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Hilfe für Flüchtlinge : Singen nimmt Angst und verbindet

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe hat ein Projekt ins Leben gerufen: Regelmäßig musiziert Chris Chinery mit deutschen und ausländischen Kindern.

„Hallo, hallo“ singen Madina (7), Amina (11) und Mohammed (8). Nach und nach füllt sich der Kreis im Mehrgenerationenhaus (MGH). Jedes Kind nimmt sich einen Hefter mit Liedtexten. Viele sind in krakeliger Schrift mit ausländischen Namen versehen. In die Störstadt kamen sie von weit her. Aus Glaubensgründen, wegen Krieg und Unruhen traten sie mit ihren Eltern die Flucht aus ihrer Heimat an. In die Störstadt gelangten sie über etliche Stationen auf beschwerlichen und gefährlichen Wegen. Ruhe und Frieden sind neu für die Kleinen und die Erwachsenen.

Der Singkreis für deutsche und ausländische Kinder soll ihnen ein Stück Normalität bieten und den Start im neuen Land erleichtern. „So können sie die Sprache schnell lernen und deutsche Kinder kennen lernen“, sagt Horst Nitz. Darüber hinaus hofft er, dass auch die Eltern miteinander ins Gespräch kommen.

Ins Leben gerufen wurde das Projekt durch die ehrenamtlichen Flüchtlingshilfe, der auch Nitz angehört. Als Musiker und Leiter des kleinen Chors gewonnen werden konnte Chris Chinery. Der gebürtige Londoner weiß selbst wie es ist, fremd in einem Land zu sein. Er kam 1968 – allerdings aus freien Stücken – in seine Wahlheimat Schleswig-Holstein. „Ich konnte kein Wort deutsch, hatte aber meine Gitarre dabei“, erzählt er. Über die Musik lernte er schnell andere Menschen kennen und schließlich auch die Sprache. Chinery spielt Gitarre und das Zupfinstrument Waldzither, schlägt die Cajon-Trommel, ist Mitglied der Band „Old Folk“ und lehrt an der Volkshochschule das Gitarrenspiel. Im Mehrgenerationenhaus (MGH)hat er mit seiner Musik quer durch die Generationen schon mehrfach Stimmung gemacht. „Die Arbeit mit den Kindern ist mir sehr wichtig“, sagt Chinery. Vor allem, weil er darauf vertraut, dass sich die Volksweisheit von der verbindenden Wirkung der Musik erneut bewahrheitet.

Der fröhliche Singkreis ist inzwischen beim Bauernhoflied angelangt. In die Länge zieht es sich, weil den Kindern viel mehr tierische Bewohner einfallen, als der Song vorgibt. Also wird mit Feuereifer gepiept, gequietscht, geschnattert und gewiehert. Nur wie der Igel spricht, will niemandem einfallen. Plötzlich ist die alle Scheu von den Kindern abgefallen. Gesungen kommt die deutsche Sprache auch den Mädchen und Jungen aus unterschiedlichen Nationen flüssig über die Lippen.

Seit drei Monaten trifft sich der Nachwuchs alle zwei Wochen im MGH. „Wir sind sehr froh, dass das MGH die Aktion durch die Bereitstellung der Räumlichkeiten unterstützt“, sagt Nitz. Über die Stadtjugendpflege würden außerdem weitere Kinder zur Teilnahme angesprochen. Finanziert werde der Singkreis aus dem Topf der Flüchtlingspauschale, die das Amt vom Kreis aus Landesmitteln erhalte.

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