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Demo : „Slow motion“ – Protest auf der Straße

vom
Aus der Redaktion der Glückstädter Fortuna

Bürgerinitiative „Radweg jetzt – L 168“ und Bürger protestieren für einen neuen Radweg zwischen Herzhorn und Sommerland.

Slow motion“ – hieß gestern der Protest der Radweginitiative „Radweg jetzt – L 168“. Zwölf Trecker und zahlreiche in gelben Westen gekleidete Fahrradfahrer blockierten über zwei Stunden die Landstraße 168 zwischen Herzhorn und Sommerland. Dadurch baute sich ein Stau über mehrere Kilometer auf. Auch Bäuerin Frauke Möller war mit ihrem Trecker dabei: „Eine tolle Aktion, denn mit dem Rad habe ich mich nie sicher auf der Straße gefühlt. Hoffentlich zeigt unser Einsatz Wirkung.“

Seit zweieinhalb Jahren gibt es die Bürgerinitiative „Radweg jetzt – L 168“, die sich für den Ausbau eines Radweges entlang der Landesstraße zwischen Herzhorn und Sommerland-Dückermühle einsetzt. „Mit dieser Aktion wollen wir ein erneutes Signal an das Land Schleswig-Holstein senden, damit der Radweg endlich gebaut wird“, sagt Reimer Wohlert als Sprecher der Initiative. Um 16 Uhr versammelten sich in Dückermühle und Herzhorn Fahrradfahrer, Inlineskater, Traktoren und Pkw zu einer langsamen Fahrt auf der Straße zum Fahrradmahnmal an der Kurve zwischen den Gemeinden Sommerland und Herzhorn.

Anliegerin Hella Schwartkopp: „Da das Verkehrsaufkommen wegen der Sperrung der B 431 zwischen Obendeich und Kollmar zurzeit besonders hoch ist, haben wir die Anlieger und Freunde unserer Initiative zu dieser Fahrt aufgerufen.“

Reimer Wohlert war sehr zufrieden: „Die Solidarität der Anwohner ist toll und auch die Gemeinden Sommerland und Herzhorn unterstützen unser Anliegen engagiert.“

Sommerlands Bürgermeisterin Helga Ellerbrock hat bereits einen Hefter mit dem Schriftverkehr zum Radwegeausbau gefüllt. „Bereits 2002 gab es baureife Entwurfsplanungen, die mit den Landeigentümern und den Gemeinden abgestimmt waren. Die Umsetzung dieser Pläne wurde 2003 gestoppt, da die Planung der Autobahn A20 die Landstraße schneidet. Seitdem liegt der Ausbau auf Eis, aber damit wollen wir uns nicht zufrieden geben.“

Klaus Dieter Fox aus Herzhorn verweist auf den Koalitionsvertrag, nach dem die Mittel für den Radverkehr erhöht werden sollen, um Schleswig-Holstein zum Fahrradtourismusland Nummer eins in Deutschland zu machen. Fox: „Wir fühlen uns vom Land verschaukelt und im Stich gelassen, indem wir hingehalten und die Fakten in den Auseinandersetzungen verdreht werden. Deshalb wollen wir den politischen Druck erhöhen, denn das Radfahren auf dieser geraden Fahrbahn ist sehr gefährlich.“ Im letzten Schreiben des Verkehrsministeriums vom Mai dieses Jahres erkennt Minister Reinhard Meyer die hohe kommunale Bedeutung des Radweges an und bietet eine 50 prozentige Bezuschussung der Baukosten an. Dabei beruft sich der Minister auf einen Grundsatz der finanziellen Beteiligung des Landes aus dem Jahr 2003 bei allen neuen Radwegemaßnahmen. Die Kosten würde das Land nicht alleine tragen. Helga Ellerbrock: „Der Radwegeausbau an Landesstraßen gehört zu den Landesaufgaben und darf nicht auf die Gemeinden übertragen werden. Für die zirka drei Kilometer lange Strecke sind Ausbaukosten von 1,2 Millionen Euro veranschlagt. Die Gemeinden sind nicht in der Lage, die Hälfte der Kosten und die anschließenden Unterhaltungsarbeiten zu übernehmen. Wir bleiben dran, denn der Radweg ist für uns unverzichtbar.“ Klaus Dieter Fox vermutet sogar, dass die Finanzierungszusage des Landes nur durchgereichte Bundes- und EU-Mittel sind und das Land sich selbst gar nicht beteiligt.

Begonnen hat die Arbeit der Initiative „Radweg jetzt“ mit einer Unterschriftenaktion im Jahr 2012. Die Unterschriften wurden beim Wirtschaftsminister persönlich abgegeben. Seitdem folgten viele Aktionen wie die Enthüllung des Mahnmals „Bike-Cumenta“, die Einweihung einer Schutzhütte, Gottesdienste und Fahrradfahrten mit Laternen. Auf politischer Ebene wurden Podiumsdiskussionen und Besuche im Ministerium organisiert, und auch Ministerpräsident Thorsten Albig fuhr mit dem Rad ein Stück entlang des geplanten Radweges.

Einen kleinen Erfolg kann die Initiative immerhin verbuchen. Der Lückenschluss des Radweges zwischen Grönland und der B5 wird wohl im Jahr 2015 ausgebaut, nachdem bei der erneuten Auslegung der Pläne keine Einwände von Anliegern und den beteiligten Gemeinden erhoben wurden. Helga Ellerbrock: „Dieser Bauabschnitt wird voll vom Land finanziert so wie sich das gehört. Nun hoffen wir auch auf die Vollfinanzierung durch das Land im Abschnitt zwischen Dückermühle und Herzhorn.“

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