühl haben, das Kind ist nur noch am Handy. Da bin ich aber unsicher, ob es nicht vorher ähnlich war, dass Kinder abgetaucht sind, bloß nicht so offensichtlich wie heute.

Wie sehr ist das in Ihrer täglichen Arbeit Thema?

Wir haben auf Wunsch der Lehrkräfte die Internetsucht mit ins Programm genommen, in den vergangenen Jahren immer für die siebten Klassen und in diesem Jahr erstmalig für die Grundschulen. Viele Eltern warten mit dem Handy nicht mehr auf den Wechsel zur weiterführenden Schule. Schlimmstenfalls in der ersten Klasse, aber spätestens in der vierten Klasse hat ein Großteil der Schüler schon ein eigenes Gerät, und tatsächlich ein Smartphone und kein olles Tastenhandy. Damit sind Probleme verbunden, nicht unbedingt die Online-Sucht, sondern eher in Bezug auf Whatsapp: Dass Schüler nicht einschätzen können, wie bestimmte Sachen auf andere wirken, dass über Whatsapp gemobbt wird oder dass Schüler komische Filme geschickt bekommen, sei es mit gewalttätigem oder pornografischem Inhalt. Dann wissen manche nicht, was sie damit anfangen können und sprechen leider nicht mit den Eltern darüber. Sie regeln es untereinander, aber ein anderer Viertklässler ist dann vielleicht auch ein schlechter Ratgeber.

Wie oft suchen Eltern bei Ihnen Rat?

Gar nicht.

Erstaunlich, oder?

Ich hoffe, sie suchen andere Wege, vielleicht an der Schule oder der Erziehungsberatungsstelle. Anfang des Jahres wollten wir mit den Sofa-Seminaren Eltern zu Hause erreichen und zusammenbringen, damit sie im vertrauten Rahmen ihre Sorgen rund ums Handy loswerden können. Leider fiel die Resonanz gering aus.

Haben Sie „goldene Tipps“ parat?

Das ist tatsächlich, dass sich Eltern selbst informieren: Was macht mein Kind überhaupt im Internet? Spielt es, guckt es Filme? Das scheint manchmal ein Buch mit sieben Siegeln zu sein, dass man nur sieht, die sind versunken, aber was gemacht wird und warum sie es gern machen, das wissen viele Eltern nicht. Also erstmal ins Gespräch kommen: Was machst du da, wie funktioniert das? Darüber hinaus ist es wichtig, dass man sich selbst und den eigenen Konsum kritisch hinterfragt. Sonst kann man nicht glaubhaft machen, dass der Sohn oder die Tochter das nicht machen sollen. Im Internet gibt es zudem verschiedene Seiten, wo sich Eltern informieren können, beispielsweise www.schau-hin.info

Und wenn der Aufwand manchen Eltern, warum auch immer, zu hoch ist – gibt es einen anderen Weg?

Nein. Es gibt vieles, wo im Elternhaus der Grundstein gelegt werden muss. Manches können Schule oder Jugendarbeit leisten, aber nicht die grundlegende Erziehung. Vielleicht hat man im Freundeskreis jemanden, der sich mit Computerspielen auskennt. Da könnte man sich zusammentun zu einem gemeinsamen Spieleabend, von dem alle profitieren – könnte ja auch Spaß bringen.

Wie wichtig sind klare Regeln zum Thema Handy?

Je klarer die Regeln, desto einfacher können sich Jugendliche daran orientieren. Schlimm sind die Wischiwaschi-Regeln, wo die Mutter sagt „Aufhören“ und der Vater noch eine halbe Stunde gestattet. In dem Zusammenhang ist ein Mediennutzungsvertrag eine gute Sache, weil gemeinsam Regeln ausgehandelt werden und die Konsequenzen klar sind. Unfair finde ich es, wenn ein Handyverbot ausgesprochen wird, weil irgendetwas anderes im Familienalltag nicht funktioniert. Es sollte ein Zusammenhang zwischen Fehlverhalten und Konsequenz bestehen.

Was ist gut an der Entwicklung?

Es gibt sicher viele gute Elemente. Beispielsweise kann es sehr hilfreich beim Lernen sein, da die Jugendlichen dank der Technik mit einem höheren Engagement dabei sind . Es ist auch etwas, das durch alle Bildungs- und Gesellschaftsschichten geht. Das kann ein Vorteil sein, um Menschen, die sich von vielen Bildungsangeboten zurückziehen, zu erreichen. Der Nutzen für Schüler könnte groß sein, wenn es entsprechend eingesetzt wird.

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