Vogelgrippe : Sittiche trotzen der Vogelgrippe

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Züchter aus der Wilstermarsch organisieren am Sonntag die erste Vogelbörse in diesem Jahr / Ausstellung ist gleichzeitig Jubiläumsschau

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31. März 2017, 05:10 Uhr

Während für Hühner, Gänse und anderes Federvieh noch immer Stallpflicht gilt, sind Wellensittiche und Papageien offenbar immun gegen die seit Monaten in der Region grassierende Vogelgrippe. Genau deshalb dürfen die Züchter von Ziervögeln jetzt auch ihre Prachtexemplare einer breiten Öffentlichkeit präsentieren. „Wir dürfen nur keine Wachteln oder Tauben anbieten“, sagt Klaus-Dieter Schäfer. Der Vorsitzende der Ortsgruppe Brokdorf der Vogelfreunde Wilstermarsch lädt am Sonntag, 2. April, in der Zeit von 9 bis 16 Uhr zur Vogelbörse in einer kleinen Halle in der Rathausstraße 28 in Wilster ein. Für Besucher des verkaufsoffenen Sonntags bietet sich damit ein weiterer Anziehungspunkt. Nach zahlreichen Absagen an anderen Orten aus den vergangenen Wochen und Monaten ist es die erste Veranstaltung dieser Art in Zeiten der Vogelgrippe. Für die Vogelfreunde Wilstermarsch ist es zugleich ein kleines Jubiläum. Sie können auf ein 20-jähriges Bestehen zurückblicken.

Klaus-Dieter Schäfer rechnet mit gut 20 Züchtern aus dem ganzen Norden, die 200 bis 300 Ziervögel zur Schau stellen – vorwiegend Wellen- und Großsittiche. Ein bisschen wehmütig denkt der heute 69-Jährige aber auch an Zeiten zurück, als die Vogelbörsen in der Wilstermarsch noch ein wahrer Publikumsmagnet waren. So lockten Landesschauen auch schon mal mehr als 1000 Besucher in die Mehrzweckhalle nach Brokdorf. Inzwischen sind die Vogelfreunde froh, wenn sie geeignete Ausstellungsräume finden. Die Brokdorfer Halle darf seit geraumer Zeit nur noch ausschließlich für sportliche Zwecke genutzt werden.

Dass die Wilsteraner Jubiläumsveranstaltung nun überhaupt zustande kommen kann, hat – wie Schäfer berichtet – auch unter verunsicherten Zuchtfreunden für viele Nachfragen gesorgt. „In den vergangenen Monaten war vieles deshalb abgesagt worden, weil immer Hühner und Tauben dabei waren“, erläutert der Sprecher noch einmal. Vom Veterinäramt gebe es für die Vogelfreunde aus der Wilstermarsch aber ausdrücklich grünes Licht. „Alle Arten von Papageien sind von der Vogelgrippe nicht betroffen.“ Deshalb seien auch keine besonderen Vorkehrungen nötig.

Für Klaus-Dieter Schäfer und seine Zuchtfreunde geht es auch darum, ein bisschen die Werbetrommel für ein Hobby zu rühren, das wie viele andere unter Nachwuchssorgen leidet. Schäfer selbst frönt seiner Leidenschaft seit mehr als 40 Jahren. „Angefangen hat alles 1974, als ich zwei Wellensittich-Paare bekam.“ Heute hat er mehr als 200 Tiere in seinem Bestand. Und seine Frau ist längst ebenfalls zu einer begeisterten Sittich-Züchterin geworden. „In unserem Verein ist sie die Kassiererin.“

Und was macht nun den besonderen Reiz der Ziervogelzucht aus  ? „Man ist immer ganz gespannt, was am Ende für Farben herauskommen“, erläutert Schäfer. Die kleinen Sittiche würden zunächst nackt geboren. Innerhalb von vier Wochen entwickeln sie dann ihr farbenprächtiges Federkleid. Für Zuchtvögel, so Schäfer weiter, müsse man derzeit etwa 60 bis 120 Euro hinlegen. Spitzenexemplare von Championzüchtern würden aber auch für mehr als 1000 Euro gehandelt. Entscheidend für Anfänger sei: Man müsse die Sittiche unbedingt paarweise halten. „Wir Menschen wollen schließlich auch nicht alleine leben.“ Und wenn sich die Sittiche dann nach wenigen Wochen das erste Mal in die Lüfte erheben, sei das immer ein ganz besonderes Highlight.

Organisiert ist die Ortsgruppe übrigens unter dem Dach des Bundesverbandes der Vereinigung für Artenschutz, Vogelhaltung und Vogelzucht, kurz: AZ. Die jetzige Jubiläumsbörse findet fast auf den Tag genau 20 Jahre nach der Gründung statt. Aktuell gehören dem kleinen Verein 15 Mitglieder an – und ein Jugendlicher. Vor acht Jahren war es ihnen erstmals gelungen, die Landesvogelschau nach Brokdorf zu holen.

Die Mitglieder der Ortsgruppe sind ansonsten auch viel auf Reisen, nehmen an Orts-, Landes- und Bundesschauen teil. Alle zwei Monate treffen sie sich beim Vorsitzenden Klaus-Dieter Schäfer (Deichstraße 43 in Wilster) zum Fachsimpeln und zum Erfahrungsaustausch. Wer jetzt in das seltener gewordene Hobby einmal reinschnuppern möchte, hat dazu am kommenden Sonntag eine gute Gelegenheit. Ansonsten macht auch Klaus-Dieter Schäfer drei Kreuze, wenn die Vogelgrippe kein Thema mehr ist – obwohl seine Sittiche nicht wirklich betroffen sind. Er hat mittlerweile seine Außenvolieren überdacht. Weil die farbenprächtigen Ziervögel eigentlich auch Regenwasser lieben, rückt er nun regelmäßig mit einem Wasserschlauch an.

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