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Norddeutsche Rundschau

23. November 2017 | 12:30 Uhr

Sitztanz in der Kirchenbank

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Diese Session des spanischen Blues-Gitarristen Tonky de la Peña und seines Keyboarders Boris Grimm könnte man sich auch in einem rauchgeschwängerten Jazz-Keller vorstellen. Aber die beiden Blues-Freunde haben sich bewusst für eine Kirche als Konzertort entschieden. Sie wollen zurück zu den Wurzeln des Blues, und entsprechend bringen sie ihr Programm auf die Bühne, pardon, in den Altarraum von St.  Laurentii: Soul und Gospel sind der Ausgangspunkt für entspannende und mitreißende musikalische Momente.

Nach Auftritten in Kirchen von Pinneberg, Elmshorn, Tornesch und Haselau wartete mit St. Laurentii allerdings der größte und zudem ein sehr herausfordernder Kirchenraum. Mit 100 Leuten war er gut gefüllt, um schnell Stimmung aufkommen zu lassen. Aber es waren doch zu wenige, um den Nachhall zu bändigen. Folglich gab es hier und dort etwas Blues-Brei, vor allem dann, wenn mit de la Peña und Grimm die Begeisterung durchging. Dann fügten sie an die wohlformulierten Soli noch Ornamente und rhythmische Gags an. Anders gesagt: So flinke Finger hatten die Architekten vor 300 Jahren noch nicht im Akustik-Design eingeplant. Zu dem Duo gesellte sich die Bass-Gitarre von de la Peñas Sohn Adrian, deren monotones Gegrummel den facettenreichen Blues des Duos nicht wirklich unterstützte.

Warum dieses Konzert so gefiel: Vom Schema F, einem klassischen Anti-Blues-Argument, war bei dem freundschaftlichen Wettstreit zwischen Blues-Gitarre und Keyboard nichts zu spüren. Im Gegenteil: Immer wieder fanden die beiden Blues-Cracks individuelle Varianten, so dass die bekannten Nummern wie „House Of The Rising Sun“, „Kansas City“ oder „Amazing Grace“ individuell pointiert umspielt wurden. Das brachte dem Publikum so viel Spaß, dass es ausgefallenere Blues-Varianten des Kirchenbank-Sitztanzes ausprobierte. Was die Musiker wiederum zu immer weiteren Zugaben ermunterte. Dieses lebensfrohe Crossover von Kirchenkonzert und Jam-Session machte das besondere Flair dieses Auftritts aus.

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