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Norddeutsche Rundschau

19. August 2017 | 17:29 Uhr

Bahnanschluss : Siechtum auf dem Land stoppen

vom
Aus der Redaktion der Norddeutschen Rundschau

Die Bewohner des ökologischen Wohngebietes „Sonnenfeld“ für Bahnanschluss in Kellinghusen.

Mit Infrastrukturmaßnahmen das Siechtum auf dem Lande stoppen. „Der Bahnanschluss wird die Kleinstadt am Leben halten“, ist sich Knut Ubben sicher. Diese Ansicht teilen auch weitere „Sonnenfeld“-Bewohner. „Das Bahnanliegen ist dringend, dadurch werden deutlich mehr Leute nach Kellinghusen ziehen“, sind sich die meist aus Hamburg Zugezogenen einig. Keinesfalls dürfe sich die Ironie von vor 100 Jahren wiederholen, als die Stadt beim Bau der Strecke Kiel-Altona leer ausging, erklärt Dr. Ulrich Kypke. Und: Für die kommunale Perspektivplanung sei es wichtig, dass der Bahnhof wieder eröffnet wird.

Umweltfreundliches naturnahes Wohnen abseits der Metropolen – diese Idee veranlasst vermehrt Menschen, der Großstadt den Rücken zu kehren. Das ökologische Wohngebiet am Rensinger See hat sich innerhalb weniger Jahre zu einem lebendigen Standort entwickelt. Dafür nehmen die berufstätigen Bewohner auch eine längere Anfahrt zur Arbeitsstelle in Kauf. Sie sind freischaffend in ganz Schleswig-Holstein unterwegs, steuern Büros in Kiel und Hamburg an oder pendeln zu Arbeitsplätzen im „Speckgürtel“ der Metropole.

Ein fußläufig zu erreichender Bahnhof in der Stadtmitte würde aus ihrer Sicht eine enorme Erleichterung darstellen. Aus Umweltgründen ist für die meisten Pendler derzeit das Fahrrad das Verkehrsmittel der Wahl, um den Bahnhof in Wrist zu erreichen. Als viel beschäftige und viel reisende Selbstständige ist Walle Gering gern per Bahn unterwegs. „Wenn ich Gepäck und Arbeitsmaterial dabei habe, muss ich aber auf das Rad verzichten und den Pkw nehmen.“

Sebastian Marcks und seine Familie wohnen seit zwei Jahren im „Sonnenfeld“. Beide Partner pendeln nach Pinneberg – bewusst ohne Auto. Sie fahren mit dem Rad, obwohl dies im Winter hart sei. „Ein Stop der Nordbahn in Kellinghusen wäre daher toll.“ Mit dem Bahnhof vor Ort könnten auch die Familie von Anneke Niemeyer auf ein Auto verzichten. Bislang können sie die Arbeit im Speckgürtel und in Hamburg nicht unter einen Hut zu bekommen.

Stellvertretend für die ältere Generation meldet sich Jutta Lohmann zu Wort: „Auch wir wollen noch angebunden bleiben, zum Beispiel an die Kultur in Hamburg.“ Hatto Ter Hazeborg sagt mit Blick auf seine Geburtstagsgesellschaft: „Und ich könnte besser feiern.“ Die Gäste müssten nicht von und zum Wrister Bahnhof kutschiert werden. Silke Schurbohm, Freiberuflerin in Hamburg, greift den touristischen Gedanken auf. Die Bahn würde umgekehrt auch Spazier- oder Radtouristen sowie Besucher des Töpfermarkts oder des Weinfestes in die Störstadt bringen. In Sachen Kulturtourismus lockt das „Sonnenfeld“ seit einigen Jahren mit einem eigenen Beitrag: Die jährliche KIS Schau – „Kunst im Sonnenfeld“ – weise wachsende Besucherzahlen aus Kiel und Hamburg vor, erklärt Maria Lohmann, Initiatorin des ökologischen Wohnprojekts. „Viele kommen am Wochenende und wissen dann in Wrist nicht weiter.“

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